Reh nachzerrte und sich von ihrem Schatze nicht haschen ließ , und wenn er wie toll hinterdrein brauste , bis sie sich auf einmal wie ein flinkes Bachstelzchen schwenkte und husch mit beiden Armen an seinem Halse hing – da mußte ich manchmal die Zähen zusammenbeißen , um nicht hinzulaufen und das federleichte Ding im roten Jäckchen und Florkleidchen vor Liebe zwischen meinen groben Händen zu zerdrücken . Sehen Sie sie doch an ! So was Wunderschönes sieht die Welt so bald nicht wieder . « Jetzt brach ihre Stimme ; sie stand auf und schob ordnend wie eine zärtlich stolze Mutter an den schweren schwarzblauen Flechten , die zu beiden Seiten der leise veratmenden Brust niederhingen . » Ja , die Haare , die hat er manchmal auf der Hand gewogen und geküßt , « seufzte sie auf – sie blieb am Bette stehen . » Er mag wohl auch gedacht haben wie ich , daß sie schwerer seien , als das ganze kleine Mädchen selbst . Perlen und Rubinsteine und Goldstücke sind nur immer so drüber hingestreut gewesen ; das alles hab ' ich dem Herrn Hofmarschall herausgeben müssen ... Sie hatte eine feine Kammerjungfer , die der Herr Baron aus Paris oder Gott weiß woher mitgebracht hatte ; die mußte sie bedienen , und mit der war sie gut wie ein Engel – die gelbhäutige Hexe hat ' s ihr schlecht genug vergolten ... Der gnädige Herr ist einmal früh umgefallen und für ein paar Stunden so gut wie tot gewesen , und nachher beim Aufwachen , da hat es sich gezeigt , daß die Dunkelheit in seinem Kopfe – sie sagen , die Melancholie – sie schon vorher angefangen hatte , vollends ausgebrochen ist . Von dem Augenblicke an waren der Herr Hofmarschall und der Kaplan , der jetzige Herr Hofprediger , die Herren im Schönwerther Schlosse . Ich hab ' Ihnen ja schon einmal erzählt , daß die ganze Schloßgesellschaft zu den zwei – Spitzbuben gehalten hat – nichts für ungut , gnädige Frau – und die Schlimmste ist die noble Kammerjungfer gewesen . Sie hat die schändliche Geschichte , daß die arme Frau den schönen Reitknecht Joseph lieb habe , ausgeheckt und dem kranken Herrn weisgemacht . Dafür hat sie auch ein paar tausend Thaler mitgenommen , wie sie nach Hause gereist ist ... Nun bin ich ' nübergegangen ins indische Haus – heimlich , denn mein Mann durfte es ja nicht wissen . Sie kauerte dazumal hier auf dem Bette , verwildert und halb verhungert ; aus Angst vor dem Hofmarschall wollte sie lieber nicht essen und im unordentlichen Bette schlafen , um nur die Riegel nicht wegzuschieben ... Ich weiß bis heute nicht , wie es gekommen ist , aber er hat nie gemerkt , daß sie an mir eine Stütze gehabt hat ; vielleicht bin ich doch nicht so dumm , wie er immer sagt ... Sechs Monate lang hat sie wie eine Gefangene hier im Hause gesteckt . Das Jammern und Weinen vor Sehnsucht nach dem Manne , der nichts mehr von ihr wissen wollte , vergesse ich in meinem Leben nicht ... Nachher ist der Gabriel geboren worden , und von da an wurde › die harte , grobe , unbarmherzige Löhn ‹ als Zuchtmeister im indischen Hause angestellt ... Manchmal bin ich auch bei dem kranken gnädigen Herrn gewesen , wenn mein Mann seine Schwindelanfälle hatte , da mußte ich bedienen , denn ich wußte , wie er ' s gern hatte ... Wie oft habe ich da ihren Namen auf der Zunge gehabt , um ihn nur einmal an sie zu erinnern und ihm zu sagen , daß er einen Sohn habe , und daß alles niederträchtige Lüge sei , was sie ihm weisgemacht hatten , aber es mußte tapfer wieder hinuntergeschluckt werden , denn wenn er auch noch so gut und gescheit war , sobald seine schwarze Stunde kam , da beichtete er dem Kaplan alles , und da wäre ich ohne Gnade an die Luft gesetzt worden , und die beiden im indischen Hause hätten gar niemand mehr auf der Welt gehabt . « Liane griff nach ihrer Hand und drückte sie innig ; diese Frau hatte einen unglaublichen Fond von Liebe , Selbstverleugnung und zärtlicher List für die beiden Unglücklichen entwickelt , wie kaum eine Mutter für ihr eigen Fleisch und Blut ... Sie wurde ganz rot und schlug förmlich erschrocken die Augen nieder , als die schöne Hand sich so weich und lind um ihre groben Fingerknöchel legte . » Nun ging ' s aber bei dem kranken Herrn aufs Sterben los , « fuhr sie unsicher , fast bewegt fort . » Der Herr Hofmarschall und der Kaplan waren die ganze lange Zeit nicht von seiner Seite gewichen . Einer war immer da und sah drauf , daß alles am Schnürchen ging , wie sie ' s eingefädelt hatten , und da mußte es doch passieren , daß der Herr Hofmarschall sich erkältete und krank wurde , und der Kaplan mußte in die Stadt , um dem katholischen Prinzen Adolf die Sterbesakramente zu reichen – und das war eine Fügung vom lieben Gott , es mußte alles so kommen ; denn wie der geschorene Kopf zum Schloßthor ' naus war , da kriegte mein Mann seinen Schwindelanfall so derb , daß er nicht vom Kanapee aufstehen konnte . Na , ich war ja da ! ... Ich stand im roten Zimmer neben dem kranken Herrn und reichte ihm die Medizin – und die dunklen Vorhänge hatte ich von den Fenstern wegziehen müssen ; da fiel die liebe Sonne herein auf sein Bett , und da war ' s doch gerade , als wäre auch ein Vorhang von seinen Augen weggezogen worden ; er sah mich ganz hell an , und auf einmal streichelte er meine Hand , als wollte er mich loben für meine Bedienung – da ging mir ' s wie Feuer durch den Kopf . › Du riskierst ' s