ihm nicht entgangen , daß , während ich ruhig sprach , der namenloseste Schmerz meine Brust zerriß ; » sei auf das Schlimmste gefaßt , mein Kind , Johanna ' s Leben zählt nur noch nach Tagen , obwohl ich zugebe , daß Dein plötzliches Erscheinen ihren Geist möglicher Weise beruhigen kann . Und dann denke auch an Dich ; Feinde von Dir lauern ringsum , jede weitere Stunde Deines Verweilens in dieser Gegend , vergrößert die Gefahr , welche Dir droht . « » Erreichte ich auch weiter nichts , als daß Johanna ihre letzten Lebenstage in stillem Frieden verbrächte und nicht mehr heimgesucht von den sie marternden Priestern – weiter nichts , als daß sich noch einmal ihr liebevolles Lächeln , zum Andenken für ' s ganze Leben , in meine Seele eingrübe , ich wollte diesen Erfolg ja so gern , so unbeschreiblich gern mit meiner Freiheit bezahlen . Was bleibt mir noch , wenn Johanna von uns scheidet ? was bleibt mir , das meinem Leben auch nur noch den geringsten Reiz zu verleihen vermöchte ? « Wiederum durchmaß mein Vormund das Gemach mit festen Schritten , worauf er sich nach einer Weile mir wieder zuwendete . » Gustav , Du kannst recht haben , « hob er an , » für Dich , für mich , für uns Alle wäre es eine Wohlthat , für Johanna selbst aber am meisten , erfreute sie sich vor ihrem Eure noch einiger lichten Tage . Sie soll Dich sehen , aber ich muß mir die Sache überlegen ; es muß so geschehen , daß nicht , während Du Dich bei dem armen Kinde befindest , die Pfaffen hingegen und Dich verrathen . Laß mich daher allein ; kehre in Dein Versteck zurück , wo Du am sichersten aufgehoben bist , und sende jeden Abend , sobald es dunkel geworden , den Anton zum Rapport . Nimm Dir auch noch diese Decken mit , denn die Nächte sind kalt , und dann dies Körbchen mit Wein und Speisen , ich habe Alles eigenhändig ans Speisekammer und Küche stehlen missen , um nicht mit Fragen belästigt zu werden . Nun gehe mein Kind , hoffe das Beste und sei vorsichtig . Deine Gefangennahme wäre ein Nagel mehr zu meinem Sarge , also auf Wiedersehen . « So sprechend , begleitete er mich bis an die Hausthür ; zu antworten vermochte ich nicht , nur die Hand drückte ich meinem alten theuern Wohlthäter , er aber wußte , was ich damit sagen wollte . Wir waren schon längst vom Hofe herunter und dicht vor der ersten Biegung der Landstraße angekommen , da erkannte ich , rückwärts schauend , in der geöffneten Thür vor dem schwachen Lichtschimmer , der aus der Stube auf die Hausflur fiel , noch immer die hohe regungslose Gestalt meines Vormundes . 16. Capitel . Das Wiedersehen Sechzehntes Capitel . Das Wiedersehen . Am zweiten Abend nach meiner Zusammenkunft mit dem Oberstlieutenant brachte Anton mir die Nachricht , daß derselbe mich in kürzester Frist erwarte . Die entscheidende Stunde war also da ; ich sollte Johanna sehen und sprechen , um zugleich auf ewig Abschied von ihr zu nehmen . Obgleich ich für meine Person aus das Wiedersehen vorbereitet war , obgleich eine schmerzliche Freude mich erfüllte , noch ein Mal Johanna ' s süße Stimme hören , noch ein Mal ihr für ihre unerschütterliche Liebe und Treue danken zu dürfen , schwebte ich doch in einer angstvollen Spannung , wie derjenige sie wohl empfinden mag , der auf seinem letzten Gange der nächsten Zukunft gedenkt ? » Wie wild das enden ? Wird sie mich wiedererkennen ? « fragte ich mich mit innerem Beben , und als Antwort darauf fühlte ich nur ein stärkeres , ängstlicheres Klopfen meines Heizens . Erst als ich mich wieder bei meinem Vormunde in der Stube befand und die ernste , feierliche Entschlossenheit in seinen Zügen gewahrte , gewann ich neue Fassung und die überlegende Ruhe , welche zu dem gewagten Schritt unumgänglich nothwendig war . Keines Wortes mächtig reichte ich dem Oberstlieutenant die Hand . » Es hat sich eher gemacht , wie ich glaubte , « sagte er , wie ein Vater mich umarmend ; » Dein Versteck muß gut sein , denn selbst der argwöhnische Andres glaubt Dich fern , oder er würde die ihm von den Pfaffen gebotene Wachsamkeit nicht eingestellt haben . Ja , es hat sich schnell genug gemacht . Meine Lisette ist eben zur Abendmesse gefahren , das Hausgesinde habe ich ihr nachgeschickt , und außer mir befindet sich nur noch Johanna ' s Wärterin im Hause . Niemand ahnt unser Vorhaben , die beiden Priester sind in gewohnter Weise hier gewesen und sogar von mir im Vorbeigehen begrüßt worden , und wenn ich nicht irre , gedenken sie nach der Messe noch einmal hier vorzusprechen . Sie sind nicht blind dafür , daß meiner armen guten Johanna Auflösung in jeder Stunde erfolgen kann . Nun , nun , fasse Dich mein Junge , sei ein Mann , « fügte er mit bebender Stimme hinzu , als er gewahrte , daß ich erbleichte , » Du mußt Dich in ' s Unvermeidliche fügen , und dann bedenke , die Pfaffen haben , so Gott will , mein Haus zum letzten Mal betreten . « Sobald er dann Anton angewiesen , wieder seinen alten Platz am Ofen einzunehmen , mir aber behilflich gewesen war , mein Aussehen durch einige von mir auf der Oberförsterei zurückgelassene Kleidungsstücke meiner früheren Erscheinung möglichst ähnlich zu machen , begab er sich in Johanna ' s Gemach , um die Wärterin zu entfernen . Nach einigen Minuten kehrte er zurück , und mich am Arm ergreifend , zog er mich schweigend mit sich fort . Nachdem wir die beiden anstoßenden Gemäßer durchschritten hatten , gelangten wir auf einen schmalen , nach der Küche führenden Gang , den eine kleine Lampe matt erhellte . » Hier ist sie , « sagte der