Ich verlasse nun das Land , nach dem ich mich ein halbes Leben lang gesehnt habe und an das ich , während der zweiten Hälfte meines Lebens , mit so viel Liebe zurückdenken werde , daß ich fast wünschen möchte , ich hätte es nicht gesehen . « Nach diesem Lande seiner Sehnsucht zog es ihn jetzt mit verdoppelter Kraft , aber die Götter waren seinem Vorhaben nicht hold , und es schien , daß er dem engen Kreise verbleiben sollte , dem er seit fast vierzig Jahren , wenn auch mit mancher Unterbrechung , angehört hatte . 1787 machten politische Konstellationen die Übersiedlung nicht möglich , 1788 im Juni ging er wirklich und trat auch wegen Ankaufs eines in der Nähe von Paris gelegenen Grundbesitzes in Unterhandlungen ein , aber ehe sie zum Abschluß gelangen konnten , zogen die Wetter der Revolution immer drohender herauf , und der Prinz , der sich nach Ruhe sehnte , kehrte schweren Herzens in seine Rheinsberger Einsiedelei zurück . Von da ab gehörte er derselben ganz . Meine Aufgabe wird in folgendem darin bestehen , den Prinzen in diesem seinem Stilleben zu schildern , und mit einiger Bestimmtheit festzustellen , in welcher Art und welcher Genossenschaft er das letzte Jahrzehnt seines Lebens verbrachte . Diese meine Aufgabe war insoweit schwierig , als gedruckte Mitteilungen aus jener Epoche so gut wie gar nicht vorliegen , aber ich genoß dafür des Vorzuges , Personen zu begegnen , die jene letzten Prinz-Heinrich-Tage teils noch miterleben durften oder doch von eben diesen Tagen wie von etwas Jüngstgeschehenem hatten sprechen hören . Es bezieht sich dies namentlich auf die Mitteilungen über den Major von Kaphengst und den Grafen und die Gräfin La Roche-Aymon . Die Rheinsberger Kirche hat zwei Glocken aus dem Jahre 1780 . Die kleinere bedeutet wenig , desto mehr die größere , darauf wir folgende Namen verzeichnet finden : Prince Frédéric Henri Louis de Prusse , frère du Roi . Major de Kaphengst . Baron Frédéric de Wreich . Baron Louis de Wreich . Baron de Kniphausen . Baron de Knesebeck . de Tauentzien . Alle diese waren Kavaliere des Prinzen . Rechnen wir hier zu den Bibliothekar und Vorleser des Prinzen , erst Francheville , dann Toussaint , danach die Mitglieder einer französischen Schauspielertruppe samt einer deutsch-italienischen Kapelle , schließlich aber eine Anzahl Kammerdiener , Lakaien und Leibhusaren , so haben wir alles beisammen , woraus sich 1780 der Rheinsberger Hof zusammensetzte . Die vorgenannten Kavaliere wohnten im Kavalierhause , die Lakaien und Kammerdiener im Schloß , endlich die Künstler aller Art in der Stadt zur Miete . Einen zweiten sicheren Anhaltepunkt , ebenso zuverlässig wie die Glockeninschrift , geben uns die » dernières dispositions « des Prinzen , aus denen wir ersehen , daß um 1802 der Hofmarschall Graf Röder , der Adjutant Graf La Roche-Aymon , der Kammerrat Lebeauld und der Baurat Herr Steinert die Umgebung des Prinzen bildeten . Major von Kaphengst , Baron Knesebeck und Tauenzien lebten noch ; unter allen Umständen aber gewinnen wir , wenn wir die bestimmt verbürgten Namen von 1780 und 1802 zusammentun , einen Überblick über die Mehrzahl der Persönlichkeiten , die während der letzten zwanzig Jahre die Träger und Repräsentanten des Rheinsberger Hoflebens waren . Über jeden der Genannten werde ich einige Worte zu sagen , über Kaphengst und La Roche-Aymon aber mich ausführlicher zu verbreiten haben . Ehe wir indes zu diesen Personalien übergehen , versuche ich es zuvor in allgemeinen Zügen festzustellen , unter welcher Benutzung der Zeit die Rheinsberger Tage verflossen . Der Vormittag gehörte der Arbeit , während der Nachmittag der Gesellschaft , dem Diner , der Lektüre , 57 dem Schauspiel und der Musik gewidmet war . Nur gelegentlich fanden Ausflüge statt , und noch seltener waren Feste , für die der Prinz , in früheren Jahren , eine entschiedene Vorliebe gehegt hatte . Wenden wir uns zunächst dem Vormittage zu , der Arbeitszeit des Prinzen . Da er ( unähnlich seinem großen Bruder , mit dem er übrigens die Antipathie gegen die Jagd gemein hatte ) von der Landwirtschaft eine niedrigste Meinung hegte , zugleich auch offen aussprach , daß das Säen und Ernten zwar sehr wichtig , aber Sache jedes Bauern sei , so nahm ihm die Verwaltung seiner Besitzungen , die er seinen Pächtern und Inspektoren überließ , nichts von seiner Zeit . Er konnte dieselbe vielmehr ungestört seinen Studien widmen . Unter diesen stand das Studium der Kriegswissenschaften und der schönen Literatur , soweit sie Frankreich betraf , obenan . Er las mit nie sich abschwächender Vorliebe die Werke der französischen Philosophen , schwärmte für Voltaire und schrieb selber Verse , von denen mit satirischem Anfluge bemerkt worden ist , » daß sie lebhaft an die Verse seines Bruders erinnert hätten . « Übrigens wurden seine dichterischen Versuche von seinen französischen Vorlesern entfehlert , erst von Francheville , dann von Toussaint . Neben diesen poetischen Versuchen war es eine sehr ausgedehnte Korrespondenz , was seine Zeit in Anspruch nahm , und neben dieser Korrespondenz wiederum die Niederschreibung seiner Memoiren . Von diesen ist wenig zur Kenntnis der Welt gelangt . Seine Kritik des Siebenjährigen Krieges , oder mit anderen Worten des Königs selbst , ruht , wenn sie nicht vernichtet ist , wie manche vermuten , uneröffnet und zunächst unzugänglich in unseren Archiven . Andere seiner Arbeiten haben es verschmäht , unter dem Namen ihres erlauchten Verfassers in die Welt zu treten und sollen sich ( wenigstens teilweis ) in den militärischen Schriften wiederfinden , die zwischen 1802 und 1804 vom Grafen La Roche-Aymon , dem letzten Adjutanten des Prinzen , veröffentlicht wurden . Ein besonderes Interesse , das mag schon hier eine Stelle finden , nahm er an den Kriegs- und Siegeszügen Moreaus , welchen letzteren er über Bonaparte stellte , wobei freilich nicht vergessen werden darf , daß der Prinz 1802 bereits starb , also früher als die großen napoleonischen Schlachten , die so viele Staaten zertrümmerten , geschlagen wurden . Er erlebte