noch vernommen , einen schweren Schlag auf den quälenden Stachel getan , der seit vielen schlaflosen Nächten in Runotter bohrte . Als der Bauer hinunterkam , sah Malimmes ihn verwundert an . » Herr ? Was hast du ? « » Nichts . « Runotter legte seine schwere Hand auf die Kettenhaube des Buben . » Ich geh zu den Gäulen . « Wieder rasselte auf der Straße ein Reitertrupp vorbei . Zwei im ledernen Holdenküraß , mit erbeuteten Pferden , hielten vor der Haustür , der Altknecht des Runotterhofes und Heiner , der bei lachendem Gesicht eine Blutkruste auf der Stirn hatte . Durch den Eisenhut war ' s durchgegangen . » Aber das gute Käpplein der Traudi hat grad noch ausgehalten . « Der dritte von den Knechten fehlte . » Wird schon kommen ! « tröstete Malimmes . Aber dieser dritte blieb aus . Die Magd mußte Speis und Trunk bringen , mußte den vergitterten Eingang der Amtsstube aufsperren und in diesem geheiligten Raum die Heulager richten . Über die Treppe rief Frau Marianne herunter : » Das Stübl ist fertig . « » Komm , Bub ! Wann nit gehen kannst , ich trag dich . « » Es geht schon . « Als Frau Marianne droben im zweiten Stockwerk vor den beiden Mannsleuten die Tür der kleinen weißen Stube auftat , sah der Bub erschrocken die Kleider an , die von einem Zapfenbrett an der Mauer herunterhingen . Ein grünes Reiterwams aus Hirschleder war dabei , mit violett geflügelten Ärmeln . » Nur Mut ! « mahnte Malimmes mit einer wunderlichen Stimme . » Ist kein Feind nit da ! « Das Stübchen duftete herb , obwohl die zwei Kerzen nicht brannten . Wasser war in dem kupfernen Becken und Wasser in der kupfernen Kanne . Vor dem Waschtisch war eine dicke Kotze auf den Boden gelegt . Das große , weißverhangene Bett , neben dem ein Tischlein mit Wein und Speisen stand , war aufgedeckt . Schweigend richtete Frau Marianne die Kissen und ging aus der Stube . Malimmes hob dem Buben die Kettenhaube über die Ohren . Das schwarze Haar war dicht an den Kopf geklebt , auf den Wangen sah man wie eine Blutzeichnung das Muster des Ringgeflechtes , und das schmale Oval , das die Kettenhaube vom Gesicht freigelassen hatte , war braun und grau . Unter heiterem Schwatzen zog Malimmes an des Buben Küraß die Schnallen auf . Nun plötzlich der Laut eines fürchterlichen Schrecks . Der Küraß hatte auf der Brustplatte eine kleines , rundes Loch mit einwärts gebogenen Rändern . » Bub , bist du letz ? « Jul schüttelte den Kopf . » So viel gut ist mir . « Malimmes riß ihm den Küraß herunter . Das Geschoß der Faustbüchse hatte den Stahl durchbohrt und war in dem Lederpolster , das wie eine große Brille aussah , kraftlos hängen geblieben . » Guck , mein gescheites Pölsterlein ! « Und lachend legte Malimmes auf die Hand des Buben ein kleines Ding wie eine graue , zerquetschte Nuß . » Vergelt ' s Gott , Mensch ! « Jul atmete auf und betrachtete die zerdrückte Kugel . » So kann der Tod ausschauen ! « Fest schloß er die Hand um das kleine Bröcklein Blei . Malimmes schnallte die letzten Eisenstücke von dem Buben herunter , immer heiß und übermütig schwatzend . » So ! Jetzt tu dich waschen ! Fest ! Was Eisen ist , nimm ich mit . Dein Gewand mußt du vor die Tür hinaustun . Und liegst du im Nestl , so iß und trink ! « Er strich mit der Hand über das weiße Lager hin . » Da wirst du gut schlafen . « Seine Stimme bekam wieder jenen wunderlichen Klang . » Und lieb wirst träumen , paß auf ! « Er lud das klirrende Eisenzeug auf Arm und Schulter . Draußen blieb er stehen , bis er innen an der Türe den Riegel hörte . Er nickte vor sich hin . Und plötzlich wurden seine Züge ernst und müd . Langsam , wie mit zerschlagenen Knochen , stieg er die Treppe hinunter . Vor dem Hause ging ein lärmendes Gedränge vorbei . Der Häuf der Spießknechte rückte in Berchtesgaden ein . Manche hatten verbundene Köpfe , und viele trugen um die Schuhe noch die dicken Lumpen , die sie vor dem Sturmlauf naß um die Füße gebunden hatten , damit ihnen die unter der Asche noch verborgene Glut des niedergebrannten Waldverhaues das Schuhleder nicht versengen möchte . Der Hauf brachte die Gefangenen , unter denen der alte Armansperger war , der Hauptmann vom Hallturm . Die Schwerverwundeten des bayrischen Heerhaufens hatte man zur Plaienburg hinuntergeschafft , die Toten begraben . Die Gefallenen der Gadnischen Besatzung hatte man liegenlassen ; um die hatte sich der heilige Peter zu bekümmern , von dem augenblicklich niemand wußte , wo er sich aufhielt . Die Flüchtigen seiner Kriegsmacht waren gegen Schellenberg hinausgeprellt ; die meisten hatten sich zur festen Gadnischen Grenzburg am Hangenden Stein gerettet . An die zwanzig , die verwundet waren und nimmer weiterkamen , wurden aufgestöbert - unter ihnen Marimpfel mit einer Kopfwunde , die ihm tiefer ins Blut als ans Leben gegangen war . Von den Faustschützen , die auf die Heiter in der Marktgasse geschossen hatten , wurden drei erwischt . Sie erlebten noch einen schönen Abend ; denn der Himmel und die Berge begannen sich zu klären ; die sternhelle Mondnacht erlebten sie nimmer ; bevor es dämmerte , hingen sie an dem Galgen , den man auf dem Marktplatz neben dem Brunnen errichtet hatte . Im Verlaufe dieses schönen Abends gab es noch einen Alarm . Von der Gadnischen Besatzung am Schwarzenbach , wo der heilige Peter ebenfalls mit fehlendem Glück wider eine Übermacht gefochten hatte , kam ein Häuflein fliehender Reiter durch die Ramsau nach Berchtesgaden gejagt . Ein paar entrannen , die andern wurden gefangen oder niedergestochen . Und hinter ihnen erschienen die Sackmacher