dies zu sagen . Sie hatte keine Ahnung von diesen meinen Gedanken . Sie war ganz unbefangen . Ja , noch mehr , sie war sogar sehr heiter . Während wir auf ebenem Boden im köstlichen Galopp nebeneinander dahinflogen , warf sie mir von der Seite her zuweilen einen heimlich sein sollenden Blick zu , den ich aber doch wohl bemerkte . Ich verstand diese Blicke . Sie kann kein Unrecht ertragen , auch dann , wenn dieses Unrecht nicht in einer Tat , sondern nur in einem Gedanken besteht . Es muß heraus . Sie muß es bekennen . Eher läßt es ihr keine Ruhe . Sie hatte jetzt so Etwas , was sie loswerden wollte . Daher ihre Blicke . Endlich , als sie wieder einmal so forschend herüberschaute , sah ich ihr voll in das Gesicht und forderte sie lachend auf : » Na also , heraus damit ! « » Womit ? « fragte sie . » Mit dem Geständnis ! « » Geständnis ? Was sollte ich wohl zu gestehen haben ? « » Irgend Etwas . « » Aber was ? « » Das hoffe ich , von dir zu erfahren ! « » So ? Höre , was hältst du wohl von einer Ehe , in welcher die arme , unglückliche Frau ihren Mann nie ansehen darf , weil er bei jedem Blick , den sie auf ihn richtet , glaubt , sie habe ihm ein Geständnis zu machen ? « » Meine Meinung lautet dahin , daß diese arme , unglückliche Frau sehr glücklich verheiratet ist , denn sie hat einen Mann , der sie kennt und durchschaut ! « » Hm ! Der aber trotzdem nicht weiß , was sie ihm bekennen und gestehen soll , denn er sagt immer nur : Ich hoffe , es von dir zu erfahren ! Leider ist es in diesem jetzigen , einen , einzigen Falle endlich , endlich einmal richtig , daß ich dir Abbitte zu leisten habe . Ich war nicht einig mit dir . Wenn auch nur im Stillen , aber doch . « » Nicht einig ? Inwiefern ? « » Ich wäre so gern da oben geblieben . Ich wollte nicht weichen . Ich hielt es wirklich für eine Schwäche von dir , ihnen Platz zu machen . « » Und aber nun ? « » Ja , aber nun ! Du hattest Recht ! Wären wir geblieben , so hätte es nur Gehässigkeiten gegeben , herüber und hinüber . Also eher eine Niederlage als einen Sieg . Auch an eine ruhige Durchsicht der ausgegrabenen Manuskripte wäre nicht zu denken gewesen . Hier aber sind wir frei , ohne Zank und Streit und Bitterkeit , und - - das erste , große Avantgarde-Gefecht , von dem du sprachst , ist gewonnen . « » Das siehst du ein ? « » Aber gern , sehr gern ! Diese ältere Aschta , die Frau Wakons , hat mir imponiert . Sie ist ein Charakter , eine groß angelegte Frau . Kein einziges von all den Komiteemitgliedern reicht geistig an sie heran . Die ist wahrlich nicht nach dem Mount Winnetou unterwegs , um dort Suffragettenreden zu halten ! Die weiß , was sie will ! Aber sie sagt es nicht ; das imponiert mir ganz besonders ! Indem du dich vertreiben ließest , hast du dir in ihr eine Helferin gewonnen , die nicht zu unterschätzen ist . « » Ja , « lachte ich fröhlich , » es wird eine Amazonenschlacht zwischen ihr und dem Komitee ! Ich bin außerordentlich gespannt auf die Entwickelung , der wir nicht etwa nur als Zuschauer entgegengehen , sondern an der wir als Mitwirkende sehr eng beteiligt sind . Wir hörten , daß Kiktahan Schonka ein unerbittlicher Feind von Wakon ist . Ich vermute , daß Wakon an der Spitze der jungen Sioux ebenso nach dem Mount Winnetou kommen wird , wie Kiktahan Schonka die alten Sioux nach dem dunklen Wasser führt . Zwei feindliche Richtungen desselben Stammes , die auf fremdem Gebiete aufeinanderplatzen ! Wie kurzsichtig ! Grad hieran ging die Rasse zugrunde ! Dem muß gesteuert werden ! Also du bist wieder einverstanden mit mir ? « » Vollständig . Wo lagern wir heute abend ? « » An der Nordgabel des Red River . Morgen kommen wir an die Salzgabel desselben Flusses , an welcher damals das Dorf der Kiowas lag . Das ist jetzt nicht mehr der Fall . Wir werden aber trotzdem die Stelle vermeiden , um unser möglichstes zu tun , Niemanden zu begegnen . « Es geschah , wie ich gesagt hatte . Wir erreichten gegen Abend die Nordgabel des roten Flusses und machten an ihrem Wasser Lager . Sehr interessant war , was wir während unseres Gespräches da von Pappermann erfuhren . Er hatte nämlich während seiner Unterhaltung mit den beiden Aschtas aus einigen Äußerungen der Mutter geschlossen , daß der Kassierer Antonius Paper bemüht gewesen war , sich um die Hand der Tochter bewerben zu dürfen . Man hatte ihn rundweg abgewiesen , und nun benutzte er jede Gelegenheit , hierfür in seiner ihm eigenen Weise Rache zu nehmen . Als der Alte dies erzählte , beobachtete ich den » jungen Adler « . Er tat , als ob er es gar nicht höre . Er sagte kein Wort und bewegte keinen Zug seines Gesichtes . Aber grad diese Unbeweglichkeit sprach deutlicher , als lauter Zorn hätte sprechen können . Noch ehe wir uns an diesem Abend schlafen legten , beschrieb ich meinen Gefährten den Weg , den ich damals , um Sander zu verfolgen , von dem Dorfe der Kiowa aus gemacht hatte . Von da aus nach dem Rio Pecos und von dort hinauf nach dem » dunklen Wasser « . Es gab von der Stelle aus , an der wir uns heut befanden , einen direkteren , einen näheren Weg . Schlugen wir diesen ein , so konnten wir uns sofort von