geschieden von seinen Geschöpfen . Ja , wer das gläubet , ist von Gotte hinweggewandt , denn Gott lässet sich spüren nur im Zuge nach dem Einen , das seine Geschöpfe mit ihm verbindet . Wer solch Heimweh nach der Ewigkeit vermisset , ist fürwahr eine rechte Waise und irret höllenwärts . Die Hölle ist nämlich die Abkehr von Gotte . Diese Abkehr wird von den papistischen Pharisäern befördert , und auch die Evangelischen muß ich anklagen , dieweilen sie den fernen Gott lehren und für seinen Stellvertreter ihren Papst von Papier ausgeben . Nicht also , liebe Seele , traue nicht denen , so dir vorspiegeln wollen , ihnen habe der ferne Gott seinen heiligen Geist eingehauchet , oder das Bibelbuch habe ein für allemal die Offenbarung in sich geschluckt . Hoffe nicht , vom Pfaffen Gnade zu erlangen und die ewige Seligkeit . Babel schreit : Hier ist die Kirche , hie Christus , laufet all herzu ! Wenn aber dann die Wahrheit in Gestalt eines Redlichen nahen will , geschieht ein Geschrei : Meidet , ihr Schäflein , diesen schwarzen Teufelsbock ! Er sei verflucht , Feuer her ! - Ach diese Gleisner ! Dieselben sind es , so den Heiland ans Kreuz geschlagen haben . Hochmütig blähen sie sich auf und setzen eine Würde auf die Nase : Wir sind Herrgotts Amtsleute , und alles Volk soll uns gehorsamen ! Die auf Sankt Petri Stuhle sitzen , nicht minder die andern Schriftgelehrten , tun als besäßen sie des Himmelreiches Schlüssel , vergeben Sünden um Geld , schändlichen Handel treiben sie damit . Jesus war arm auf Erden und hatte nicht , wo er sein Haupt hinlegte ; sie aber wollen an seiner Statt reich und fett sein . Zur Botmäßigkeit beugen sie die Nacken ihrer Gläubigen , heischen den Mammon und häufen ihn derart , daß es dann nicht verwunderlich , wenn beutegierige Herren sich darüber hermachen . Da hab ich hingewiesen , woher das ganze Elend kommt . Wir Schreiberhauer wollen nun die Glaubensfehler meiden , die übers teutsche Vaterland den Ruin gebracht . Keinen Götzen wollen wir verehren , vielmehr den Vater unser , so in uns waltet . Wir haben ja alle einen Odem und sind aus einer Seele erboren . Die reine Gottheit ist überall gegenwärtig , an allen Orten und Enden , wohin du sinnen magst , auch mitten in der Erde , in Stein und Felsen . Drum laufet nicht zur Mauerkirche , wo der Pfaffe herrscht ; sondern unter freiem Himmel , wo euch das Herz aufgeht , ist Gottes Tempel . Kein Pfaffe soll sich zwischen ihn und unsere Seele drängen . Beten wir ihn an in der Wahrheit , die uns die Bäume predigen und die Berge , die Murmelbächlein und die wehenden Lüfte . Gott lächelt aus jedem Stern und jeder Blume , sein Himmel erschleußt sich dem Menschenherzen , wenn es ihn spürt , wie er schöpft und wirkt , wie er heilt , erleuchtet und durchfriedet . Das Paradeis , so dem verschlossen , der sich von Gotte verirrt , stehet offen allen , die sich zu ihm wenden , nur einzugehen brauchen wir . Gedenket der Mär , die in euren Spinnstuben von der Abendburg geraunet wird . Der öde Felsen droben , so sagt man , sei ein heimlich Schloß , verwunschen vom bösen Geiste . Wer aber die Kraft Magiae besitzt , kann den Felsen zur strahlenden Königsburg wandeln . Ich deute euch diese Mär , die mitnichten ein dummes Gemare . Eine Abendburg ist die ganze Welt , der Himmel mit den Sternen , die Erde mit ihren Gewächsen und Tieren , mit uns Menschenkindern , mit Bergen und Gewässern , mit Meer und Luft . Verwunschen und verstört ist die Welt durch den schlimmen Wahn , sie sei von Gotte verlassen und dem Teufel zum Tummelplatz überliefert . Wer so gläubet , dem freilich macht sie ein trüb Gesicht , dem grauen Steine gleich . Wachet auf , ihr Augen , und schauet mit dem magischen Blick , so wandelt sich die Welt zum Gottesleib , drinnen seine Kraft und Herrlichkeit sich auswirkt allerorten , von Ewigkeit zu Ewigkeit . Wer also die unendliche Abendburg entzaubert , dem blühet innen der verheißene Schatz . Es ist die gewisse Zuversicht , daß jedes Menschenkind in sich den Gott heget , mag er auch nur wie ein Körnlein keimen . Der Erlöser in uns lebt und wächst heran zu Schöpfers Ebenbilde . Die Geheiligten lobsingen miteinander und sind auf einmal in der Stadt des ewigen Lichtes . Da lächelt sie nun , unsere Heimat , und alles Heimweh ist selig gestillt . Friede mit uns allen ! « Also ging von der Abendburg ein gülden Schimmern aus . Der Traum vom Lichtreiche , der mir beim Sagenstein gekommen war , teilte sich durch mein Wort den Schreiberhauern mit und ward eine Schwarmgeisterei . » Bauen wir die neue Burg Zion ! « hieß es - » auf daß erfüllet werde , was der Psalmist gesprochen : Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten . « - Wohl gut ! Doch was sich leicht ersinnen läßt in der Bergeinsamkeit und ungestört seine phantastischen Ranken und Wunderblüten treibt , - ach welch ander Wesen entfaltet es , übertragen auf den harten Acker der Wirklichkeit , wo es gedeihen soll auf unfruchtbaren Steinen , zwischen widerwärtigen Dornen ... Das sollt ich nun erfahren . Anno 34 war ' s , an einem Sonntage des Märzen , und ich hatte abermals vom Lichtreiche gepredigt . Warm schien die Sonne in den Waldwinkel , obwohl zwischen den Felsen am Bache noch dicker Schnee lag . Als nach dem Amen die Gemeinde schwieg , ging Windesharfen durch den Tann , die Erlenzweige wiegten ihre rostroten Blütenkätzlein , und der angeschwollene Bach orgelte einen dumpfen Choral . Da erscholl eines Mannes Zuruf von fern , und zwischen den Baumstämmen tauchte einer von denen auf , so beim