ihm weh , dem lustigen Pferde das eiserne Gebiß einzudrücken und seinen Lauf zu hemmen . Wie oft seufzen wir gegen die Macht , wenn sie uns durch Schmerzen zügelt , wo wir mit vollen Segeln dahinstreichen möchten ! Und ein feines Gefühl setzt unsere Verhältnisse leicht fort im Umgange mit lieben Tieren . Liegt doch namentlich im Pferde soviel Schönheit und Adel , daß es den Menschen nur zu leicht an ein verwandeltes , unglückliches Geschlecht gemahnt , und seine Freundlichkeit und sanfte Hand in Anspruch nimmt . Valerius kehrte also erst um , als das Pferd seine Lust gebüßt hatte , und suchte nun den Wagen wieder zu erreichen , um zu sehen , ob er sich geirrt habe oder nicht . Dieser schien seine Richtung nach den Truppen hin zu nehmen , welche sich auf der Fläche herumschwenkten . Jetzt hielt er still , Valerius sah einen Reiter mit einem Handpferde ansprengen , ein Soldat sprang aus dem Wagen , bestieg das Pferd , und ritt zu den Truppen . Federn von Damenhüten wehten über das zurückgeschlagene Verdeck der Kutsche , Valerius näherte sich langsam . » Da kommt der Unartige ganz langsam angeschlichen ! « Das war Hedwig , und die Fürstin saß neben ihr . Sie war Gast im Hause von Stanislaus ' Eltern . Dieser war der Reiter gewesen , dessen Regiment hier manövrierte , Konstantie wollte die Truppenbewegungen ansehen . Sie begrüßte ihren Landsmann auf das freundlichste , ja es lag ein Schmelz von Innigkeit in ihren Fragen , wie es ihm gehe , was er denke , ob ihn der schöne Morgen nicht erquicke ? daß auch seine Antworten und Reden zutraulicher und herzlicher wurden als gewöhnlich . » Ich habe Sie ja noch nie so munter gesehen , Herr von Valerius , « rief Hedwig in ihrer jugendlichen Heiterkeit , » Sie haben sogar einmal rote Wangen - und jetzt noch rötere . « » Das tut die Sonne , liebes Fräulein , die Sonne . « » Ja , die Sonne - es hat ein jeder seine Sonne . « Da brauste das Ulanenregiment vorüber , Graf Kicki in der schimmernden Uniform an der Spitze ; er neigte den Degen , als er in die Linie des Wagens kam , und die schlanken Reiter , die flatternden Fähnlein , die blitzenden Waffen , das Gewieher und der Trott der Pferde gewährten den lustigsten kriegerischen Eindruck von der Welt . » Wie können Sie denn in der Irre herumreiten , schwarz angetan wie ein Trauernder , während Ihr Regiment im bunten Glanze die Revue passiert ? Sind Sie denn Ihres Dienstes entlassen ? « » Ja , mein Fräulein Wunderhold , ich habe mich aus dem Waffendienst in den Augendienst begeben , und ich harre der Befehle - man hält mich für unbrauchbar zum Soldaten , und spricht von mir wie Don Juan von seiner verabschiedeten Geliebten : Ihr Kopf hat sehr gelitten . « Valerius erkundigte sich nach der alten Gräfin , und hörte , daß sie sich noch ebenso befände , wie sie sich seit einigen dreißig Jahren befunden habe - » aber dieser Krieg , « setzte Hedwig traurig hinzu , » wird wohl das Ende ihres Lebens sein . Siegen wir , so stirbt sie vor Freude , und werden wir von neuem unterjocht , so stirbt sie vor Kummer . « Es flogen Wolken über den Himmel , die Sonne ward bedeckt , und bald fiel ein trüber Regen . Sie eilten nach der Stadt zurück , Valerius versprach , um die Teezeit seinen Besuch zu machen , und so trennten sie sich . Dieser plötzliche Wechsel vom schimmernden Sonnenscheine zum grauen trübseligen Regenwetter verdüsterte seinen Sinn , der nur gar zu geneigt war , sich dunklen Ahnungen hinzugeben , wenn der Himmel seine Anzeichen zu senden schien . Sein Geist kämpfte gegen den Aberglauben , aber sein Herz dafür . Von demselben Fenster seiner Wohnung , aus dem er noch vor kurzem die freudestrahlenden Waffen der polnischen Soldaten gesehen hatte , erblickte er jetzt mit Mühe durch die düstere Luft dunkle heimkehrende Scharen ; es war ihm einen Augenblick , als weine das ganze Volk , vom Himmel und Glück verlassen . Er rief Magyac , und fragte ihn hastig , ob er gestern das erstemal im patriotischen Klub gewesen sei . In dem Augenblicke kam ihm erst jene befremdliche Äußerung der Fürstin wieder ins Gedächtnis , die eine Stunde nach seiner Anwesenheit in der demokratischen Versammlung bereits davon gewußt habe . Nichts verstimmt offene , redliche Menschen mehr , als die Überzeugung , umschlichen und behorcht zu werden ; es belastet sie wie ein böses Gewissen , und das ist das ärgste , was sie fürchten . » Nein , Herr , « antwortete Magyac , » zum zweiten Male . « Er versicherte , Valerius gar nicht gesehen , noch weniger gegen jemand seinen Namen genannt zu haben . Dieser hatte Magyac im Verdachte , auch in jenem Stallgebäude gewesen zu sein , und er war im Begriffe , ihn auch danach zu fragen . Aber es hielt ihn eine Art Stolz zurück , nach Geheimnissen zu forschen , die man verbergen wollte . Dies ganze Wesen von heimlichen Umtrieben , das sich um ihn her spann , verstimmte ihn indes immer mehr . Er war gekommen , für dieses Volk zu kämpfen , und nun sah er sich fortwährend wie ein störender Fremder übergangen und doch beobachtet . Bei größerer Unbefangenheit hatte er allerdings keinen eigentlichen Grund zur Klage ; es war Torheit zu verlangen , daß die Polen jeden Fremden in ihre geheimsten Absichten einweihen sollten . Aber das Unbehagen war bei einem Charakter wie der seine ebenfalls natürlich . So verbrachte er in trüber Stimmung den Rest des Tages auf seinem Zimmer . Alle Zweifel über Leben , Völker , Freiheit rüttelten wieder an ihm , und er schalt sich selbst , daß der Gedanke an die glänzende Fürstin zum