hatte er zuerst keine Kinder , aber später bekam er mit ihr eine Tochter . Nun war er selbst mit der Zeit in Aussehen und Benehmen ein Mann geworden , wie wenn er immer in seiner jetzigen Lage gelebt hätte , und hatte auch auf seiner Wanderschaft fremde Sprachen gelernt und redete seine Muttersprache fast ohne Dialekt ; die Frau aber konnte sich nicht recht in die neuen Zustände passen , denn nur , daß sie prunksüchtig wurde und zänkisch , sonst behielt sie alle ihre alten Gewohnheiten und Sitten bei . Das hatte den Mann nicht sehr gestört , solange das Kind nicht da war , denn er lebte wenig mit ihr zusammen ; wie jedoch das Kind geboren war und einige Jahre alt wurde , da schied er sich von ihr , und sie zog weit weg , er aber behielt das Kind . Nun wurde das Mädchen erzogen von teuren Erziehern , und am Mittag , wenn gegessen wurde , sah sie der Vater immer , denn sie mußte ihm gegenüber sitzen , sonst sah er sie aber nicht , weil er zu viel zu bedenken hatte . Da wuchs denn das Kind auf , wie es mochte , denn die Erzieher wagten nicht , streng zu sein , und der Vater erfüllte ihr alle Wünsche , weil er sie so wenig sah und doch wollte , daß sie ihn lieb hätte , und wie er nicht mehr wußte , was einem Kinde recht und passend ist , so schenkte er ihr viel kostbares Spielzeug . Hierdurch gewöhnte sich das Kind , daß alles seinen Einfällen gehorchen mußte , und daß es teure Dinge für nichts achtete und keine Grenze fand für seine Wünsche , und das ganze Leben erschien ihm langweilig . So wuchs das Mädchen heran zu einem schönen Fräulein , und ihre Erzieherin redete ihr allerlei vor von der Liebe und von vornehmen Heiraten . Da kamen auch bald Freier von allerlei Art. Es wollte aber der Vater gern , daß sie einen jungen Mann ehelichte , der bei ihm diente in seinem Geschäft und tüchtig war in aller Hinsicht . Diesen ladete er oftmals zu Tisch ein und fragte seine Tochter , wie er ihr gefalle ; da antwortete sie , daß sie ihn sich gar nicht recht angesehen habe ; und wie er ärgerlich wurde über diesen Hochmut und ihr sagte , daß er selbst ein armer Arbeitsjunge gewesen , der mit einem Schnupftuchbündel in der Hand in die Fremde gezogen sei , da zuckte sie nur die Achseln , und er vermochte nichts weiter über sie , denn er mußte zu viel an seine Geschäfte denken und konnte deshalb ihr Wesen nicht erfassen . Nun drängten sich um sie viele glänzende und vornehme Herren und schmeichelten ihr , und da sie unerzogen war und nicht bedachtsam , weil sie niemals auf Festes gestoßen war , so glaubte sie wörtlich alles , was ihr Schönes gesagt wurde , und ward noch hochmütiger ; lieb gewinnen aber konnte sie niemand , in der Art , wie ihre Erzieherin ihr das geschildert hatte , die ein häßliches und armes Mädchen gewesen war , das immer sehnsüchtig zur Seite gestanden hatte ; und am Ende dachte sie , daß sie ein Wesen von ganz besonderer Art sei , das beglücken könne , wen sie wolle , wie der Zufall aus den vielen Mitspielern einer Lotterie einen herausgreift , blindlings und ohne Grund . Da war nun in dem Kreise ein junger Offizier , der ganz arm war und von bürgerlicher Herkunft und nicht besonders ansehnlich , aber er hatte ein braves Gemüt und einen rechtlichen Charakter ; der durchschaute wohl ihr Wesen , und weil er zudem bei so vielen glänzenden Bewerbern doch gar keine Aussichten zu haben schien , so hielt er sich ganz still und ruhig im Hintergrunde und bekümmerte sich nicht um sie . Diesen nun , weil er allein von allen abseits stand , suchte sie gerade aus , denn für so hochstehend hielt sie sich , daß seine Unansehnlichkeit und der Glanz der andern vor ihren Augen ein ganz gleiches Verdienst hatten . Der Jüngling , der zuerst glaubte , daß sie nur mit ihm spielen wolle , zog sich noch mehr zurück , wie er ihre Annäherungen bemerkte , und das wiederum machte sie nur hartnäckiger , so daß er am Ende verspüren mußte , es sei ihr ernst mit ihrem Entgegenkommen . Da verfiel er der menschlichen Schwachheit , daß die Hoffnung , welche derart in ihm erweckt wurde , ihm einen glänzenden Schleier vor ihrem Bilde ausbreitete , daß er die Fehler und Mängel nicht mehr sah , die er früher recht scharf bemerkt , denn er war auch stolz und kannte seinen Wert in seinem geringen Äußern , und es schien ihm ein Besonderes von ihr , daß sie ihn unter den andern nun herausgefunden hatte ; so meinte er denn , daß sie in einer glücklichen und redlichen Ehe ihr voriges Wesen bald ändern werde , das ihr ja nur äußerlich angeflogen sei . Und auch ihr Vater wurde getröstet über ihre Wahl , denn er hoffte , daß er aus diesem jungen Mann sich werde einen Nachfolger erziehen können . Derart wurde dann die Hochzeit der beiden gefeiert ; aber schon an dem Tage der Feier und vor der Trauung kam zwischen den beiden der erste Streit , um eine geringe Kleinigkeit , und die Braut , die schon festlich geschmückt war und nur noch des Kranzes harrte und des Schleiers , zog den Ring vom Finger und warf ihn auf die Erde . Da wendete sich der Bräutigam und wollte zur Tür hinausgehen ; aber schon hatte er eine zu große Liebe gefaßt , daß er nicht mehr sich trennen konnte , deshalb kam er zurück , hob den Ring auf und gab ihn ihr wieder mit bittenden Worten . Nun führten die beiden eine recht unglückliche Ehe , denn der Mann war