« » Sehr wohl , Komteß . Ich hab ' so schon , wie gestern und vorgestern , im Nebenzimmer für Komteß ein Bett aufgeschlagen . « » Wie gut Sie mit meiner Mutter sind , Cajetane - « » Weil ich sie liebe . « Nach diesen Worten wurde das junge Mädchen feuerrot ; es fiel ihm ein , daß man beim gesprochenen Wort nicht unterscheiden kann , ob das » sie « mit kleinem oder großem Anfangsbuchstaben gedacht sei , und rasch verbesserte es sich : » Weil ich die Baronin Tilling liebe . « Eine Welle von Zärtlichkeit erwärmte Rudolfs Herz . Er richtete einen dankbaren Blick auf sie und drückte ihr stumm die Hand . Sie entfernte sich bald und die beiden Männer blieben allein . » Ein liebes Geschöpf , « sagte Kolnos , nachdem sich die Tür hinter Cajetane geschlossen . » Ich weiß , welcher Trost ihre Anwesenheit hier im Hause ist ... Und sie beweist Charakterstärke , indem sie hier bleibt . Täglich erhält sie Briefe von zu Hause , wohin man sie zurückruft : die Ihren sind gar nicht damit einverstanden , daß sie so lange fortbleibt , und so manches andere ... Aber sie läßt sich nicht irre machen . Komm , ich schlage vor , daß wir unsere Zigarren draußen rauchen ; es ist ja ein gar so wundervoller Abend . « Die Fenstertüren des Speisesaals führten auf eine Terrasse , vor welcher das Blumenparterre des Parkes lag . Kolnos und Rudolf traten hinaus und ließen sich da in zwei Schaukelstühle nieder . Die Luft war warm ; am mondlosen Himmel wimmelte es von funkelnden Sternen . Ein Duft von Violen und Heliothrop strich von den Beeten herauf . Allerlei Nachtgeflüster war vernehmbar : raschelndes Laub , das Tropfen einer Fontäne , ein ferner Unkenchor und nahes Grillenzirpen ; manchmal das Anschlagen eines Hundes vom Dorfe her und aus dem Schlosse , dessen Fenster meist offen standen , hin und wieder die gedämpften Töne verrichteter Hausarbeit : das Schließen von Türen , Stimmen , Schritte . Aus den Fenstern des oberen Stockes , da , wo Marthas Zimmer lagen , drang ein Schein durch die Jalousien . Kolnos schaute hinauf : » Es ist noch Licht bei ihr , « sagte er . Dann nach einer Weile : » Hier auf der Terrasse saßen wir - sie und ich - vor einigen Tagen noch beisammen , und ich mußte ihr von meiner letzten Reise erzählen . Es war vielleicht meine letzte ... ich bin schon zu alt , um mich in fremden Zonen herumzutreiben . « » Wo bist Du diesmal gewesen ? « » Ach , lassen wir das ... Mich drängt es , Dir etwas anderes zu erzählen - etwas , was weiter zurückliegt und was mir in diesen letzten Tagen , am Lager Deiner Mutter , das ich für ein Sterbelager hielt , wieder vor die Seele getreten ist , so deutlich und lebendig - so - « » Was war es ? « fragte Rudolf , da Kolnos bewegt inne hielt . » Die Erinnerung an meine letzte tiefe Leidenschaft . Du sollst es wissen , Rudolf - ich habe Martha Tilling aus ganzer Seele geliebt . « » Du ? ... Meine Mutter ? « rief der junge Mann erschüttert . » Und sie ? « » Sie ? Ach , Du kennst sie ja : sie hat dem Toten die Treue gewahrt . Ich werde Dir einmal den Brief lesen lassen , worin sie das Angebot meiner Hand zurückgewiesen hat . « » Wann war denn das ? Daß ich niemals eine Ahnung hatte ... « » In der Mitte der siebziger Jahre - sie war damals fünfunddreißig Jahre alt - in der Vollentfaltung ihrer Schönheit . Wir hatten eine Zeitlang korrespondiert anläßlich einer Gedichtsammlung , die ich veröffentlicht hatte und worin sie einige Strophen gegen den Krieg gefunden . Dann besuchte ich sie ... die Innigkeit des Kultus , den sie dem verlorenen , auf so tragische Weise verlorenen Gatten weihte , hielt mich davor zurück , meiner erwachenden Leidenschaft Ausdruck zu geben . Aber wir verstanden uns in vielen Dingen so gut ... stundenlang konnten wir miteinander sprechen über Gott und die Welt . Ich fühlte , wie in ihr Herz eine warme Freundschaft für mich einzog und da - nach einem weiteren Jahre - wagte ich , sie zu bitten , die Meine zu werden ... Ich hätte es nicht tun sollen - ich hätte verstehen sollen , daß ich Unmögliches wollte - « » Ja - ich kann es mir auch nicht vorstellen , daß meine Mutter ihrem - heute noch - Betrauerten jemals einen Nachfolger hätte geben können . « » Für mich war ihre Antwort - ihr sanftes , wehmütiges aber unverbrüchliches Nein ein harter Schlag . Damals unternahm ich meine erste große überseeische Reise , die mich drei Jahre von Europa fernhielt . « » Und kamst geheilt zurück ? Ja , Zeit und Abwesenheit sind souveräne Mittel gegen Liebesschmerz . « » Nicht immer , « versetze Kolnos kopfschüttelnd . » Du siehst es an Deiner Mutter selber . Ich habe Linderung gefunden . Meine Leidenschaft hat sich in Freundschaft verwandelt und jetzt - Na , jetzt sind wir ja beide alt - und die Freundschaft ist auf beiden Seiten echt und treu . Ich kann Dir nicht sagen , wie ich erschrak , als ihr so schlecht war ... sie zu verlieren , das Unglück wäre - « » Reden wir nicht davon , « unterbrach Rudolf . » Ich hoffe fest , daß sie wieder gesund wird . « Die beiden Männer blieben noch länger als eine Stunde im Gespräch ; Rudolf erzählte von seinen jüngsten Unternehmungen und Erfahrungen und daran knüpfend , besprachen sie übereinstimmend des jungen Mannes weitere Aktionspläne . Es war zehn Uhr und Kolnos zog sich auf sein Zimmer zurück . Rudolf blieb noch eine Weile , in Gedanken