nach allen deinen Schwächen und Fehlern , um sie sich dienstbar zu machen oder sie mit ihresgleichen zu belachen . Sie nisten sich bei dir ein wie Flöhe der Wüste116 , deren Stich erst ein wohlthuendes Jucken , dann aber schmerzende und gefährliche Geschwüre erzeugt . Sie freuten sich lauter als du , wenn du dich freutest , barsten dabei aber heimlich fast vor Neid ; sie nahmen scheinbar tief betrübt an deiner Trauer teil , fühlten sich aber im Herzen glücklich darüber . Sie gaben dir in inniger Teilnahme und scheinbar gut meinend , einen schlechten Rat , und kamst du durch die Befolgung desselben zu Schaden , so wußten sie die Schuld auf dich zu schieben und höhnten dich innerlich aus . Schau jetzt hinunter zu ihnen ! Ja , sie drücken sich innig die Hände , und ihre Gesichter glänzen in Freundschaftswonne ; aber dabei denkt ein jeder in seinem Innern , daß er hinüberkomme , die andern aber nicht . Denen , welche unter dem Zeichen Kerem stehen , ist der Himmel verschlossen ! Sprich weiter ! « » Es naht eine unabsehbare Menge , welcher ein Panier mit dem Worte Hakk117 vorangetragen wird . In ihr scheinen alle Stände vertreten zu sein , denn ich sehe unter ihnen Hoch und Niedrig , Reich und Arm , Gelehrt und Ungelehrt , Fürsten , Beamte , Krieger , Kaufleute , Bauern , Handwerker und sogar auch Bettler . Sie kommen getrost und wohlgemut heran , mit festen , sicheren Schritten und unbeirrten Blicken . Die Gewißheit , daß sie die Brücke in kräftigem Marsche überschreiten werden , ist ihnen allen anzusehen . « » Warte , bis sie an die Wage kommen , wie sie da so ganz anders blicken und angstvoll weiterschleichen werden , « sagte die Stimme Ben Nurs . » Sie folgen dem Banner ihrer vermeintlichen Rechte ; aber sie meinen damit nicht die Menschenrechte , die ihnen von Gott für die Erde verliehen waren , sondern die von ihnen selbst erfundenen . Sie sind nicht das , wofür sie sich ausgeben , sondern das genaue Gegenteil davon , nämlich Aufrührer und Empörer . Mit diesem Worte Aufruhr meine ich nicht die Verschwörung gegen irdische Herrscherthrone , sondern die Auflehnung gegen göttliche und von Gott geheiligte menschliche Gesetze . Es geht über die Erde eine ununterbrochene Revolution gegen diese Gebote , hier in still wühlender Verborgenheit , da in sichtbarer , immer weiter greifender Gärung und dort in offener , gewaltthätiger Angriffsweise . Die Menschen haben verlernt , zu gehorchen ; sie wollen alle befehlen . Der Reiche verlangt von Goldes Gnaden und der Bettler auf Befehl der Mildthätigkeit Gehorsam . Der Arbeitgeber stützt sich auf das Recht seines Unternehmungsgeistes , seines kaufmännischen Talentes und der Arbeiter auf den Wert seiner Geschicktheit und seiner Fäuste . Die Großen der Erde betonen die Vorrechte der Geburt , und die andern heben dagegen ihre persönlichen Errungenschaften hoch empor . Hier dieser fordert in seinem eigenen Interesse Gehorsam für im Laufe von Jahrhunderten bewährte Einrichtungen und dort jener verlangt aus demselben Grunde , daß man den Anforderungen der Neuzeit folgsam sei . Es werden neue Rechte und neue Pflichten angefertigt , denen man wohlklingende Namen giebt . Da wird von einem Rechte auf Gleichheit in den verschiedensten Beziehungen gesprochen , von einem Rechte des freien Denkens , der Arbeit , des Lohnes , der Verbindung und Verbrüderung . Jeder stellt sich kampfbereit , um grad das Recht , welches er für das seinige hält , zu verteidigen , und erkennt dabei nicht , daß in dieser Verteidigung schon der Angriff gegen andere Rechte liegt . So wirkt einer gegen den andern , und die eigentliche , wirkliche Wahrheit ist doch , daß sie alle unrecht haben . Denn nach Gottes Ratschluß besitzt der Mensch nur ein einziges Recht und nur eine einzige Pflicht , nämlich das Recht und die Pflicht der Liebe . Wie aber steht es bei euch damit im Erdenleben ? Giebt es einen einzigen Menschen , welcher auf dieses Recht der Liebe verzichtet ? Und wie viele aber sind es , welche , wie Gott es doch gebietet , ihr ganzes Leben der Pflicht der Liebe weihen ? Schau sie an , die da vorüberziehen . Sie alle haben nach Gerechtigkeit geschrieen , aber keine Gerechtigkeit gegeben , weil sie keine Liebe besaßen . Sie haben gesprochen und geschrieben , gestritten und gebrüllt für ihre einander widerstreitenden , einander aufhebenden Rechte ; sie haben gehadert gegen die Menschen und gegen Gott , von welchem sie mit erhöhter Stimme Gerechtigkeit verlangten , wobei sie ihm aber sein Recht , den Glauben an ihn und die Liebe zu ihm , verweigerten . Und nun kommen sie sogar hier mit derselben Forderung herangeschritten : Sie verlangen die Seligkeit als ihr Recht ; sie bringen das große Ausrufungszeichen nach Gottes Gerechtigkeit getragen und ahnen nicht , daß sie dort an der Wage nach der ihrigen gewogen werden . Sie haben sich gegen sein großes Gesetz der Liebe empört , ihm den Gehorsam verweigert , ihm den Glauben versagt , ihn verleugnet und aus ihrem Leben gestrichen , und nun übt er dasselbe Recht wie bisher sie , nämlich sie ebenso nicht zu kennen , wie sie ihn nicht gekannt haben . Sie sind vorüber . Wer kommt jetzt ? « » Ich sehe die schöne Inschrift Muhabba118 . Die , welche hinter ihr schreiten , sind sicher für die Seligkeit bestimmt ; denn du hast ja soeben Liebe gefordert . Ich unterscheide - - - « » Schweig ! Schweig von ihnen ! « unterbrach ihn Ben Nur streng . » Die , welche jetzt an dir vorüberziehen , sind entweder Abgötter oder Götzendiener gewesen , eins von beiden , weiter nichts ! Das sind die Väter , die Mütter , welche nur einen einzigen Gegenstand für ihre Liebe , ihren Sohn oder ihre Tochter kannten . Das sind die Männer , welche ihre Frauen vergötterten , und