» Jott , gnäd ' ger Herr , ich kriege keine . « » Na , denn sei froh ; dann weißt du nicht , was gemischte Gefühle sind . Sieh , ich habe jetzt gemischte Gefühle . Da kommt nun mein Woldemar . Das is gut . Und da bringt er seine Braut mit , das is wieder gut . Und da bringt er seine Schwägerin mit , und das is wahrscheinlich auch gut . Aber die Schwägerin ist eine Gräfin mit einem italienischen Namen , und die Braut heißt Armgard , was doch auch schon sonderbar ist . Und beide sind in England geboren , und ihre Mutter war aus der Schweiz , von einer Stelle her , von der man nicht recht weiß , wozu sie gehört , weil da alles schon durcheinandergeht . Und überall haben sie Besitzungen , und Stechlin ist doch bloß ' ne Kate . Sieh , Engelke , das is genierlich und gibt das , was ich gemischte Gefühle nenne . « » Nu ja , nu ja . « » Und dann müssen wir doch auch repräsentieren . Ich muß ihnen doch irgendeinen Menschen vorsetzen . Ja , wen soll ich ihnen vorsetzen ? Viel is hier nich . Da hab ich Adelheiden . Natürlich , die muß ich einladen , und sie wird auch kommen , trotzdem Schnee gefallen ist ; aber sie kann ja ' nen Schlitten nehmen . Vielleicht ist ihr Schlitten besser als ihr Wagen . Gott , wenn ich an das Verdeck denke mit der großen Lederflicke , da wird mir auch nicht besser . Und dabei denkt sie , sie is was , was am Ende auch wieder gut is , denn wenn der Mensch erst denkt , es is gar nichts mit ihm , dann is es auch nichts . « » Und dann , gnäd ' ger Herr , sie is ja doch ' ne Domina und hat ' nen Rang . Und ich hab auch mal gelesen , sie sei eigentlich mehr als ein Major . « » Na , jedenfalls ist sie mehr als ihr Bruder ; so ' n vergessener Major is ein Jammer . Aber Adelheid selbst , so auf ' n ersten Anhieb , is auch bloß soso . Wir müssen jedenfalls noch wen dazu haben . Schlage was vor . Baron Beetz und der alte Zühlen , die die besten sind , die wohnen zu weit ab , und ich weiß nicht , seit wir die Eisenbahnen haben , laufen die Pferde schlechter . Oder es kommt einem auch bloß so vor . Also die guten Nummern fallen aus . Und da sind wir denn wieder bei Gundermann . « » Ach , gnäd ' ger Herr , den nich . Un er soll ja auch so zweideutig sein . Uncke hat es mir gesagt ; Uncke hat freilich immer das Wort zweideutig . Aber es wird wohl stimmen . Un dann die Frau Gundermann . Das is ' ne richtige Berlinsche . Verlaß is auf ihm nich und auf ihr nich . « » Ja , Engelke , du sollst mir helfen und machst es bloß noch schlimmer . Wir könnten es mit Katzler versuchen , aber da ist das Kind krank , und vielleicht stirbt es . Und dann haben wir natürlich noch unsern Pastor ; nu der ginge , bloß daß er immer so still dasitzt , wie wenn er auf den Heiligen Geist wartet . Und mitunter kommt er ; aber noch öfter kommt er nicht . Und solche Herrschaften , die dran gewöhnt sind , daß einer in einem fort was Feines sagt , ja , was sollen die mit unserm Lorenzen ? Er ist ein Schweiger . « » Aber er schweigt doch immer noch besser , als die Gundermannsche redt . « » Das is richtig . Also Lorenzen , und vielleicht , wenn das Kind sich wieder erholt , auch Katzler . Ein Schelm gibt mehr , als er hat . Und dann , Engelke , solche Damen , die überall rum in der Welt waren , da weiß man nie , wie der Hase läuft . Es ist möglich , daß sie sich für Krippenstapel interessieren . Oder höre , da fällt mir noch was ein . Was meinst du zu Koseleger ? « » Den hatten wir ja noch nie . « » Nein , aber Not lehrt beten . Ich mache mir eigentlich nicht viel aus ihm , indessen is und bleibt er doch immer ein Superintendent , und das klingt nach was . Und dann war er ja mit ' ner russischen Großfürstin auf Reisen , und solche Großfürstin is eigentlich noch mehr als ' ne Prinzessin . Also sprich mal mit Kluckhuhn , der soll ' nen Boten schicken . Ich schreibe gleich ' ne Karte . « Katzler sagte ab oder ließ es doch unbestimmt , ob er kommen könne , Koseleger dagegen , was ein Glück war , nahm an , und auch Schwester Adelheid antwortete durch den Boten , den Dubslav geschickt hatte : » daß sie den zweiten Feiertag in Stechlin eintreffen und soweit wie dienlich und schicklich nach dem Rechten sehn würde « . Adelheid war in ihrer Art eine gute Wirtin und stammte noch aus den alten Zeiten , wo die Damen bis zum » Schlachten « und » Aalabziehen « herunter alles lernten und alles konnten . Also nach dieser Seite hin entschlug sich Dubslav jeder Befürchtung . Aber wenn er sich dann mit einem Male vergegenwärtigte , daß es seiner Schwester vielleicht in den Sinn kommen könne , sich auf ihren Uradel oder auf die Vorzüge sechshundertjähriger märkischer » Eingesessenheit « zu besinnen , so fiel alles , was er sich in dem mit Engelke geführten Gespräch an Trost zugesprochen hatte , doch wieder von ihm ab . Ihm bangte vor der Möglichkeit einer seitens seiner Schwester » aufgesetzten hohen Miene « wie vor einem Gespenst