nicht verderben . Aber ich sehe , Sie sind in Sorge . Forbeck hat ein Bild begonnen , das Aufsehen machen wird ; ich merke mich bei Ihnen gleich als Käufer vor . Es ist Feuer und Flamme für die Arbeit , und da vermute ich , daß er ungeduldig wurde und Ihr Urteil nicht mehr erwarten kann . Aber verzeihen Sie , mein Zug ! Grüßen Sie Forbeck ! Auf Wiedersehen ! « Der Zug dampfte zur Halle hinaus . Werner , von seiner Sorge erlöst , rückte den Hut und atmete auf . » Gott sei Dank ! « Gegen fünf Uhr abends erreichte er das von Wolken überlagerte Dorf , stieg beim Seewirt ab und ließ sich hinüberführen zum Brucknerhof . Der Bauer kam aus der Tür ; mit Interesse betrachtete Werner die zähe Gestalt und das bleiche , vom schwarzen Bart wie von einem Schatten umrahmte Gesicht ; Bruckner schien den prüfenden Blick mit Unbehagen zu empfinden und fragte wenig freundlich : » Was schafft der Herr ? « » Wohnt bei Ihnen Herr Forbeck aus München ? « Der Bauer nickte und schlug einen anderen Ton an . » Er is net daheim . A halbs Stündl kann ' s her sein , da is er gegen ' s Schloß aussi marschiert . Bitt , Herr , kommen S ' eini ins Haus . Ich führ Ihnen nauf in sein Stüberl . Da können S ' warten . « Bruckner gab die Tür frei , und Werner trat in den Flur . - Wenige Minuten früher , ehe Werners Einspänner an Schloß Hubertus vorübergefahren war , hatte Forbeck den Park betreten , um sich nach Fräulein von Kleesbergs Befinden zu erkundigen . Er hörte von Fritz , daß » die Sache den günstigsten Verlauf nähme « , und daß die Patientin bereits einen Teil des Nachmittags außer Bett zugebracht hätte . Wortlos gab Forbeck zwei Karten ab und trat den Rückweg an . Müden Schrittes folgte er der Ulmenallee . Ein gellender Vogelschrei weckte ihn aus seinem Brüten . Er stand vor dem Käfig , in dem die Adler mit Gier die blutige Leber des Sechzehnenders verschlangen . Jeder von ihnen hatte seinen Anteil erhascht und hielt ihn unter den gespreizten Fängen ; ein Riß mit dem Schnabel , und ein dicker Knollen bewegte sich unter Würgen langsam durch den Hals hinunter , an dem sich die Federn sträubten . Einer von den Adlern hielt in seiner Mahlzeit inne , duckte den Kopf zwischen die Flügel und spähte mit funkelndem Blick nach Forbecks Augen . Eine Erinnerung befiel ihn - ihm war , als hätte er diesen gleichen Blick vor nicht langer Zeit im Gesicht eines Menschen gesehen - diesen scharfen , mißtrauischen Falkenblick ! Er wandte sich ab . Raschen Ganges gewann er die Straße . Als er das Brucknerhaus erreichte , sah er Mali , mit dem Netterl auf den Armen , hastig gegen die Scheune gehen . Das hatte den Anschein , als wollte das Mädchen eine Begegnung mit ihm vermeiden . Dieser ihm unverständlichen Wahrnehmung nachsinnend , trat er ins Haus ; auf der Treppe hielt er betroffen inne - es war ihm vorgekommen , als hätte er in seinem Zimmer Tritte gehört . Aber als er die Stube betrat , war sie leer . Doch fiel es ihm auf , daß sein Bild , das er vor einer Stunde mit dem Tuch bedeckt hatte , unverhüllt auf der Staffelei stand . Und am unteren Rand des Bildes war ein weißer Zettel befestigt . Befremdet ging Forbeck auf die Leinwand zu und sah auf dem Zettel in einer ihm wohlbekannten festen Schrift die beiden Worte : » Goldene Medaille ! « » Werner ! « stammelte er . Da klang hinter ihm ein frohes Lachen , und als er sich umwandte , stand Werner auf der Schwelle der Schlafkammer . » Hans ! Junge ! Du hast mir einen Willkomm bereitet , wie ich ihn mir bei allem Vertrauen zu deinem Talent nicht hätte träumen lassen ! « Werner zog den Wortlosen an seine Brust und küßte ihn auf beide Wangen . Forbeck hatte den Blick eines Trunkenen . Er fühlte , daß diese Zärtlichkeit seines Lehrers für ihn ein Lob bedeutete , wie es kein Wort ihm hätte spenden können . Draußen wollte schon der Abend sinken , und dennoch wurde es plötzlich heller in der Stube . Die Wolken hatten sich geklüftet , und eine leuchtende Flut von goldrotem Sonnenschein ergoß sich über das Tal und seine Häuser . Werner war vor das Bild getreten . » Sag ' mir , Hans , wie hast du das fertigbringen können in diesen lumpigen paar Tagen ? Das muß aus dir herausgefahren sein wie ein Löwensprung ! Und wie glücklich du das gefunden hast , diesen Überschlag vom letzten Augenblick der Ruhe in den tobenden Sturm ! Wie das kämpft miteinander : das weichende Licht in seiner letzten , gesteigerten Schönheit und die anstürmenden Schatten in ihrer Wucht und Tiefe ! Und diese Landschaft ! Wo hast du nur diesen gesegneten Fleck Erde entdeckt ? Und diese Menschen ! Das Pärchen da ! Junge ! Das ist mehr als ein gelungener Diebstahl an der Natur , das ist eine künstlerische Offenbarung . Was du da gibst , das hast du in dir aus einer Tiefe herausgeholt , in die ich noch keinen Blick getan . Du hast alle Schule von dir abgeschüttelt , hast dich auf eigene Füße gestellt . Hans ! Jetzt bist du wer ! « Werner schlug seine Hand auf Forbecks Schulter und sah ihm mit glücklichem Stolz in die Augen . » Um mir das zu sagen , hättest du in deinem Telegramm etwas weniger sparsam mit den Worten sein dürfen ! Ich , in der ersten Verblüffung , glaubte , daß du krank wäret . Und jetzt ! « Er lachte . Forbeck , in dessen Augen die Freude sich umschleierte , wollte sprechen . Werner