daß sie fast unverknüpft , selbständig erschien , aber darum nur um so nachdrücklicher zwang , um so mehr und um so schneller überzeugte . » Ich werde Ihnen sagen , Herr Doctor , wem Sie mit dem Gelde helfen wollen - und damit sind dann auch die bewußten direkten Gründe bloßgelegt - - « » Nun - ? « fragte Adam , halb ehrlich-neugierig , halb verlegen , jedenfalls sehr peinlich berührt , so etwas wie geheimes Schuldbewußtsein in der Brust . » Sie wollen das Geld für - für - Irmers haben - ? « » Nun - ? Und wenn das der Fall wäre - - « antwortete Adam überlaut , mit affektirtem Trotz - » Sie - Sie lieben Hedwig Irmer - ? « Lydia hatte doch sehr leise gesprochen . » Aha ! Jetzt spielen Sie das Gespräch auf ein Gebiet hinüber , gnädige Frau , das Ihnen allerdings angenehmer sein möchte , als die Distel- und Nesselfelder , die ich Ihnen - na ! - - ich sage ja - nee ! zu köstlich ! zu köstlich - ! Uebrigens ' n bekannter Weiberkniff - - « » Bitte ! Beantworten Sie meine Frage - « » Liegt Ihnen wirklich so viel daran , gnädige Frau - ? Nun denn : Wenn das auch der Fall wäre - wenn ich Hedwig Irmer - liebte - was wäre dann ? Was hat das damit zu thun , daß - - « » Was dann wäre , Herr Doctor - ? Hm - ! Dann wären Sie nicht nur mit mir fertig , wie Sie sich vorhin auszudrücken beliebten - dann wäre ich allerdings auch mit Ihnen fertig - - « Lydia stand hinter der Lehne eines Fauteuils , an welcher sie sich jetzt mit ihren kleinen , vollen Händen fest anhielt . Die ganze Gestalt war in sich zusammengesunken , wie von einem tiefen , seelischen Schmerze überwältigt . » Sie auch mit mir - « sprach Adam leise nach und fuhr sich mit der linken Hand über die Stirn . Und eine jähe , gewaltige Wandlung erfaßte ihn . Wie ein Riß klaffte es durch die Dünste und Nebel , in die er sich hineinphantasirt hatte . Dieses Weib da liebte ihn - und er - er liebte in diesem Augenblicke auch das Weib , er liebte es heiß , leidenschaftlich , bis zum Wahnsinn , bis zur Verzweiflung . Das Andere , was er da vorhin zu ihr gesprochen hatte - das war ja Alles nur Einbildung , Humbug , elender Mumpitz gewesen , tristes Phrasengequatsche , fadenscheiniges Blendwerk . Er ein socialer Vergeltungsfanatiker ? Es war zum Lachen , zum Todtlachen . Er liebte die Schönheit und den Glanz , die heitere Vornehmheit und die geschmackvolle Pracht , den verständnißvoll arrangirten Luxus , die bestechende Form und den zwanglos , elegant gesammelten Inhalt . Und jetzt bot sich ihm zum letzten Male dieses Glück an , dieses Glück , das seinem Wesen und seiner Gestalt nach ihm einzig congenial war . Er sollte die Hand , die sich ihm lockend entgegenstreckte , zurückweisen , weil es eine Armuth gab , die darbte , ein Elend , das litt , eine Noth , die nach Rache schrie ? Was ging ihn diese Armuth an ? Was dieses Elend ? Was diese Noth , die nach Rache schrie ? Was diese problematische Rache ? Nichts , Nichts , Nichts . Hier ein Weib , das ihn liebte , hier Schönheit und Fülle , Unabhängigkeit und Sorglosigkeit , hier alle Instrumente zur Erzeugung feiner Stimmungen , alle Waffen für Erwerbung großer Genüsse und Erlebnisse - dort ein Haufen Lumpen , Schmutz , Unrath in brutaler , nackter Nüchternheit , stinkende Fäulniß , Dunst , Moder , Schweiß , Staub , Dreck - - und er zweifelte noch , was er wählen sollte ? Er zauderte noch ? Und alle Wunden , die ihm das kleine , enge , allenthalben hemmende Leben , dem er sich je und je hatte unterwerfen müssen , geschlagen und die nur ein galgenhumoristischer Leichtsinn nothdürftig hatte vernarben lassen ... sie brachen wieder auf und bluteten in erneuter Frische . Aller Demüthigungen , Zugeständnisse und Kapitulationen , die er hatte auf sich nehmen müssen , und die er weiter und weiter würde auf sich nehmen müssen , wenn er die äußere Niedrigkeit seines Lebens nicht abschüttelte und von sich warf , gedachte er , und es ergriff ihn ein ungestümes Grauen vor ihnen und ein zehrendes , bohrendes Mitleid mit sich selber . Die » Bataillone der Zukunft « - mochten sie ruhig weitermarschiren , näher und näher heran - noch war ihre Stunde nicht gekommen , noch standen sie nicht auf dem Kampfplatze , bereit zu vergelten , zu stürzen und neu zu gründen - und unterweilen ließ sich noch eine Spanne Zeit gewinnen , da man glücklich sein durfte im Schooße der Schönheit und Leidenschaft - und einen Traum träumen durfte in irdischer Trunkenheit , wohl einen flüchtigen und vergänglichen , aber auch hinreißend schönen und unvergeßlichen Traum . Nachher das Erwachen - was ging ihn das jetzt an ? Jetzt ? Nichts , nichts , nichts - - Adam schritt langsam auf Lydia zu ... und als er dicht hinter ihr stand , sprach er mit leiser , gepreßter , heiser vibrierender Stimme : » Verzeih ' mir , Lydia - ich - ich war von Sinnen vorhin - ich wußte nicht - - ach ! Du weißt nicht , wie unglücklich ich bin - - « Und Lydia sah zu ihm auf , feucht schimmerte es in ihren Augen - » Ja ! Du mußt sehr unglücklich sein , Adam - « sagte sie ebenso leise ... Dann wischte sie sich mit ihrem zarten , weißen Battisttaschentuch die Thränen aus den Augen , legte ihre kleinen , vollen Hände auf Adams Schultern und sah ihm fest , klar ins Gesicht und sprach : » Ich will Dich