uns hier die Kehle heiser . Ich habe da drin ein exquisites Kraut , auch einen feinen Tropfen dazu . Die Herren qualmen und politisieren , was Zeug hält . Die soziale Frage wurde schon wieder zum ixtenmal gelöst . Kommen Sie doch . « Drillinger war zwar heute weniger denn je aufgelegt , sich von Hinz und Kunz politische Kannegießereien vorreden zu lassen . Immerhin , dachte er ; mitgegangen , mitgefangen , mitgehangen . Und da ihn das Ewigweibliche ausnahmsweise einmal gar nicht lockte ... Der Kommerzienrat schielte noch einmal suchend nach Leopoldine in den Salon zurück . » Kommen Sie , Herr Baron ! « Er führte ihn durch einen kleineren Salon , wo zerstreute Gruppen jüngerer Leute drauflos schwadronierten , in das Rauchzimmer . War das dort nicht der Schauspieler Geiling , der sich mit der verliebten Wittwe durch die Portière drückte ? Drillinger erhaschte nur noch flüchtige Umrisse des verschwindenden Pärchens . Unbekannt mit der Einteilung der weitläufigen Wohnung und den Gewohnheiten ihrer Benützung , vermochte er nicht zu erraten , wohin sich die Witwe mit ihrem Galan gewandt , um in trauter Ungestörtheit die » Summe aller Weisheit zum Glücklichsein « zu ziehen . Ein anderer Gast , der sich gut auskannte , der Maler Schnürle , eine gallige Natur und ein unermüdlicher Spürhund , hatte mit dämonischer Freude die Davonschleichenden aus seinem Observatorium in der Fensternische beobachtet . Dem Komödianten war er schon lange aufsässig und der geborenen Starkloff war er aus allerlei Ursach auch nicht grün . Hollah , diesmal gilt ' s , dachte er , und diesmal werden die sauberen Schliche aufgedeckt ... Er schlängelte sich leise hinaus ... Schon drohte im Bereiche der Damen der Geist der Unterhaltung zu verflüchtigen ; die boshaften Gespräche erlahmten , die ungeduldigen Füßchen trommelten zum Aufbruch , es war heute offenbar nichts mehr los . Da hieß es plötzlich : » Friedberg wird noch kommen ! Friedberg ist da ! « Hui dada , hui dada , dideldumdei - » Liebste Frau Kommerzienrat , « röhrte die höhere Tochter in den höheren Semestern , » Friedbergchen muß uns was Lustiges aufspielen , damit wir doch noch ein wenig tanzen können . Sie müssen erlauben ... Wir können nicht mehr an uns halten ... Unsere Beine sind schon den ganzen Abend in Aufregung ... Sehen Sie dort den Herrn Leutnant , der ist schon ganz weg ... Bitte , bitte ... Tanzen ist ja Gottesdienst ; der König David hat vor der Bundeslade hergetanzt ... « Hui dada , hui dada , dideldumdei - Einige ältere Herren flüchteten vor dem Tanzrummel aus dem gelben Salon in das Rauchzimmer und da sie auch dies schon überfüllt fanden , in den Billardsalon . Hier hatte der sogenannte Wunderdoktor Wendelin Wamperl , seines Zeichens Rechtsanwalt , dessen Schnurrbartenden wie Pfropfzieher ausgedreht waren , eben den Queue auf das Billard geworfen und einer Gruppe Herren , welche , das Weinglas in der Hand , schlechte Witze über einen neuesten Ehebruchskandal rissen , voll sittlicher Empörung zugerufen : » Und ich bin dafür , daß jeder Mann und jedes Weib , auf Ehebruch ertappt , mit Kastrierung bestraft wird ! « » Gewiß , Untreue ist Infamie , sofern man nicht selbst den Genuß davon gehabt hat , « sagte einer aus der Gruppe mit Beziehung , ein sonderbar gestalteter Heiliger , dessen Nasenflügel aufgebläht schienen , als wären sie mit einer kitzelnden Prise Schmalzlertabak gefüllt , während der hochgezogene Nasenrücken und die gefältelte Nasenwurzel den Eindruck eines permanenten Niesreizes machten . Wer dieses gespannte Gesicht ansah , war versucht , immer gleich Helfgott zu sagen . » Da muß ich doch bemerken , daß die tonangebende Presse den Fall viel milder beurteilt hat , als der gestrenge Herr Doktor . « » Die Presse , « höhnte Wamperl , » diese babylonische Hure ; das muß ich als ehemaliger Herausgeber einer Zeitung doch besser wissen , wie so etwas gemacht wird . Milde Beurteilung ! Da hat die Bestechung eben nicht bis zum Schweigegeld gereicht . « » Doktor Wamperl hat Recht : gegen die zunehmende Zerrüttung des Ehelebens müßte mit den stärksten Strafen vorgegangen werden . Die Ehe ist die Basis von allem - « bemerkte ein Dritter . » Natürlich , « zischelte der gereizte Nasenflügler - » so sehr die Basis von allem , daß kein anständiger Mensch mehr sich damit einlassen mag und das Junggesellentum von Jahr zu Jahr zahlreicher wird . Fragen Sie doch unsern bewährten Statistiker Parklas ! « » Junggesellentum ? « fuhr Doktor Wamperl auf , » sagen Sie doch richtiger die männliche Halbwelt . All ' diese biederen Junggesellen sind zu haben , wenn eine holde Sirene lockt . Lauter Kuckuckseierfabrikanten , wenn ' s aufs Apropos ankommt . Biedermänner , die , wenn sie zum Verführen zu faul , nichts sehnlicher wünschen , als verführt zu werden . Und diese Mustermenschen schimpfen auf den Ehestand und auf die Weiber und die Dirnen - und sie selber schlupfen drin herum wie die Maden im Käslaib . « » Bravo , Herr Doktor ! « rief der Kommerzienrat beifällig und schob dem Baron v. Drillinger zuvorkommend einen Rohrsessel hin , während er gleichzeitig einem vorbeieilenden Diener bedeutete , einen frischen Trunk zu bringen . Der mehr und mehr gereizte Nasenflügler : » Sie gebrauchten den Ausdruck männliche Halbwelt , Herr Wamperl ; das wäre ein Thema für Ihre Feder . Schreiben Sie doch einen tief empfundenen Artikel darüber . « Bei diesen Worten erschien Erwin Hammer geräuschlos unter der Thür . » Wofür ? Für die Tagespresse ? « » Es stehen Ihnen doch die angesehensten Blätter offen . « » Angesehene Blätter gibt ' s nur im physischen , nicht im moralischen Sinn . Ich danke . Ich verachte die Presse für das , was sie nicht schreibt und noch mehr für das , was sie schreibt . Ich verachte sie grundsätzlich . « » Oho ! « von