Tue mir also die Liebe und berücksichtige folgendes Verzeichnis meiner dermaligen Wünsche : 1. Obiges Schreibmaterial . 2. Der Schlafrock . 3. Eidamerkäs , 1 Laib mittlerer Größe . 4. Salamiwurst , große 1 / 2 , kleine 1 / 1. 5. Ein Topf eingemachte Zwetschgen . 6. Eine Flasche Kognak . 7. Bücher in obigem Sinn . 8. Ein paar Dutzend Zigarren zur Probe , mittelstarke . 9. Meine Haarbürsten , die ich vergessen . Vielleicht mit dem Schlafrock zu bekommen . 10. Ein oder zwei Schlipse . Unwandelbar Dein getreuer Isidor . PS . Meine Demission beim großen Rate habe ich schicklicherweise schon jetzt geglaubt erklären zu müssen . Dennoch fühle ich das Bedürfnis , auf dem laufenden zu bleiben , so gut möglich . Vielleicht wäre der Herr Vater so gütig , mir zeitweilig die wichtigsten Traktanda und Sitzungsberichte zukommen zu lassen ? « » Danke fürs Zutrauen ! « murrte Martin Salander . » Bist du zu Ende , Marie ? « » Ja , gottlob ! « antwortete sie und legte den Brief hin . » Wie gefällt dir die Epistel , Setti ? Gedenkst du dich auf den Weg zu machen und die verlangten Dinge einzukaufen ? « Die Gattin des Briefschreibers sagte mit sichtlich bleicher Nasenspitze : » Ich friere vor Kälte , die mich überfallen hat , ich will zu Bett gehen ! Gute Nacht , allerseits ! « » Nun , Freund Möni ? « sagte Martin , nachdem die eine Tochter sich entfernt , » ist der nicht auch ein Humorist ? « Wighart hatte schon seine Zigarrenspitze eingepackt . » Nein , da hört der Scherz auf ! « sagte er verdutzt ; » der Topf mit den eingemachten Zwetschgen hat mich darniedergeworfen ! « » Der Eidamerkäse und das Papier für die Studie sind aber auch nicht übel , sowie die Ratstraktanden ! « seufzte Salander . » Keine Spur von Scham oder Reu , lauter Aufgeblasenheit ! Es kommt mir vor , wie wenn wir auf einer hohlen Stelle der Erdrinde säßen ! « » Nur nicht gleich so verzweifelt ! « mahnte die Mutter ; » wenn die Köpfe hohl sind , so kann die Erde doch noch ein Weilchen vorhalten ! Morgen will ich doch einmal bei den Eltern im Zeisig nachsehen , wie es ihnen geht ! Vielleicht ist es eher angebracht , dort ein gutes Wort oder einen kleinen Trost einzulegen ! « » Das ist wohlgesprochen , Verehrteste ! « sagte Möni Wighart . » Ich bin gestern wieder einmal beim Friedensrichter im Roten Mann gewesen , er hat einen herrlichen Neuen ; der Mann ist freilich auch weiß am Kopfe , aber noch immer munter ! Dort vernahm ich , daß die Frau Weidelich , als die Flucht des anderen Sohnes bekannt war , bettlägerig geworden sei und der alte Weidelich herumgehe wie ein Schatten an der Wand . Aber stets sei er bei der Arbeit , stehe noch eine Stunde früher auf und gehe später zu Bett , immer schweigend , mit allem möglichen beschäftigt , als ob er das Unglück damit bannen oder ungeschehen machen wollte . Und dabei sorge er noch für die Frau und ihre Pflege ! Jetzt will ich euch aber nicht länger zur Last sein , ihr Herrschaften , und haltet euch nur frisch oben . Recht geruhsame Nacht ! Wie heißt es doch in dem Brief , fällt mir noch ein . Laßt sehen ! « Er nahm den noch offen liegenden Brief und las . » Richtig , da steht ' s. Salamiwurst , große ein Zweitel , kleine ein Eintel ! Es klingt doch drollig ! Recht gute Nacht nochmals ! « XVIII Marie Salander stieg am nächsten Nachmittage wirklich in den Zeisig hinauf , die alten Wege , die sie einst gegangen , als der kleine Arnold ihrer harrte . Sie traf den alten Weidelich in seinen Gemüsegärten , wo er die Herbstgeschäfte besorgte , mit der Schaufel in der Hand das Ausgenutzte und Abgewelkte wegräumte und zwei oder drei Arbeitern Anweisungen erteilte . Er schien um zehn Jahre älter geworden zu sein seit der kurzen Zeit . Als Frau Salander sich zwischen den Beeten langsam näherte , stieß er die Schaufel in die Erde und ging , seinen alten Hut lüftend , ihr entgegen . » Lassen Sie sich nicht stören ! Ich wollte nur sehen , wie es Ihnen geht und was die Frau macht ! Wir haben gehört , sie sei krank . « » Es ist eine freundliche Nachfrage ! « sagte Jakob Weidelich . » Leider liegt die Frau im Bett und ist schlecht dran ! Sie hat einen Schlaganfall bekommen , als es hieß , der Julian habe sich geflüchtet , er sei auch so weit wie der andere . Wollen Sie nicht einen Augenblick hineingehen - ich darf fast nicht sagen , Frau Schwäher ! « » Kann sie aber doch sprechen ? « » Nur langsam ; sie ist halb gelähmt , ich weiß nicht , wie es noch werden soll ! « » Die arme Frau ! Ich will sie doch begrüßen , wenn es angeht ! « Der bekümmerte Mann führte sie in das Haus und in die Wohnstube , wo die Mutter der verunglückten Söhne im Bette lag . » Amalie , das ist Frau Salander , sie ist so gut und will dich besuchen ! « Die Kranke ruhte tief in den blau- und weißgewürftelten Bettstücken ; Jakob rückte die Kissen unter dem Kopfe zurecht , daß sie freier um sich blicken konnte , und Marie setzte sich auf den Stuhl , der neben dem Bette bereitstand . Sie ergriff die eine Hand , welche der Bewegung fähig war und den Druck schwach erwiderte , und fragte mit einigen tröstenden Worten nach dem Befinden der Schwergeprüften . Diese drehte die Augen nach ihr und sah sie groß an . Sie sagte nichts als : » Beide hin ! «