blieb über , um wieder Fried ins Haus zu bekommen , als , gern oder ungern , ihm » nachzuschauen « , was es auch sein mag und kann ! Doch vor dem Ärgsten , daß sich das Gespenst an einem vergreife , konnte man sich ja schützen , und nicht alle Tage kriegt man Geister zu sehen und erfährt dabei sicher Dinge , wovon nicht jeder weiß . - Ist ' s die vorherige Bäuerin , so soll sie sagen , ob sie eine Sorge auf Erden zurückgelassen , darüber sie nicht zur Ruhe kommt , ob für ihr Seelenheil etwas zu tun oder ob sie aus Bosheit und Abgunst so » rumore « ; der Sorg soll sie entledigt und erlöst werden , was für eine arme Seele geschehen kann , soll geschehen , aber den Polter- und Plagegeist würde man auch auszutreiben und hinwegzubannen wissen ! Nicht das geringste will sich die derzeitige Bäuerin gegen die vormalige vergeben , und stiege die gleich unter Kettengerassel als leibhafter Höllenbrand aus dem Boden auf ! Oh , sie soll es nur kundgeben , was sie will , und auf Ansprache muß sie ja Rede stehen , und das lieber gleich , ehe einem der Graus über den Kopf wächst und man noch der Sinne und der Zunge Meister ist . » Alle guten Geister loben Gott , den Herrn , sag an , was is dein Begehrn ? « Noch einmal wiederholte Helene flüsternd den Spruch , dann begann sie , schwer aufseufzend , ihre Kleider überzuwerfen . Als sie die Strümpfe angelegt hatte , schlich sie zu dem Wäschschrein , zog behutsam eine Schublade auf , aus der sie eine geweihte Wachskerze nahm ; im Vorüberhuschen ergriff sie ihre Schuhe , und mit einem scheuen Blick nach den Schlafstellen des Mannes und der Kinder öffnete sie die Türe . Deutlicher schlug das unheimliche Geräusch an ihr Ohr . Zögernd stand sie einen Augenblick , dann strich sie mit einem Zündholz über die Mauer , entflammte die Kerze , nahm einen der geweihten Zweige , die über dem Weihwasserbehälter hingen , an sich , und nachdem sie die Finger in das Naß getaucht und sich dreimal bekreuzt und besprengt , verließ sie die Stube . Die Kerze und den Zweig zwischen den Fingern der Linken , unter demselben Arme die Beschuhung und mit der freien Rechten das Licht schützend , eilte sie über den Gang bis zur Treppe , dort schlüpfte sie in die Schuhe und stieg dann bedächtig Stufe um Stufe hinab . Im Flur hörte sie das Gepolter wie aus der Erde heraufschallen ; um ihm nachzugehen , mußte sie also hinunter in das Kellergeschoß . Hundegeheul tönte vom Hofe her . Sie preßte die Hand ganz oben gegen das Brustblatt , denn bis zum Halse hinauf schien ihr das Herz zu schlagen . Sie ging ein paar Schritte vor und lehnte sich an einen Haustürpfosten und starrte hinaus in die schweigende , mondhelle Nacht . Unweit stand ein großer Hund , in braunem , schwarz geflecktem Felle , der seine mächtige Schnauze gegen den Himmel gerichtet hielt und zeitweilig langgezogene Töne ausstieß , die sich kläglich genug anhörten . » Tiger ! « rief die Bäuerin halblaut . Das Tier wandte den Kopf und kam sofort in ungelenken Sprüngen , schweifwedelnd , heran . Helene faßte den Hund am Halsbande , um ihn in den Flur hereinzuziehen , er kam ihr zuvor und hüpfte ungeschlacht um sie her und augte dabei so dumm gutmütig wie immer , und kein Haar seines Felles war gesträubt ; Orte aber , wo es nicht geheuer , machen Hunde fürchten und Pferde scheuen . Tiger schnüffelte gleichmütig an der Kellertreppe , doch als die Bäuerin sich anschickte hinabzusteigen , schoß er eilig voran . Helene warf den geweihten Palmkätzchenzweig hinter sich , Gespenster waren keine um die Wege , » lebige « Leute trieben da irgendeinen Unfug , und zwar welche , die zum Hause gehörten , das war deutlich dem Gehaben und Gebärden des Hundes zu entnehmen . Sie hatte die Hälfte der Treppe zurückgelegt , da ward es unten lebendig ; sie hörte in rascher Aufeinanderfolge einen Aufschrei , ein dumpfes Schelten , einen Prall gegen die Mauer , wie von einem Steinwurfe , und das Angstgeheul des Hundes , dann kam Tiger die Stufen heraufgejagt , fuhr an ihr vorüber , unaufhaltsam über den Flur und hinaus in den Hof . Helene stieg rasch vollends hinab und trat in das Kellergewölbe . Fast wäre ihr wieder aller Mut gesunken . Sie fand sich allein in dem weiten Raume . Die Wände , die Umrisse der Fässer und wenigen Gerätschaften , die da untergebracht waren , schwankten in dem unsicheren Scheine der Kerze , die sie in zitternder Hand hielt , und vom anderen Ende her , nahe der Mauer , blinkte ein Licht aus einer Laterne , die stand an der Erde , und aus dieser wuchsen zwei Hölzer , mit einem Querbalken verbunden , wie man den Galgen aufgemalt sieht . Nun stöhnte es von dorther , eine Haue erhob sich aus dem Boden und ein Kopf mit ergrauendem Haar , auf einem Stiernacken sitzend ... Da war es vorbei mit all und jedem Spuk , der Galgen war das Ende einer Leiter , die über eine Grube herausragte , an deren Rande stand die Laterne , und nahe auf einem Hügel ausgehobener Erde lag ein Grabscheit , und bis zu den Schultern stak der alte Sternsteinhofer da in der Tiefe und schlug mit dem Eisen gegen die bloßgelegten Steine des Grundmauerwerkes , Was für ein Absehen hatte er damit ? Knapp hinzutretend , fragte die Bäuerin : » Was machst denn da ? « » Jesus , Maria « , ächzte der Alte , zugleich sanken ihm die Arme und entglitt ihm das Werkzeug , er taumelte rücklings gegen die Wand und starrte , wie irr und verloren , nach Helenen . » Ich frag