machen wir da ? Habe ich noch Zeit , nach Hause zu gehen und es zu holen ? « » Nein « , erwiderte Sender . » In zehn Minuten muß die Liste auf der Post sein . « » Aber ich kann doch nicht mein Glück versäumen « , rief der Edelmann bestürzt . Im nächsten Augenblick jedoch erhellte sich seine Miene . » Halt ! « rief er . » Das Einfachste fällt einem doch immer zuletzt ein . Du schreibst sowohl in die Liste wie in meinen Zettel nur den Einsatz und gibst mir beide ; ich gehe rasch heim , fülle sie aus und bringe die Liste noch rechtzeitig zur Post . Du weißt , der Postmeister ist mein guter Freund - ich bürge dafür . Ist das nicht das Bequemste für uns beide ? « Sender erbleichte . » O du Schurke ! « dachte er . Laut aber sagte er nur : » Bequem wär ' s freilich , aber gefährlich ! « Er langte die hundert Gulden hervor und schob sie dem Edelmann zu . » Gefährlich ? « lachte Wolczynski . » So sei doch vernünftig ! Hier sind zehn Gulden Trinkgeld , und wenn ich gewinne , bekommst du zwanzig Prozent von meinem Gewinn . « Auch dies Geld schob Sender zurück . » Zwanzig Prozent von Ihrem Gewinn ? « fragte er . » Das ist zu viel für mich , das sind zwei Jahre Zuchthaus ! « » Wie ? « » Ganz einfach . Sie finden Ihr Zettelchen erst morgen , nachdem das Telegramm eingetroffen ist . Die Liste geht morgen mittag ab . Wird in Lemberg die verspätete Absendung bemerkt , so beträgt Ihr Gewinn zehn Jahre Zuchthaus . « » Kerl ! « brauste der Bestechungsagent auf , » wie kannst du - « Da stockte er . Die Tür wurde hastig aufgerissen ; es war Jossele Alpenroth . » Ist ' s - noch - Zeit ? « keuchte er mühsam hervor und hielt Sender zwei Gulden entgegen . Wolczynski hatte sein Geld zu sich gesteckt . » Adieu , Senderko ! « sagte er , wieder ganz freundlich . » Wir sprechen uns noch ! Natürlich ein Mißverständnis ! « » Natürlich ! « rief ihm Sender nach und griff dann eilig zur Feder . » Rasch , Meister . Also zwei Gulden . Terno . Welche Nummern ? « » 5 , 63 , 88. Sie haben mir heut ' nacht geträumt . Den ganzen Tag hab ' ich mit meinem Weib beraten , ob ich setzen soll oder nicht . Endlich hat sie ' s erlaubt . « Sender hörte ihn nicht an . In großer Hast schrieb er die Nummern in Zettel und Liste ein , unterschrieb sie , schloß das Kuvert und rannte zur Post , wo er die Sendung mit Mühe noch anbrachte . Er fühlte sich sehr müde , die durchwachte Nacht lag ihm in den Gliedern , so ging er denn heute sofort heim und lag kurz darauf in tiefem Schlaf in seiner Kammer . Unsanft genug sollte er daraus geweckt werden . Es pochte an seiner Tür . » Steh ' auf ! « hörte er die Mutter ängstlich rufen . » Reb Dovidl ist da ; es soll etwas im Geschäft nicht stimmen . « » Wolczynski ! « dachte er entsetzt und machte Licht . Es war kaum zehn Uhr . Hastig fuhr er in die Kleider . Aber was konnte ihm der Edelmann anhaben ? Und nun hörte er auch unten eine wohlbekannte Stimme rufen : » Wenn er mir das Geld nicht zurückgibt , dann sollt ihr mich kennen lernen ! « Das war Jossele Alpenroth . » Was mag der wollen ? « fragte sich Sender erstaunt . Aber als er die Wohnstube betrat , erfuhr er es nur allzu bald . Reb Dovidl stürzte ihm entgegen und hielt ihm einen Lotteriezettel unter die Nase . » Lies ! « schrie er . Sender las : » 50 , 63 , 88. Terno . Zwei Gulden für die morgige Ziehung . - Was soll ' s damit ? Der Zettel ist in Ordnung ! « » In Ordnung ? « krähte Dovidl und drehte sich dreimal um seine Achse . » In Ordnung ? « rief Jossele und faßte Sender an der Brust . » 5 habe ich gesagt , nicht 50 , so wahr mit Gott helfe ! « » Das ist möglich « , murmelte Sender bestürzt . Die Nummer war ihm im Lauf desselben Tages zum zweiten Mal verhängnisvoll geworden . » Möglich ? « schrie Dovidl . » Gewiß ! Heut ' bist du ja verrückt mit den fünfzig ! O , könnt ' ich sie dir aufmessen lassen ! Also willst du die zwei Gulden in Güte ersetzen oder nicht ? Wenn nicht , so brauchst du nicht mehr in den Laden zu kommen , und ich reiche für Reb Jossele die Klage gegen dich ein . « » Ich ersetze sie « , sagte Sender und schüttelte das Männchen von sich ab . » Ihr braucht nicht zu drohen . Es ist meine Pflicht . Ich hole das Geld . « » Vom sauer erworbenen Lohn « , schluchzte die Mutter hinter ihm her . » Was sind für uns zwei Gulden ! O , er wird nie vernünftig werden . « Sender reichte seinem einstigen Lehrherrn das Geld hin und nahm den Zettel an sich . » So , der gehört nun mir ! « » Ja ! « sagte der Uhrmacher » Der Zettel gehört dir ! Aber wenn morgen 5 , 63 , 88 herauskommt , so verklag ' ich dich auf die dreihundert Gulden Gewinn . Reb Luiser sagt , er will den Prozeß umsonst für mich führen , weil er gar nicht zu verlieren ist . « » Was ? « rief Morgenstern . » Was ? « wiederholte er