, um sie nachher ihrer Leichtgläubigkeit wegen zu verhöhnen , indem er erklärte , die Geschichte sei gar nicht wahr . Jemand anders aber mochte erzählen , was er wollte , so stellte der Mann es in Abrede , und er hatte eine ganz eigene tückische Manier , die Treuherzigkeit , mit welcher ihm etwas gesagt wurde , ins Lächerliche zu ziehen , auf die gleiche Weise , wie er die Treuherzigkeit derer , welche ihm glaubten , spöttisch zu machen wußte . Er aß keine Krume Brotes , die er sich nicht durch eine Lüge verschafft ; denn er wäre lieber Hungers gestorben , eh er in ein auf gradem Wege erworbenes Stück Brot gebissen hätte . Aß er aber sein Brot , so sagte er , es sei gut , wenn es schlecht war , und schlecht , wenn es gut war . Überhaupt ging sein ganzes Streben dahin , sich immer für etwas anderes zu geben , als er war , was ihm ein fortgesetztes Studium verursachte , so daß er , der eigentlich nichts tat und nie etwas genützt hatte , doch zu jeder Minute in der verwickeltsten Tätigkeit begriffen war . Hiezu bedurfte er eines fortgesetzten Schleichens und Lauerns , teils um die günstigen Momente zu erhaschen , seine Narrheiten vorzubringen , teils um andere auf schwachen Seiten zu ertappen , da eine Hauptleidenschaft von ihm darin bestand , die ganze Welt der Unwahrheit und Lüge zu überführen ; und es war nichts Lustigeres zu sehen , als wenn er , soeben hinter einer Tür , wo er gelauert hatte , auf den Zehen hervorhüpfend , plötzlich strack und steif dastand , mit rollenden Augen um sich stierte und mit bombastischen Worten seine Gradheit , Ehrlichkeit und arglose Derbheit anrühmte . Da er bei alledem wohl fühlte , daß jedermann besser daran war als er , so erfüllte ein unnennbar neidisches Wesen seine Seele , welches ihn verzehrte wie ein glühendes Feuer und sich dadurch zu erkennen gab , daß sein drittes Wort immer das Wort » Neid « war . Er versicherte , sich in einer ewig glückseligen moralischen Überlegenheit zu befinden , und sah daher in jedem Blatte , das nicht nach seiner Weise säuselte , einen neidischen Widersacher , und die ganze Welt war nur ein vor Neid zitternder Wald für ihn . Widersprach ihm jemand , so schrieb er jeden Widerspruch dem Neide zu ; schwieg man während seiner Vorträge , so wurde er wütend und konnte kaum das Weggehen des Schweigenden abwarten , um denselben des Neides zu beschuldigen , so daß seine ganze Rede durch das unaufhörlich wiederkehrende Wort Neid recht eigentlich zum tönenden Gesange des Neides selbst wurde . So war er in allem der persönliche Feind der Wahrheit und atmete nur in Abwesenheit derselben , wie die Mäuse auf dem Tische tanzen , wenn die Katze nicht zu Hause ist , und die Wahrheit rächte sich auf die einfachste Weise an ihm . Sein Grundübel war , daß er schon im Mutterleibe hatte gescheiter sein wollen als seine Mutter , und infolgedessen konnte er nur leben , wenn er nichts zu glauben brauchte , was irgend ein Mensch sagte , alle Menschen aber glaubten , was er sagte Nun konnte er sich freilich stellen , als ob dem so wäre , und er tat es auch , was schon eine energische Zusammenfassung der einzelnen Verlogenheiten und seine Hauptlüge war ; allein der Beweis vom wahren Sachverhalte machte sich doch zu offenbar im Gelächter seiner Nebenmenschen . Daher fand er kurz und gut seinen besten Stützpunkt in derjenigen Lehre , welche den unbedingten Glauben zum Panier erhebt . Schon daß die allgemeine Richtung der Zeit sich vom Glauben abwandte und die Mehrzahl der denkenden Menschen , wenn sie sich auch nicht dagegen aussprachen , doch denselben gut sein ließen und nur auf das Begreifliche und Erkennbare bauten , war ihm Grund genug , sich dieser Richtung schnurstracks entgegenzustellen und dabei zu behaupten , der Hang und Drang der Zeit ginge unverkennbar auf den erneuten Glauben los ; denn er konnte das Lügen nirgends lassen . Diejenigen , welche wirklich glaubten , waren ihm höchst langweilig , und er bekümmerte sich nicht um sie , daher er auch nie in einer Kirche oder religiösen Gemeinschaft gesehen wurde . Dagegen hatte er es um so mehr mit denen zu tun , welche nicht glaubten . Nicht daß er sich um das Seelenheil derselben viel gekümmert hätte , obgleich er die Sache mit ängstlicher Hast verfolgte ; seine Angst war die hatte er einmal gesagt , daß er glaube , so mußten für ihn alle , welche nicht glaubten , Esel sein , und wenn dies auf sein Wort hin nicht angenommen wurde , so glaubte er selbst als etwas derartiges dazustehen . In der Tat könnte man den unseligen Streit die Eselfrage nennen , da gewiß von tausend Fanatikern , welche für ihre religiöse Meinung im Blute wateten , neunhundertneunundneunzig nur aus dem Grunde den Frieden verrieten und Scheiterhaufen anzündeten , weil ihnen aus dem Trotze der Verfolgten das Wort Esel entgegenzutönen schien . Nichts haßte der Mann mehr als die gewissenhafte und redliche Forschung und die Entdeckungen der Wissenschaft ; wenn irgendein Ergebnis derselben bekannt wurde , so zappelte er mit Händen und Füßen dagegen und suchte es lächerlich zu machen , und wenn es sich als richtig erwies und seine bedeutenden Folgen auf allen Gassen zu sehen und zu greifen waren , so tobte er erst recht und nannte es ins Angesicht eine Lüge . Das Einmaleins und eine chemische Schale waren ihm unerträglicher als dem Teufel Vaterunser und Weihkessel ; aber auch die Natur rächte sich lächelnd an ihm . Denn während er die fünf Sinne nicht gelten ließ , war er stets bemüht , dieselben durch einige erfundene Sinne zu vermehren , durch deren possierliche Ausmalung er die christliche Wunderwelt erklären wollte . Wenn er hiedurch vielfach gegen den christlichen Geist verstieß und man ihm dies