ihrer Not in die Tiefe des Sees geflüchtet , und von denen sie der eine ans trockene Land gezogen hat ? Der Vorfall muß ihr wie ein Traumbild sein , er möge nie mehr erwähnt werden . Aber von dem Waldherrn , der ihre Familie aus Not und Armut gezogen , spricht sie mit Freude und Begeisterung . Zur Auswärtszeit 1837 . Es hat sich erfüllt . Die Anzeichen sind in der Luft . gelegen seit jenem Tage im Vorsommer , an welchem Hermann , wie neu erwacht zum gesunden Manne , in Winkelsteg wieder angekommen ist und als sein erstes mich nach der Waldlilie gefragt hat . Er findet keinen Gefallen mehr an den lauten , schwelgenden Kreisen , von so vielen die » Welt « genannt , aber nichts weniger , als die Welt bedeutend . Den Wendepunkt hat er überstanden . Er ist eingetreten in das gereifte Leben , in welchem man nach der Schönheit der Schöpfung und nach dem inneren Werte des Menschen frägt . - Die Waldlilie ist eine wundersam schöne Jungfrau geworden , und meine Mühe um die Ausbildung ihrer Seelenanlagen ist herrlich belohnt . So hat es sich erfüllt . Der Schrankenheimer hat seine Schranken durchbrochen . Vor zwei Tagen , am Feste der Himmelfahrt des Herrn , ist in unserer Kirche der Waldherr mit der Waldlilie getraut worden . Hermann hat drüben am See im Gesenke ein Sommerhaus bauen lassen wollen , um mit seiner Gattin alljährlich einige Frühherbstwochen daselbst zu wohnen . Aber die Waldlilie hat ihn gebeten , das zu unterlassen . Sie liebe jene Gegend , aber sie könne den See nicht besuchen . Sie haben uns verlassen und sind davongezogen in die schöne Stadt Salzburg . Im Winter 1842 . In Einöde und Einförmigkeit vergehen die Jahre ; warum nennt mich niemand den Einspanig ? Die junge Frau hat sich seither doch besonnen , am See im Gesenke steht das Sommerhaus . Da geht es in den Wochen des Frühherbstes gar lebendig zu , und die Bergwände bewachen das Familienglück unseres Herrn . Der Förster , Vater Berthold mit seinem Weibe wohnt jahraus , jahrein in dem Hause am See , und die Geschwister der Frau von Schrankenheim dürfen auf ein besseres Los hoffen , als jenes , von dem ihnen an der Wiege ist gesungen worden . Der alte Herr von Schrankenheim hat noch zwei Enkel gesehen , ehe er zu Salzburg im Winter des Jahres 1840 verstorben ist . Winkelsteg hat durch das Haus im Gesenke nichts gewonnen . Dorthin ist eine gute Straße gebaut worden , von dort aus werden die Wälder bewacht und die Arbeiten geleitet . Dorthin kommen die Besuche fremder Herrschaften , dort werden die großen Jagden angestellt . Das Haus in dem voreh so öden und verrufenen Gesenke ist das Herrenhaus ; und Winkelsteg bleibt die arme Bauern- und Holzschlägergemeinde , und die Zustände zu Winkelsteg werden nicht besser , und der Schulmeister zu Winkelsteg ... Laß das gut sein , Schulmeister . Vor einiger Zeit habe ich mir aus vielen Papierbogen ein Schreibebuch zusammengeheftet und es zum Schutz mit Deckeln aus weißem Lindenholze versehen . In demselben führe ich nun ein heimliches Leben , von dem niemand was weiß1 . 1. August 1843 . Heute nacht ist dem Reiterbauer in den Karwässern ein Knäblein geboren worden . Sie haben es zur Taufe gebracht . Da der Pfarrer auf einige Tage verreist und das Kind schwächlich ist , so habe ich ihm die Nottaufe gegeben . Auf den Wunsch des Vaters bin ich gleich auch der Pate gewesen . Die drei lieben Herrgottsgroschen , meine Erbschaft von der Muhme , vormaleinst auch mein Patengeschenk , jetzund soll sie der kleine Peter haben . Im Sommer 1847 . Als ich in den Wald gekommen bin , habe ich die Menschen zerstreut , verkommen , ungezählt gefunden . Heute sehe ich ein neues Geschlecht . Um die Kirche steht ein Dorf . Um das Dorf stehen Apfel- und Birnbäume und tragen Früchte ; in allen Winkeln ist versucht worden , aus Wildlingen Edelbäume zu ziehen ; großenteils ist es gelungen . Zum Sonntag kommen schmucke Menschen aus allen Gräben . Die Männer tragen in ihrer Eigenart schwarze Knielederhosen und grüne Strümpfe ; die Weiber bauschige Samtspenser und wunderspaßhafte Drahthauben mit Vergoldung und Bänderwerk . Das ist keine Kleidung mehr , wie sie im Walde wächst . Sonst haben sie die Leinwand von ihren Flachsäckern , den Loden von ihren Schafen , das Schuhleder von ihren Rindern , die Felle und Pelze von ihrem Wildstande getragen ; heute streichen Hausierer in den Winkelwäldern um , schleppen wertvolle Rohstoffe fort und lassen Prunk und Flitter dafür da . Zum Probieren , » aus Spaß « haben die Leute anfangs die neuen unzweckmäßigen Dinge genommen , heute haben sie sich hineingelebt und der Spaß ist Ernst geworden . Die Jungen sind wohl weit vielseitiger , als die Alten , aber auch weit anspruchsvoller ; auch haben sie mir zu wenig Sinn und Ehrfurcht für das Alte , aus dem sie hervorgegangen sind . Nur den Tabak rauchen sie und den Branntwein trinken sie noch , wie es die Alten haben getan . Was kann der alte Schulmeister allein machen ? Ach , lebte mein Pfarrer noch ! Der kleine Reiter Peter , mein Patenkind , ist ein ganz netter Junge ; aber es ist ein Unglück mit ihm geschehen , er hat durch einen Fall aus dem Bette die Stimme verloren . Gerne wollte ich ihm die meine überlassen , für mich hat sie keinen Anwert mehr . Des alten Schulmeisters Stimme ist heiser geworden , da wird nicht mehr auf sie geachtet . Im Frühjahr 1848 . Ich weiß nicht , wie das für mich nun werden wird . Ob es nicht am besten wäre , ich nähme auf einige Wochen Urlaub und ginge davon . Draußen zieht das Kriegsvolk , in den Städten verrammeln sie die Gassen und die Straßen und reißen die Paläste