ängstlich , halb triumphierend , und ein anderer als der Junker von Lauen hätte schon aus der abwehrend-drohenden Bewegung ihrer Hand allein erkannt , wie Antonie Häußler hier in Wien ihren Willen bekam und wie der Edle Dietrich Häußler von Haußenbleib sich gegen denselben verhielt . So leicht jedoch merkte der Junker von Lauen nichts ; er sah nur mit erhöhtem Staunen die schnelle Röte auf den Wangen der jungen Dame kommen und gehen , er sah mit erneutem Schrecken die bleiche Farbe wiederkehren . Doch nun fing Tonie an zu fragen , und er hatte zu antworten und zu erzählen . Sie ließ ihm kaum Zeit zu seinen Antworten - auf halbem Wege ahnte sie schon , was er zu sagen hatte . Ach , er wußte gar nicht , wie viele wissenswerte Dinge er als Reisegeschenk mitbrachte , er staunte selbst darüber , wie interessant ihm selber mit einem Male die Alltagsneuigkeiten von Krodebeck und dem Lauenhofe in der Kaiserstadt Wien wurden . Und immer rief Tonie dazwischen : » Nimm dir Zeit , wir haben ja Zeit ! Ich will alles wissen , und ich will alles ganz genau wissen . Ich will dir helfen zu erzählen ; aber , sieh , du mußt dir auch rechte Mühe geben ; vielleicht freust du dich , wenn du ein alter Mann , ei - ein alter würdiger Herr bist , noch darüber , daß du mir heut und in diesen Tagen den Gefallen tatest . Vielleicht kannst du auch Tote auferwecken - probier es einmal . Es soll uns keiner stören , wir wollen ganz allein sein , den guten langen Tag durch - o ich bin so glücklich , Hennig . « Hennig von Lauen gab sich rechte Mühe . Er blieb den ganzen Tag an der Seite Tonies und kehrte sich nicht im geringsten an die Sitte der Welt . Er erzählte , er schwatzte ; dazwischen las sie mit flimmernden Augen die Briefe , welche er ihr gebracht hatte . Er hatte auch ihren Schlummer zu bewachen und wußte oft selbst nicht , ob er jetzt im Wachen oder im Traume sitze , und am Abend ging er betäubt nach Haus und saß die halbe Nacht durch , um das Versprechen zu lösen , welches er dem Ritter von Glaubigern und dem Fräulein von Saint-Trouin gegeben hatte , nämlich umgehend von Wien aus zu schreiben . Achtundzwanzigstes Kapitel Es war bereits Dämmerung , als er den National-Gasthof in der Taborstraße erreichte , und auf seinem Wege dahin hatte sein Dämon ihn wie einen Trunkenen vor Unglück und Verdrießlichkeiten aller Art zu hüten . Es war ein ziemliches Wunder , daß er sein Zimmer mit gesunden Gliedern erreichte ; wie es in seinem Innern aussah , werden wir uns aus seinem Briefe zusammenreimen müssen . Er war kein Held von der Feder , aber dessenungeachtet ist es unsere Pflicht , sein Schreiben nach Krodebeck diesem Buche vom Schüdderump beizulegen . Einen schönen Stil leidet unsere Aufgabe diesmal überhaupt nicht , und wir haben deshalb nicht einmal um Entschuldigung zu bitten . Der Junker von Lauen schrieb , wenn nicht gut , so doch recht ausführlich , folgendes : » Lieber Herr Leutnant ! Ich zeige an , daß ich in Wien und gesund bin . Aber mit dem Vesuv ist ' s fürs erste noch nichts , und auf die Kamelzucht bei Pisa habe ich mich vielleicht auch umsonst gefreut , und das wäre doch über alle feuerspeienden Berge in der ganzen Welt gegangen . In Leipzig war ich in Möckern , wo Sie Anno dreizehn auch waren ; aber da ist leider alles zugewachsen und zugebaut , Sie würden sich selber nicht mehr zurechtfinden . Ich stieg über mehrere Zäune , um die Stelle zu sehen , wo die Gardemarine zusammengehauen wurde ; aber dabei fing mich ein Feldwächter und ging mit mir nach Eutritzsch , wo mich mein Patriotismus zwei preußische Taler kostete . In Dresden ist ' s schön . Die Elbe ist dort so breit wie in Magdeburg am Herrenkrug , in dem Bildersaal bin ich auch gewesen , aber es waren mir fast zu viele Bilder drin , und so bin ich umgekehrt ; aber ich bringe einen Katalog mit . Das Grüne Gewölbe hat mir eigentlich besser gefallen ; weil jedoch fortwährend eine furchtbare Hitze war , so habe ich mich meistens auf dem Waldschlößchen , dem Feldschlößchen , dem Felsenkeller und an ähnlichen schönen Punkten aufgehalten . Nachher hätte ich in der Sächsischen Schweiz beinahe dreimal den Hals gebrochen , nämlich auf der Bastei , am Kuhstall und am Prebischtor . Am Prebischtor gab ' s böhmischen Wein ; aber vorher auf dem Großen Winterberge nichts als Nebel . Von Prag will ich weiter nichts sagen , es war zu schön ; ich habe auch Streit mit einem österreichischen Jägeroffizier bekommen , und die Herren waren außerordentlich freundlich und zuvorkommend , und ein liebenswürdiger ungarischer Husarenleutnant arrangierte alles aufs beste für mich ; doch zuletzt wurde die Sache in Güte beigelegt , und wir fuhren und ritten in bester Kameradschaft nach Bubentsch und kamen spät , aber recht vergnügt in der Nacht heim . Hätt ich den Weg von Prag nach Wien zu Pferde gemacht , so würde ich nicht den größten Teil verschlafen haben . Auf der Eisenbahn schlafe ich immer , und diesmal schlief ich fester denn je , woran die lieben Prager Herren wohl ein wenig mit schuld sein mochten . Aber in Brünn aß man zu Mittag , und von hier an blieb ich wach bis Wien , allwo wir mit untergehender Sonne vergnügt anlangten , nachdem wir Wagram passiert hatten , was mir sehr merkwürdig war und Ihnen gewiß gleichfalls recht kurios vorgekommen wäre . Ich kam mit zwei geistlichen Herren und einer jungen Dame heiter und vergnügt an und fuhr zum National-Gasthof in der Taborstraße , wohin jedermann in Krodebeck für die nächste Zeit seine Briefe richten mag , und erholte mich von