verlieh ihr , wie man denken kann , in seinen Augen einen neuen Reiz und stachelte seine Sehnsucht , sie so rasch wie möglich zu gewinnen , aufs höchste . Er teilte Helene jetzt alles mit , was er über die Begebenheit erfahren hatte , und schloß mit den Worten : » Du hast jetzt einen Grund mehr , das Mädchen zu lieben , und mich bestärkt ihre Handlungsweise in dem Glauben , daß sie die einzige ist , die in die Verhältnisse paßt . « Hiermit hatte er sein letztes Pulver verschossen . Er strich mit seiner weißen , schlanken Hand langsam das Haar von der Stirn zurück und beobachtete dabei hinter dem vorgehaltenen Arme gespannt die junge Dame , die den Kopf so in das Kissen gedrückt hatte , daß er nur ihr Profil sehen konnte . Aus ihren geschlossenen Lidern quollen Thränen ! Sie sprach kein Wort mehr , vielleicht rang sie zum letztenmal mit sich selbst . Warum sie aber nicht ein einziges Mal die Frage aufwarf , ob auch Elisabeth in der That Hollfeld ihre Neigung zuwenden werde ? Das wird sich vielleicht manche Leserin selbst beantworten können , sobald sie bedenkt , daß das liebende Herz gewöhnlich den Gegenstand seiner Leidenschaft für unwiderstehlich hält und es schwer begreift , wenn er nicht allen anderen Menschenkindern ebenso begehrenswert erscheint . Das Schweigen , das peinlich zu werden anfing , wurde durch das Eintreten der vom Spaziergange zurückkehrenden Baronin unterbrochen . Helene fuhr in die Höhe und trocknete rasch ihre Thränen . Mit sichtlicher Ungeduld ließ sie sich die Liebkosungen gefallen , mit denen sie von der augenscheinlich sehr echauffierten Dame förmlich überschüttet wurde , und antwortete sehr einsilbig auf die Fragen nach ihrem Befinden . » Puh ! « rief die Baronin sich schüttelnd und ließ die Mantille in den Händen ihres Sohnes , während sie schwerfällig in einen Fauteuil niedersank . » Mir ist warm geworden ... Ist das ein vertrackter Weg über den Berg ! ... Mich bringt keine Macht der Erde je wieder da hinauf ! « » Du warst auf dem Berge , Mama ? « frug Hollfeld ungläubig . » Nun ja - du weißt ja , der Arzt hat dergleichen Morgenspaziergänge immer für mich gewünscht . « » Ach , das war aber vor so und so viel Jahren , und seitdem behauptest du ja stets , dein Herzübel mache dir derartige Promenaden ganz unmöglich . « » Man muß alles in der Welt mehrmals probieren , « entgegnete die Mama ein wenig verlegen ; » und als ich heute nacht durchaus nicht schlafen konnte , beschloß ich , nochmals einen Versuch zu wagen - und dabei bleibt es nun auch ... Ich habe obendrein gleich wieder einen tüchtigen Aerger gehabt . Denke dir nur , Helene , da kommt mir draußen auf dem Kiesplatze Bella in Begleitung der neuen Gouvernante entgegen - kannst du wohl glauben , daß diese Person die Unverschämtheit hat , das Kind zu ihrer Linken gehen zu lassen ? ... Dazu sieht sie aus , daß man sie in die Schoten stellen möchte ... Ich war sehr außer mir und habe ihr sofort ihren Standpunkt klar gemacht ... Aber sage selbst , ob es nicht arg ist ; ich darf nur daran denken , mich einmal erholen zu wollen , da kann ich sicher sein , daß alles geschieht , um mich krank und elend zu machen ! « Sie wollte die Stirn schwermütig auf den Arm stützen , fühlte aber in diesem Augenblicke , daß die geschickt angebrachten falschen Zöpfe an den Schläfen unter dem Drucke des Hutes eine bedenkliche Richtung angenommen hatten . Sie erhob sich schnell und erbat sich noch auf ganz kurze Zeit Urlaub , um ihre derangierte Morgentoilette in Ordnung bringen zu lassen . » Apropos ! « sagte sie nachlässig und drehte sich im Weitergehen noch einmal um nach den Zurückbleibenden , während sie den Hut einstweilen fest auf die rebellischen Zöpfe drückte , » da hat uns der einfältige Reinhard gestern schön blau anlaufen lassen ... Ich begegnete zufälligerweise dem Forstschreiber Ferber droben bei den Ruinen ... ich gratulierte ihm - « » Ah , ich begreife jetzt deine Wanderung auf den Berg ! « unterbrach Hollfeld ironisch seine Mutter . » Und du hast den Mann angeredet , Mama ? « » Nun , jetzt kann man das ja ... Mich interessierten hauptsächlich die Juwelen . « » Wolltest du sie kaufen ? « fragte ihr Sohn spöttisch - er mochte an die stete Ebbe in ihrer Kasse denken . » Das weniger , « erwiderte sie mit einem Zornblicke . » Aber ich habe stets eine Leidenschaft für schöne Steine gehabt - und wäre dein Vater nicht so plötzlich gestorben , so hätte ich jetzt sehr schöne Brillanten , denn er hatte sie mir versprochen , du aber wärst um ein Kapital von circa sechstausend Thalern ärmer ... Aber um wieder auf die gefundenen Kostbarkeiten zu kommen : Ferber sagte mir , aus was sie bestanden , und erzählte mir auf mein Befragen ohne Umstände , daß sie ungefähr - achttausend Thaler wert seien - und das nennt der Mensch , der Reinhard , einen unermeßlichen Wert ... Einstweilen Gott befohlen - in wenigen Augenblicken bin ich wieder da ! « Aus Hollfelds Gesicht war das spöttische Lächeln verschwunden , mit dem er die Erzählung der Mutter angehört , und hatte einem unverkennbaren Ausdrucke der Enttäuschung Platz gemacht ; es war ihm plötzlich zu Mute , als ob ein kaltes Sturzbad sich über ihn ergossen habe . Kaum hatte sich die Thür hinter der Baronin geschlossen , als Helene aus ihrer bisherigen scheinbaren Apathie erwachte und Hollfeld beide Hände entgegenstreckte . » Emil , « sagte sie rasch , wenn auch mit etwas verschleierter Stimme und bebenden Lippen , » wenn es dir gelingt , Elisabeths Herz zu gewinnen , was ich nicht bezweifle , dann gehe ich auf deinen Plan ein ; aber es