diesen Verhältnissen nicht anders sein kann , hoffnungslos liebt , und das macht mir ihn werth , wie den Dolch mit der blanken Damascenerklinge und dem goldenen Griffe , den ich als Mädchen von zwölf Jahren einmal in der Rüstkammer in Grenwitz fand , wie einen herrlichen Schatz mit mir auf mein Zimmer nahm und von dem ich mich seitdem nicht wieder getrennt habe . Ich weiß es - Oswald und der Dolch - sie beide gehören mir , nur mir . Es ist so unendlich süß , etwas sein eigen zu nennen , von dem Niemand weiß , Niemand ahnt und das doch zu uns stehen wird , uns helfen wird in der letzten Gefahr , wenn alle Andern uns verlassen haben . Wenn ich Oswalds Blick auf mich gerichtet sehe , so ist mir zu Sinnen , wie wenn ich den Dolch halb aus seiner sammetnen Scheide zücke und in der Sonne funkeln lasse . Aber es liegt Gefahr in diesem Funkeln . Wie oft hab ' ich die Waffe dann ganz herausgezogen , die haarscharfe Spitze mir auf ' s Herz gesetzt und zu mir gesagt : ein Druck - und du athmest nicht mehr . Und es liegt Gefahr in der Nähe dieses Mannes ; ein Wort von ihm , und er hat aufgehört für mich zu leben , und wenn ich schwach genug wäre , es zu erwidern - - ich darf nicht daran denken ; nicht daran denken , wie nah ich schon an dem Abgrund gestanden habe ! Ich hatte mir vorgenommen nicht wieder zu Fräulein R. zu gehen und diesen Entschluß auch durchgeführt . Vorgestern gegen Abend , als ich allein im Garten war - die Andern waren , Fräulein Bär an der Spitze , auf ihrem gewöhnlichen Spaziergange - hörte ich das Brausen des nahen Meeres so deutlich , daß mich eine unwiderstehliche Sehnsucht befiel , mein Lieblingselement einmal wieder von Angesicht zu Angesicht zu sehen . Unser Garten stößt an eine Parkanlage , die sich unmittelbar bis an ' s Ufer erstreckt . Sie gehört der Stadt und ist , wie ich höre , im Sommer eine gesuchte Promenade . Im Herbst aber , noch dazu in dieser kühlen , feuchten Abendstunde , hatte ich in den breiten Alleen unter den hohen Bäumen nie Jemand bemerkt . So öffnete ich denn die nicht einmal verschlossene Pforte und trat hinaus . Es war dunkler im Park , als es im Garten gewesen war ; lauter rauschte der Abendwind durch die kahlen Aeste der mächtigen Buchen ; deutlicher hörte ich das Brausen der See . Unter meinen Füßen raschelte das Laub ; über mir krächzten ein paar Krähen , die auf den schwankenden Zweigen keine Ruhe finden mochten . Ich hüllte mich fester in meinen Shawl und schritt weiter . Das mit jedem Augenblick tiefer hereinsinkende Dunkel und der kühle feuchte Athem des Waldes und des Meeres übten den alten Zauber auf mich aus , den ich so oft als kleines Mädchen empfunden hatte . Ich verspürte nicht die mindeste Furcht ; die Seligkeit , einmal mit mir und meinen Gedanken allein zu sein , allein in einer Umgebung , die so ganz zu meinen Gedanken stimmte , ließ ein solches Gefühl gar nicht aufkommen . Ich eilte weiter und immer weiter , wie in einem Traum , bis ich an das Ende der großen Allee kam . Dort öffnet sich ein kleiner von hohen Bäumen fast überwölbter Platz , dessen eine Seite vom Meere selbst begrenzt wird , das bis unmittelbar an das mäßig hohe , aber steile Ufer brandet . Ein eisernes Geländer faßt den Rand ein . Bänke stehen hier und da für Spaziergänger , welche sich , von der Wanderung ermüdet , an der Kühle des Platzes und der Aussicht auf das Meer erquicken wollen . Ich lehnte mich auf das Geländer und blickte hinein in die dunkelnde und im Dunkeln leuchtende Wasserwüste und sah Welle auf Welle rastlos heranrollen und auf den glatten Kieseln des schmalen Vorstandes zerschäumen . Ihr Donnern , das jedes andere Geräusch übertäubte , war Wiegengesang für mein wildes Herz und lullte mich in wunderliche Träume von einem Glück , das tief und grenzenlos war , wie das tiefe , grenzenlose Meer , an dessen in Dunkel verzitterndem Horizont mein Blick hing ; und - hätte das Glück sonst einen Reiz für mich ! - ebenso voll schauerlicher Geheimnisse und unberechenbarer Gefahren . Da schlug in unmittelbarster Nähe eine Menschenstimme an mein Ohr . Ich fuhr aus meiner gebückten Stellung in die Höhe , und vor mir stand Herr St. Ich bitte um Verzeihung , sagte er , wenn ich Sie in Ihren Phantasien störe ; aber der Zufall , Sie zu dieser Stunde an diesem Platze zu treffen , ist zu seltsam , als daß ich darin nicht etwas mehr als einen bloßen Zufall erblicken sollte . Ich war über diese plötzliche Begegnung so erschrocken , und das Unpassende meines Schritts wurde mir mit einem Male so klar , daß ich kalt und scharf erwiderte : Wie meinen Sie das , mein Herr ? Ich will hoffen , daß es in der That ein Zufall ist , was mir in diesem Augenblick das Vergnügen Ihrer Gegenwart verschafft . Er trat einen Schritt zurück . Verzeihen Sie , mein gnädiges Fräulein , sagte er ; ich wußte nicht , daß meine Gegenwart Ihnen so lästig war . Er verbeugte sich und ging . Der Ton , in dem er gesprochen hatte , schnitt mir in ' s Herz . Als er ein paar Schritte fort war , konnte ich ' s nicht länger ertragen . Ich nannte seinen Namen . Im nächsten Augenblick war er wieder an meiner Seite . Herr St. , sagte ich , verzeihen Sie mir . Ich war erschrocken ; ich wußte nicht , was ich sagte . Nein , nein , sagte er , Sie hatten ganz recht . Es ist kein Zufall , der uns hier zusammenführt