scherzenden Ton , den Orest mit seinen Cousinen beibehielt : » Da erfährt man ja plötzlich , daß Du ein Herz hast . « » Und was für eins ! « rief er . » Schau ' , Krönchen , könnte ich die englischen Kronjuwelen auf Deiner schönen Stirn sehen , so würden sie mir außerordentlich gefallen : solch ein Herz hab ' ich ! « » Dies ist nur ein Beweis gegen Deinen Anspruch , « entgegnete Corona ; » das Herz sagt keine Fadaisen . « » Was weißt denn Du von der Sprache des Herzens ! « rief Orest mit komischem Erstaunen . » Erst sechszehn Jahr und schon darin bewandert ! « » Ja gerade deshalb ! « nahm Regina das Wort . » Sie betrachtet das Herz als den Ausdruck des unverfälschten Gefühls . Je jünger man ist , desto leichter kann man wohl dies Zutrauen haben . « » Königin und Krone , beide gegen mich , « sagte Orest mit Anspielung auf ihre Namen ; » dann muß ich freilich die Segel streichen ! aber dem Krönchen vergeß ' ich nicht den Zweifel an meinem Herzen . « - Es fiel Orest nicht im Traume ein , sich anders mit seinen Cousinen zu beschäftigen , als in dieser munteren Weise . Die Orests bringen ihre Huldigungen entweder den verheirateten Frauen dar , oder sie begeben sich in eine Sphäre hinab , wohin man ihnen nicht folgen mag . Seiner erklärten Liebhaberei für die Bühnenwelt getreu , hatte er sich auch nicht damit begnügt , dem Syrenengesang der Prima Donna der italienischen Oper von der Loge aus sein Entzücken kund zu geben , sondern sich mit einem halben Dutzend seiner guten Freunde durch ein anderes halbes Dutzend ihr vorstellen lassen . Einst begleitete er , wider seine Gewohnheit , den Grafen und dessen Damen in den Kristallpalast , um in einer für London frühen Stunde dessen Schätze mit einiger Muße betrachten zu können . Als sie sich nach langer Wanderung dem Platz der Spitzen näherten , welche für alle Damen eine gewisse magnetische Anziehungskraft hatten , standen zwei sehr elegante Damen bewundernd vor diesen köstlichen Geweben , und obgleich sie den Ankommenden den Rücken zugewendet hatten , erkannte Orest sie dennoch und ging auf sie zu . Regina würde dies nicht weiter beachtet haben , wenn ihr nicht die Stimme bekannt in ' s Ohr gefallen wäre , womit die eine Dame Orest ' s Verwunderungsausruf beantwortete : » Wir sind hier noch zu große Neulinge , um Geschmack zu finden an dem Gedränge , welches die obligate Freudenerhöhung des Londoner Vergnügens ist . « Indem sie das sagte , wendete sie sich und ging weiter . Orest blieb ihr zur Seite und Regina flüsterte dem Grafen zu : » Das ist die schöne Judith Miranes mit ihrer Mutter . « » Wie kommt denn die aus Brasilien her ? und wie kommt Orest zu ihr ? « sagte der Graf , der sie nicht bemerkt hatte . » Sie war es und schöner denn je , « setzte die Baronin Isabelle hinzu . » Orest soll uns Auskunft geben , « sagte der Graf . Aber Orest kam nicht wieder . Man war daran gewöhnt und kehrte ohne ihn zurück . Als er sich gegen Abend zu einem verabredeten Spazierritt einstellte , rief ihm der Graf entgegen : » Woher stammt denn Deine Bekanntschaft mit der schönen Dame im Kristallpalast ? « » Wo denn anders her , als von der italienischen Oper , wo Du sie fast täglich sehen könntest , « sagte Orest . » Da bewundere ich ihre Nerven beinahe noch mehr als ihre Schönheit ! « rief der Graf . » Tag für Tag gegen Mitternacht italienische Oper - das prästiere ich nicht ! « » Du bist auch keine Primadonna mit einem horrenden Gehalt für die Dauer der Season . « » Ist sie die Primadonna der italienischen Oper ? « rief Regina . » Sie - Judith Miranes ! « » Ob sie Judith Miranes heißt , weiß ich nicht , « erwiderte Orest ; » aber hier ist sie schwarz auf weiß zu lesen . « Er suchte das Tagesblatt , in welchem die verschiedenen Schauspiele angezeigt waren , und las : » Also heute Othello , der Mohr von Venedig . Da ist sie ! Desdemona - gesperrt gedruckt : Signora Giuditta . Eine göttlichere Desdemona gab es wohl nie . Die und die Norma sind ihre Hauptrollen . Nun , Regina , warum siehst denn Du so betrübt aus ? war sie etwa Deine Pensionatsfreundin im Sacré Coeur ? « Regina schwieg mit beklommenem Herzen , und der Graf erzählte , was er von Judith und ihren Eltern wußte . » Menschenschicksal ! « versetzte Orest äußerst gleichgiltig . » Jetzt gehe ich aber gewiß in die italienische Oper ! « rief der Graf . » Wollt Ihr nicht alle mitgehen ? « » Ich gewiß nicht , « sagte Regina traurig . » Ach geht doch alle mit , « bat Orest , » Ihr werdet entzückt sein . « » Ist denn diese Oper so besonders schön ? « fragte Corona mit leiser Neugier . » Versteht sich ! das Libretto ist nach der Tragödie von Shakespeare bearbeitet . « » Ach erzähle doch etwas , lieber Orest , bitte ! « » Die Sache ist in Kürze so : Die Republik Venedig hat einen heroischen Feldherrn , der Othello heißt und ein Mohr ist . Die Dogentochter Desdemona faßt eine so heftige Leidenschaft für ihn , daß sie über den Fluch ihres Vaters , der keinen schwarzen Schwiegersohn haben will , sich hinwegsetzt und Othello heiratet . Der Mohr liebt nun seine schöne Desdemona auf gut afrikanisch , d.h. mit einer tüchtigen Dosis Eifersucht gemischt ; und als er den falschen Verdacht auf sie wirft , daß sie einen andern liebe , läßt er sich vom Satan blenden und ermordet die