Wehmuth erwiederte . Es war , als sagten sich diese Beiden : Ein Glück , das uns selbst versagt ist , haben wir Andern bereitet . Max hatte es doch einst besessen an der Seite Maria ' s von Burgund - aber Elisabeth sah es sich seit aller Zeit und für alle Zeit versagt . Gleich darauf brachen die Fürsten auf , auch Elisabeth mochte nicht länger bleiben , indeß das Fest selbst bis zum Morgen währte . Achtes Capitel Eine Hochzeit Nur wenig Wochen währte der in Eile berufene Reichstag . Der Kaiser hatte schon vorher das bei Gelegenheit des Flandrischen Feldzugs so gut erprobte Aufgebot an die Reichsstände ergehen lassen , bei Verlust ihrer Lehen dem römischen Könige zu Hülfe zu ziehen . Aber die Berechnung , solche Aufgebote zur Gewohnheit zu machen , täuschte . Die Kurfürsten und Fürsten bewilligten zwar eine Halbjährige Hülfe von 8600 Mann , protestirten aber gegen die kaiserlichen mit Gebot und Zwang ausgerüsteten Mandate , erklärten diese Hülfe aus freiem Willen , nicht Kraft dieser Mandate zu leisten , und behielten sich das Recht vor , nach Gutdünken Geld zu zahlen oder Mannschaft zu stellen . Desgleichen erklärten sie sich gegen diese eilig berufenen Reichstage und bemerkten , daß sie unfruchtbar ausfallen müßten , wenn nicht alle Stände des Reichs dazu aufgefordert würden . Daher wurden außer dem obigen alle andere Gegenstände der Verhandlung bis auf einen nächsten größern Reichstag vertagt , der auch zu besserer Jahreszeit gehalten werden sollte . Stephan und Ursula mußten also mit der Hochzeit eilen , was auch Beiden ganz recht war , da der König selbst ihr beiwohnen wollte . In Muffel ' s Hause fehlte nun die mütterliche Frauenhand , die Vorbereitungen zu einem solchen Fest zu leiten , und es fehlte auch der Raum dazu , da der Würtemberger Fürst das Haus mit seinem Gefolge füllte . Darum bot Elisabeth Scheurl das ihrige dazu an und übernahm es die Hochzeit darin auszurichten . War es doch fast allein ihr Werk , daß Ursula das Ziel ihrer Wünsche erreichte . Wohl war Stephen Tucher von leidenschaftlicher Liebe für Ursula entflammt gewesen , und in der Trennung von ihr , im neuen Element des selbstgewählten Kriegerlebens hatte sich diese Flamme eine Zeitlang an süßen Erinnerungen und verlockenden Zukunftsträumen wie durch die Briefe der Geliebten genährt . Allein Stephan war eine vorwaltend sinnliche Natur und sein feuriges Temperament , durch keine sittlichen Grundsätze oder wenigstens nicht durch eine vorwaltende Stärke derselben genugsam gezügelt , war nicht dazu geeignet , die Treue seiner Liebe in den Prüfungen der Trennung auf die Dauer zu bewähren . Ein Brief von ihm an Ursula , in dem er ihr geschrieben , daß sie ihren nächsten Brief nach Wien adressiren möge , war verloren gegangen ; von einem Nürnberger Freund seines Vaters erhielt er die Nachricht , daß Ursula , um ihrem Vater zu gehorchen , ihm entsagen und in ein Kloster gehen wolle : da sie ihm nicht antwortete , erschien ihm dieser Umstand glaubwürdig - ja er glaubte ihm gern , weil eben eine verlockende Wienerin , in allen Stücken das Gegentheil seiner frommen und keuschen Ursula , ihn reizte . Der verführerischen Leidenschaftlichkeit einer üppigen Frau gegenüber erschien ihm Ursula ' s sittsame Jungfräulichkeit als Kälte und unnatürliche Tugendschwärmerei . Um seine wankende Treue zu rechtfertigen , sagte er sich , daß Ursula keiner wahren Liebe fähig sei , sonst habe sie ihm nicht widerstanden , da er sie entführen wollte , ihn nicht selbst fortgetrieben - jetzt führte sie dieselbe Ueberspannung in ein Kloster ; er habe längst vorausgesehen , daß es mit ihr so kommen werde - wer hieß ihn auch eine solche Heilige zu lieben ? Da war seine Wienerin ein ganz anderes lustiges Weltkind ! In ihren Armen vergaß er die stille Ursula und konnte bald darauf jenen Brief an seinen Bruder Anton schreiben , durch den er seiner Familie so viel Freude und seiner Ursula so viel Kummer bereitete - das letztere ebenso wenig ohne Absicht , als das erste ; denn er dachte , wenn sie als künftige Nonne höre , wie leicht er sich über sie getröstet , werde dies eine verdiente Strafe für ihre übertriebene eiskalte Strenge sein . Denn mit dem ganzen Egoismus des gewöhnlichen Mannes fand er nun sein Betragen nicht nur ganz gerechtfertigt , sondern bemühte sich auch noch Ursula verdächtigen und verdammen und alle Schuld von sich auf sie wälzen zu können . Sie wandelte auf einem Irrpfad , und er ging allein den richtigen Weg durch ' s Leben . Da kam ihm plötzlich die Kunde von dem Reichstag , der nach Nürnberg ausgeschrieben , und daß er mit Andern den König begleiten könne ; er freute sich seiner Vaterstadt sich im Glanz der Ritterschaft zu zeigen und von seinen Heldenthaten erzählen zu können , denn er hatte sich in der That in mehr als einem Gefecht und Sturm durch persönliche Tapferkeit ausgezeichnet . Da er Abschied von seiner schönen Wienerin nehmen wollte , fand er sie in den Armen eines Andern - und jetzt erst erkannte er ganz den Werth einer leidenschaftlichen Frau , die , weil sie dem Einen nicht widersteht , sich Jedem leicht ergiebt - indeß Stephan nur seiner Persönlichkeit und einem wahren Liebesfeuer diese Macht über sie zugetraut . Er schied mit Bitterkeit und Zorn im Herzen , die beide um so größer waren , da er eigentlich auf Niemanden weiter hätte zürnen sollen als auf sich selbst , und doch seinem Gewissen nicht vergönnen wollte , ihm dies mit deutlicher Stimme zu sagen . So kam er nach Nürnberg . Ob er daselbst verbleiben oder dem König Max zu neuen kriegerischen Unternehmungen folgen wollte , war er noch unentschieden . Halb sehnte er sich nach der friedlichen Ruhe daselbst , nach dem weichlicheren Leben und dessen verfeinerten Genüssen , die er in der Vaterstadt zu finden gewohnt war ; aber halb verknüpfte sich ihm auch mit diesem Wohnen bei seiner