Inhaberinnen viel beneidet . Ueber den Trunkenen und den Kindern wacht ein Engel , daß sie zu keinem Schaden kommen ! - so lautet das Sprüchwort und der Glauben des Volkes . Und in Wahrheit wachen die Engel des Herrn über der Kinderwelt mit besonderem Schutz , wie wäre es sonst möglich , daß auch nur der zehnte Theil jener Kleinen , die der sorgfältigsten elterlichen Aufmerksamkeit genießen , groß wüchse , wie viel mehr jener Armen , die von ihrer Geburt aus dem Zufall , ja der Feindseligkeit Preis gegeben sind . Die Kinder sind die Lieblinge Gottes ! Doch die natürlichen Gesetze , nach denen Zeit und Leben geregelt sind , haben ihren unveränderten Lauf . So ist denn die Zahl der Kinder auch , die aus Mangel an Pflege und Liebe in ihrer zartesten Jugend zu Grunde gehen , nach den statistischen Uebersichten der Todesfälle sehr bedeutend , wenn freilich auch die wahre Ursache nur selten zu Tage kommt . Die Behörde thut das Mögliche , strenge Instructionen schreiben den Haltefrauen vor , wie die armen Kleinen abzuwarten sind , welche und wie viel Nahrung sie zu erhalten haben . Die Aufsicht der Behörde selbst kann freilich nur eine geringe sein und hier kommt das segensreiche Wirken mildthätiger Vereine zu Hilfe , die sich aus menschenfreundlichen Frauen zu dem Zweck der Beaufsichtigung der Halte- und Pflegekinder gebildet haben . Mit dem besten Willen , mit der größten Aufopferung jedoch können auch diese den Zweck nicht genügend erfüllen . Auch wenn die eigenen häuslichen Pflichten die fortwährende Controlle erlauben , liegt in dieser selbst schon die Veranlassung , dagegen zu kämpfen . Wer die menschliche Natur kennt , wird wissen , daß der Niedere jede Aufsicht , die der Höhere über ihn übt , als ein Mißtrauen , als einen Eingriff in seine natürlichen Rechte , als eine Feindseligkeit betrachtet , geeignet , ihn zu verderben . Er wird sie erschweren , sich ihr entziehen auf jede mögliche Weise und geht dies nicht , sie täuschen . Wir brauchen die Nutzanwendung nicht zu machen . Trotz aller Vorsicht der Obrigkeit , trotz aller privaten Wohlthätigkeit und Menschenliebe , sind bei den gegenwärtigen Einrichtungen in Betreff der Aufziehung verlassener und hilfsbedürftiger Säuglinge und Kinder Scheußlichkeiten in Menge vorgekommen und kommen noch vor , die das Blut im Herzen erstarren machen ! Es ist bekannt in ganz Berlin , daß es unter den Frauen , die aus der Aufnahme dieser Kinder ein Gewerbe machen , viele gab , die den Namen » Engelmacherin « allgemein führten , weil - die Kinder , die ihnen übergeben wurden , nach kurzer Zeit zu Engeln wurden , das heißt starben . Man konnte mit positiver Gewißheit darauf rechnen , daß binnen kurzer Zeit die Kleinen todt waren . Diese Weiber hatten förmlichen Ruf da , wo man sich eines unglücklichen Kindes entledigen wollte . Sollen wir zur Schmach der menschlichen Gesellschaft glauben , daß es wirklich Eltern gab , welche auf diesen Ruf speculirten ? - - - Wir wollen einen Schleier darüber ziehen , und dennoch klingen uns Reden in den Ohren , die - - Wahr aber ist , daß solche Weiber jahrelang ungestört ihr schändliches Handwerk betrieben , daß sie sich - mit dem offenkundigen Ruf - jedem offiziellen Verdachte , jeder Untersuchung und Bestrafung zu entziehen wußten . Wer bringt Dergleichen zur Anzeige , wer beschwert sich über den Hungertod eines armen namenlosen Kindes ? - Die Eltern , denen es eine Last , die es zu der Engelmacherin brachten ? Aerzte und Sachverständige haben uns schaurige Fälle in die ser Beziehung mitgetheilt . - Eine einzige dieser grauen machte in nicht vollen neun Monaten » sieben Engel . « In neuester Zeit ist die Sache vielfach von den Aerzten wieder angeregt worden , ihr Einschreiten , ihre Denunciationen haben die Theilnahme auf ' s Neue darauf hingewandt und gezeigt , daß eben noch immer Entsetzliches auf diesem Gebiete zu beklagen ist . Ein Criminalprozeß , der ganz kürzlich gegen eine dieser Haltefrauen verhandelt worden , hat einen tiefen schrecklichen Einblick in die Rohheit solcher Charactere , in das furchtbare Elend und die entsetzlichen Qualen gewährt , denen mitunter die armen hilflosen Wesen ausgesetzt sind . Das Obductionsprotokoll über den Befund einer solchen ausgegrabenen Kinderleiche war wahrhaft haarsträubend . Zu den äußeren Mißhandlungen , die den zum Scelett abgemagerten Körper in ihren Spuren bedeckten , war der förmliche Hungertod , der Tod wegen Entziehung der nöthigen Nahrung und ungenügender Beschaffenheit derselben constatirt . Welche Leiden muß das arme kleine hilflose Wesen ausgestanden haben ? Wie viele mögen ihm vorangegangen sein ? Die Kindesmörderin , welche die unglückliche That im Wahnsinn der Erregung , der Angst , im unzurechnungsfähigen Augenblick vollbracht , muß sie büßen mit langjähriger schwerer Zuchthausstrafe . Für den überlegten langsamen Mord der Engelmacherinnen hat das Gesetz nur verhältnismäßig eine sehr geringe Strafe . Wir schreiben diese Betrachtung in einer Zeit , wo die Theurung überhand genommen , wo die Preise fast aller Lebensmittel sich verdoppelt haben . Die Pflegegelder sind dieselben niedern geblieben - muß da nicht selbst bei redlichem Willen die eigene Noth den Pfleglingen das Nöthigste beschneiden ? Wie viel mehr wird es von den Herzlosen geschehen , die kein Gewissen haben für die , deren einzige Klage nur das dumpfe Wimmern des Elends , des Hungers ist ! Wäre es nicht möglich , diese armen , von ihrer Geburt verstoßenen hilflosen Geschöpfe zu schützen , ihre Mütter in eine Lage zu bringen , in der sie den begangenen Fehltritt leichter verbergen , in der sie die Existenz ihres Kindes sichern können ? Die Säuglingskrippen thun unendlich viel Gutes und sind schützende Engel für viele Kinder . Aber sie schlitzen eben nur das eheliche Kind des Armen vor den Gefahren , denen es die Verhältnisse der Familie aussetzen . Wir meinen das : Findelhaus ! Warum scheut man sich in Berlin so vor diesem Wort und vor dieser offenbar menschenfreundlichen Einrichtung ? Wir haben