Rücken der ganzen Schar und alle übersehend , saß der Meister , Herr Kunstmaler und Kunsthändler Habersaat , Besitzer einer Kupfer- und Steindruckerei und sich allen entsprechenden Aufträgen empfehlend , an seinem Tische mit den feinsten und schwierigsten Aufgaben , meistens jedoch mit seinem Buche , Briefschreiben und dem Verpacken der fertigen Sachen beschäftigt . Es herrschte ein streng ausgeschiedener Geist in den Ansprüchen und Hoffnungen des Refektoriums . Der Kupferstecher und der Lithograph waren fertige Leute , die selbständig in die Welt schauten , bei Meister Habersaat um einen Gulden täglich ihre acht Stunden arbeiteten und sich weiter weder um ihn was bekümmerten noch große Hoffnungen nährten . Mit den jungen Koloristen hingegen verhielt es sich anders . Diese lustigen Geister gingen mit wirklichen , leichten und durchsichtigen Farben um , sie handhabten den Pinsel in Blau , Rot und Gelb , und das um so fröhlicher , als sie sich um Zeichnung und Anordnung nichts zu bekümmern hatten und mit ihrem buntflüssigen Elemente vornehm über die düstern Schwarzkünste des Kupferstechers wegeilen durften . Sie waren die eigentlichen Maler in der Versammlung , ihnen stand noch das Leben offen , und jeder hoffte , wenn er nur erst aus diesem Fegefeuer des Meisters Habersaat entronnen , noch ein großer Künstler zu werden . In dieser Cruppe erbte sich durch alle Generationen , welche schon im Dienste des Meisters durch das Refektorium geschwunden , die große Künstlertradition von Samtrock und Barett fort ; aber nur selten erreichte einer dies Ziel , indem immer der Flug vorher ermüdete und die Mehrzahl der Getäuschten nach ihrem Austritte noch ein gutes Handwerk erlernte . Es waren immer Söhne blutarmer Leute , welche , in der Wahl eines Unterkommens verlegen , von dem rührigen Manne in sein Refektorium gelockt wurden unter der Aussicht , eine Art Maler und Herren zu werden , die ihr Auskommen finden und immer noch etwas über dem Schneider und Schuster stehen würden . Da sie gewöhnlich keine Gelder beibringen konnten , so mußten sie sich verbindlich machen , den Unterricht in der » Malerkunst « abzuverdienen und vier Jahre für den Meister zu arbeiten . Er richtete sie dann vom ersten Tage an zum Färben seiner Landschaften ab und brachte sie , ungeachtet ihrer gänzlichen Unberufenheit , durch Strenge so weit , daß sie ihre Arbeit bald reinlich und klar und nach den überlieferten Gebräuchen verrichteten . Nebenbei durften sie , wenn sie wollten , an Feiertagen ein verkommenes oder zweckloses Blatt nachzeichnen zur weiteren Ausbildung , und sie wählten meistens solche Gegenstände , welche nichts zu lernen darboten , aber für den Augenblick am meisten Effekt machten und die ihnen der Meister korrigierte , wenn er nicht allzu beschäftigt war . Er sah es aber nicht einmal gern , wenn sie diesen Privatfleiß zu weit trieben ; denn er hatte schon einigemal erfahren , daß solche , welche Geschmack daran fanden und eine künstlerische Ader in sich entdeckten , beim Kolorieren seiner Prospekte unreinlich und verwirrt geworden . Sie mußten streng und anhaltend arbeiten und steckten um so mehr voll Possen und Schwänke , die sich in jedem freien Augenblicke Luft machten , und erst gegen das vierte Jahr hin , wenn die schönste Zeit zur Erlernung von etwas Besserm verflossen war , wurden sie gebeugt und gedrückt , von den Eltern mit Vorwürfen geplagt , daß sie immer noch von ihrem Brote äßen , und dachten ernstlich darauf , während sie noch pinselten , bei guter Zeit noch etwas Einträglicheres zu ergreifen , und auch solche , die wirklich aus einem innern Antriebe gekommen waren und außergewöhnliches Geschick bezeigten , fielen ohne weiteres ab , da sie in ihrer ganzen Erfahrung zufällig nie gehört , daß man nur durch Entbehren , Dulden und Ausharren ans Ziel gelange , und dagegen einzig wußten , daß man so bald als möglich Geld verdienen müsse . Die Jugendjahre von wohl dreißigen solcher Knaben und Jünglinge hatte Habersaat schon in blauen Sonntagshimmeln und grasgrünen Bäumen auf sein Papier gehaucht , und der hüstelnde Kupferstecher war sein infernalischer Helfershelfer , indem er mit seinem Scheidewasser die schwarze Unterlage dazu ätzte , wobei die melancholischen Drucker , an das knarrende Rad gefesselt , füglich eine Art gedrückter Unterteufel vorstellten , nimmermüde Dämonen , die unter der Walze ihrer Pressen die zu bemalenden Blätter unerschöpflich , endlos hervorzogen . So begriff er vollständig das Wesen heutiger Industrie , deren Erzeugnisse um so wertvoller und begehrenswerter zu sein scheinen für die Käufer , je mehr schlau entwendetes Kinderleben darin aufgegangen ist . Es saßen im Refektorium zehnjährige Äffchen in Höschen und Jäckchen , die ihnen zu kurz waren , und ließen ihre Finger ruhlos tanzen , in strengster Reinlichkeit die leichteren Anlagen bereitend ; die Unglücklichen waren in dies Paradies geraten , weil sie zu Hause allzu emsig die Titelblätter und Vignetten ihrer Testamente illuminiert und so ihre Eltern irre und die Aufmerksamkeit des Herrn Habersaat auf sich geleitet hatten . Er machte auch ganz ordentliche Geschäfte und galt daher für einen Mann , bei dem sich was lernen ließe , wenn man nur wolle . Von irgendeiner Seite her war meiner Mutter angeraten worden , sich mit ihm zu besprechen und sein Geschäft einmal anzusehen , da es wenigstens für den Anfang eine Zuflucht zu weiterm Vorschreiten böte , zumal wenn man mit ihm übereinkäme , daß er mich nicht zu seinem Nutzen verwende , sondern gegen genügende Entschädigung nach seinem besten Wissen unterrichte . Er zeigte sich gern bereit und erfreut , einen jungen Menschen einmal als eigentlichen Künstler heranzubilden , und belobte meine Mutter höchlich für ihren kundgegebenen Entschluß , die nötigen Summen hieran wenden zu wollen ; denn jetzt schien ihr der Zeitpunkt gekommen zu sein , wo die Frucht ihrer unablässigen Sparsamkeit geopfert und auf den Altar meiner Bestimmung mit voller Hand gelegt werden müsse . Es ward also ein Kontrakt geschlossen auf zwei Jahre , welche ich gegen regelmäßige Quartalzahlungen des Honorars im Refektorium zubringen sollte unter den zweckdienlichsten