Der Peter Melchior , und wie der ist , das wissen wir Alle . Der Dechant ! Hast Du nicht auch gehört , wenn Deine Mutter sagt , der Teufel steckt in ihm ? Der hat nun kein Weib , wer soll für den beten , daß er selig wird . Und alt genug ist er . « Das machte Agnes genug Kopfbrechen . Daß der Dechant nicht so sei , wie er sein sollte , konnte sie nicht leugnen . Sie meinte der liebe Gott werde vielleicht ein Nachsehens mit ihm haben , weil er für Andere soviel Gutes und Erbauliches spräche , wenn er selbst dafür nichts Gutes und Erbauliches thäte . Hans Jürgen schüttelte den Kopf : » Wer anders spricht als er thut , das gerade ist schlecht , Agnes , das laß ich mir nicht nehmen und wenn ' s der Bischof , ja , wenn ' s der Papst selber wäre ! « Sie meinte nun , weil er ein Domherr wäre , so beteten und dächten die anderen Domherrn für ihn , und da übertrüge es wohl auch einer auf den Andern . Hans Jürgen aber meinte , es wären ihrer doch gar zu viele , die es nicht verdienten , und wenn zwei Geistliche immer zu sorgen hätten , daß sie das gut machten , was der dritte schlecht gemacht , wo bliebe ihnen da Zeit für sich und die übrigen Menschen zu beten ? Agnes senkte ihr Köpfchen ; sie konnte auch das nicht ableugnen . In welchem Hause , auf dem Lande und in den Städten , ward nicht damals gegen die Geistlichkeit geschimpft , und den Kindern selbst konnte man ' s nicht verschweigen , was sie für schlechte Streiche machten . » Hans , Du mußt Heirathen , das ist das Beste . « » Ich , Agnes , ich heirathe nicht . « » Ja , ja , Du mußt ' ne gute Frau haben , die für Dich denkt , wie Mutter für den Vater . « » Nein , nun nicht , das ist nun vorbei , Agnes . « » Ich sage ja nicht jetzt ; wenn Du so alt bist , Hans Jürgen . Geistlich wirst Du nicht werden . Hans Jochem geht in ' s Kloster , und Eva ist Dir gut ; ich weiß es . « » Sprich doch nicht so dummes Zeug , Agnes . Ich hab ' s auch mal so gedacht , das ist nun aber nichts . Ja , wie der Herr von Lindenberg mich nach Berlin mitnehmen wollte , und dem Kurfürsten vorstellen , da konnte was aus mir werden , da hatte ich so meine Gedanken . Nun hat ' s der liebe Gott anders gemacht . « » Hat er ' s nicht gut gemacht , Hans Jürgen ? Du hast nun ein rein Gewissen ; Und hörtest Du nicht , was sie munkelten , daß der Herr von Lindenberg in Berlin in Ungelegenheiten gekommen wäre . Die Schulzenfrau wußte nur nicht recht was . Ist ' s nicht der Herr von Lindenberg , so ist ' s ein Anderer . Der Herr von Rochow auf Plessow ist gar nicht übel . Wenn wir ihn recht bitten , nimmt er Dich auch mit und stellt Dich vor . Du mußt nur was auf Dich geben , und den Kopf nicht immer so in den Schultern tragen , und dann auch nicht so die Zähne ziehen , wenn Du Einen schief ansiehst , den Du nicht magst . Ja ein bischen freundlicher könntest Du schon werden . Du bist doch manchmal ein Bär . Vielleicht bringen sie Dich bei der kurfürstlichen Jagd an , da brauchst Du nicht zu denken . « » Beim Kurfürsten ! Lieber will ich Ziegel streichen . Bin ein freier Mann , eines Edelmanns Sohn . O pfui ! Der Deinen Vater hat lassen in ' s Gefängniß schmeißen , dem ich dienen ! Und wär ' s auch nicht Eva ' s Vater , er ist - « » Hans Jürgen , er kommt schon wieder frei . Vater hat gewiß nichts verbrochen . « » Was thut ' s ! Der Kurfürst hat ihn in ' s Gefängnis schmeißen lassen , ja , das hat er . Das vergeß ich nimmer . Ist mein Feind . Und seine Reiter , die ! Wär ' s nach mir gangen , der Wenzel , der Konrad , o sie Alle , und die aus dem Dorf , wir hätten ihnen wollen Mores lehren , so wahr ich Hans Jürgen bin ! « » Gott sei uns gnädig , das hätte Blut gesetzt ! « » Wozu hat man denn Blut im Leibe ? Blut soll ' s auch noch setzen . Wenn die Herren im Lande es ruhig hinnehmen , wenn die Sippschaft im Havellande nicht aufsteht , ich stehe auf . Ich schnüre mein Bündel ich ziehe fort , wo ' s Krieg giebt , zu den Pommern oder zu den Polen , mir gleich . Reiter werden sie überall brauchen ; wenn es nur gegen den Kurfürsten losgeht ! « Daß Hans Jürgen , wenn er sich zum Kriege werben lasse gegen den Kurfürsten , auch gegen sein eigen Land kriegen müsse , fiel Agnes als nichts Unrechtes auf . Daß er Einem absage , dem er Feind war , däuchte ihr ganz in der Ordnung , daß er so ihres Vaters und der Ehre seiner und ihrer Familie sich annehme , sogar lobenswerth . Aber Alles miteinandergenommen , schien es ihr doch nicht recht , wenn sie sich auch nicht Rechenschaft geben konnte , warum , und sie bat ihn , daß er sich gedulden möge . Das wollte ihm nicht recht in den Sinn , und sie wußte nicht recht , wie sie es ihm zu Sinne bringen sollte . So blieben sie beide eine Weile schweigend neben einander , bis sie sich plötzlich erinnerte