, war ihr seine Liebe nicht willkommen . Sie konnte den rechten Ton für die Unterhaltung nicht finden , wurde zerstreut , dann verdrießlich , daß sie sich so wenig zu beherrschen wisse , und entfernte sich unter dem Vorwande , Frau von Meining ihren Besuch zugesagt zu haben . Walter , dem Jenny ' s befangenes Wesen , ihre Zurückhaltung nicht entgangen war , glaubte sie durch sein leidenschaftliches Betragen verletzt und benutzte ihre Abwesenheit dazu , ihrem Vater seine Bitte um Jenny ' s Hand auszusprechen , um sich dann auch gegen sie zu erklären und in seiner Liebe eine Entschuldigung für den Ungestüm zu finden , mit dem er sie gestern erschreckt hatte . So oft der Vater auch in gleicher Lage gewesen war , so sehr überraschte ihn Walters Antrag . Er fragte , ob der Graf die Liebe seiner Tochter besitze ? Ich glaube mit Zuversicht , daß mir ihre Freundschaft und Achtung gewiß ist , ich hoffe , ihre Liebe zu erwerben , antwortete Walter . Und ist Ihre Familie von dem Schritte unterrichtet , den Sie thun wollen , lieber Walter ? Nein , aber Sie wissen , daß ich unabhängig und Herr meiner Handlungen bin . Indem Sie mir diese Erklärung geben , sagte Herr Meier , gestehen Sie mir zu , daß Sie die Meinung der Ihrigen gegen sich haben würden . Das fürchte ich selbst , und ich wünschte , ich könnte Ihre Werbung ungeschehen machen . Ich weiß nicht , ob Jenny Sie liebt , noch wenigstens ist sie , wie ich hoffe , frei genug , eine Trennung von Ihnen zu ertragen ; darum folgen Sie meinem Rathe , Herr Graf , benutzen Sie William ' s Abreise , uns gleichfalls zu verlassen , und geben Sie einen Wunsch auf , dessen Erfüllung Ihnen und uns leicht Kummer machen könnte . So verweigern Sie mir Jenny ' s Hand ? fragte Walter erbleichend und setzte mit einem Ton , dem man den gekränkten Stolz anhörte , hinzu : Darauf war ich nicht vorbereitet . Ruhig nahm der Vater des Grafen Hand und zog ihn zu dem Sitze nieder , von dem er aufgestanden war . Verstehen Sie mich nicht falsch , sagte er . Ich glaube Ihnen durch mein Betragen gegen Sie , gezeigt zu haben , daß ich Sie achte , Sie für einen edlen Menschen halte . Sie selbst wissen , daß Ihre Stellung in der Welt den Ansprüchen des ehrgeizigsten Vaters genügen müßte . Aber die gräflich Walter ' sche Familie könnte vielleicht die Tochter eines Juden nicht der Ehre würdig erachten , welche Sie ihr mit Ihrer Wahl erzeigen . Davor möchte ich mein Kind bewahren und Sie vor der schweren Pflicht , Ihre Frau gegen die Vorurtheile Ihrer Familie und Ihrer Standesgenossen zu schützen . Und glauben Sie , daß mir dazu der Wille oder die Kraft fehlt ? fragte Walter . Glauben Sie , daß Jenny ' s persönlicher Werth nicht die Einwendungen besiegen würde , die mein Onkel gegen diese Verbindung machen könnte ? Er ist der Einzige , dessen Meinung mir Etwas bedeutet , dessen Ansichten ich schonen möchte , und er wird den Schritt billigen , wenn er Jenny kennt und meine Liebe für sie . Ich war glücklich , seit ich denken kann , ich habe Alles , was das Leben schön macht , nur eine Gattin fehlt mir , mein Glück zu theilen . Da führt ein günstiges Geschick mir Jenny zu . Ich liebe sie , ich möchte Ihrer Hand mein höchstes Gut verdanken , und Sie verweigern es mir , weil Sie mich von Vorurtheilen nicht frei glauben , die man in unsrer Zeit kaum noch der Unbildung verzeiht . Wollte Gott , es wäre so ! sagte der Vater ernst , dann sollte mir kein Gatte willkommener für Jenny sein , als Sie ; Keinem würde ich meine Tochter mit größerer Zuversicht vertrauen als Ihnen . Diese Erklärung muß Ihnen für meine volle Achtung bürgen . Bei den Worten reichte er dem Grafen seine Hand , der sie herzlich drückte . Was aber nun Ihren Antrag und Ihr Verhältniß zu Jenny betrifft , darin folgen Sie mir . Es gilt das Giück meiner Tochter und das Ihre . Trauen Sie mir , der ich die Welt und die Menschen länger kenne , als Sie . Ich betrachte Sie für frei von jeder Verpflichtung gegen uns . Uebereilen Sie nichts . Lassen Sie sich Zeit , die Ansicht Ihres Onkels zu hören , prüfen Sie selbst die Meinung des Kreises , dem Sie angehören , und wenn Sie dann Ihren Wunsch noch hegen , wenn Jenny damit einverstanden ist , will ich von Herzen einen Bund segnen , der in Bezug auf Sie schon jetzt meine vollkommenste Zustimmung hat . Sind Sie damit zufrieden ? fragte er . Muß ich nicht ? antwortete der Graf , der sich nur ungern in den Gedanken fand , sein Ziel so weit hinausgeschoben zu sehen , obgleich er fühlte , daß der Vater seiner Denkart nach nicht anders handeln konnte , und ihn deshalb nur um so höher schätzte . Aber nur mit Widerstreben verstand er sich dazu , sich gegen Jenny nicht zu erklären , bis er seinen Onkel von seiner Absicht in Kenntniß gesetzt und dessen Antwort erhalten haben würde , und er verließ den Greis , um seinem Onkel schreiben zu gehen . Auch Herr Meier zog sich zurück , um Eduard seinerseits von dem Geschehenen zu benachrichtigen . Er machte ihn auf die glänzenden Verhältnisse , auf den trefflichen Charakter Walter ' s aufmerksam und sagte : Dennoch widerstrebt meine innere Ueberzeugung dieser Verbindung fast eben so sehr , als einst der mit Reinhard , mit dem Unterschiede , daß jetzt meine Besorgniß den Verhältnissen gilt , während sie bei Reinhard den Charakter des Mannes betraf . Niemand ist so gleichgültig gegen das Urtheil der Menschen , daß Lob oder Tadel seiner Umgebung ihn