Daß neue Wonne meine Lippe saugt . In Träume war solch Leben eingetaucht , Drum leb ich ewig , Träume zu betrachten , Kann aller andern Freuden Glanz verachten , Weil mir die Nacht so süßen Balsam haucht . Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen , Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen , Und mich verzehren diese heißen Gluten . Drum birg dich Tag , dem Leuchten ird ' scher Sonnen , Hüll dich in Nacht , sie stillet dein Verlangen Und heilt den Schmerz , wie Lethes kühle Fluten . An die Günderode Schon zehn Tage bist Du fort , alle Tag kommt der Jud mit dem leeren Sack , ich ließ ihn heut den Sack um und um kehren , weil ich dacht , es müsse sich Dein Brief drin finden , den ich so sicher erwartete , aber es war nichts herausgefallen als Brotkrümel und kein Krümelchen Deiner Feder für mich - wonach ich gar nicht so hungrig bin , wenn ich nur weiß , daß alles noch beim alten ist , und daß Du gesund bist . - Weißt Du mir nichts zu schreiben , so such mir aus meinen Briefen meine Religionsprinzipien zusammen , ich hab noch allerlei Nachgedanken berauschender Quellen der Natur hervorströmen , und mir deucht , ich sollte sie auch noch zu schöpfen versuchen . - Bei der Großmama ist ewiger Besuch , heute spazierte man zu siebzehn Fürstlichkeiten im Garten auf und ab , die Großmama zum Bewundern , in Anmut und Würde alle überstrahlend , Isenburg , Reuß , Erbach und etliche hessische Durchlauchten und nebenbei noch der Herzog von Gotha , der schon längere Zeit täglich Brot ist im Haus , nämlich alle Mittag um drei Uhr kommt er herausgefahren und läßt sich von mir die Depeschen vorlesen und Journale , dann geht er in den Garten , wo er Bohnen gepflanzt hat , die muß ich ihm begießen helfen . Die Großmama spricht von seinem Genie , mir gefällt , daß er mit mir umgeht wie mit einem Kind , er nennt mich Du ! Frägt mich nie nach was anderm , als was ich mit Ja oder Nein beantworten kann , weiter hab ich ihm nichts gesagt bis jetzt - im Garten läßt er mich in der Sonnenhitze den Regenschirm tragen , und er trägt die Gießkanne , letzt war er so matt , daß er sie hinstellen mußte , ich sagte , er solle den Parapluie tragen , ich wolle die Gießkanne nehmen , er meinte , die sei wohl zu schwer für mich , als er aber sah , daß ich sie mit ausgestrecktem Arm weitab durch die Luft trug , um mein Kleid nicht naß zu machen , so nennt er mich seitdem die starke Magd . - Seine roten Haare , die einen verzweiflungsvollen Schwung haben wie ein schweres Ährenfeld , das der Hagel verwüstet hat , und sein blasses Angesicht geben ihm in der Abenddämmerung das Ansehen von einem Geist ; ich hab mich vor ihm gefürchtet , wie er mich abends durchs Boskett begleitete . Die Großmama hatte alle Fürstlichkeiten an der Wagentüre begrüßt und dagegen protestiert , daß sie unter das Dach ihrer Grillenhütte kommen , sie wollten aber absolut in die Grillenhütte herein , und so ward diese bald zu eng . - Im Garten machte der Herzog selbst eine Weinkaltschale mit Pfirsich ; denn er panscht gern , ich mußte dazu alles herbeiholen in die Geisblattlaube , da er mich nun immer starke Magd nannte , so passierte ich bei der hohen Gesellschaft für ein so seltnes Monstrum ; zuletzt sagte er noch : » Geh an unsern Bohnenstangen und sorge , daß die breitfüßigen und krummbeinigen Spaziergänger sie nicht umtreten ! « Ich holte mir die Schawell und setzte mich mitten ins Bohnenfeld , wo ich nicht mehr bemerkt wurde , es war mir eine Labung ; denn ich war betäubt und müde , alles kann ich ertragen , nur nicht das Brausen der Menschenreden , die kein Feuer , keinen Zweck haben und immer in der Luft herumgreifen und nichts fragen und nichts anregen ; besser wär ' s , schweigen . Bis das Ton wird , was unendlichen Vorteil bringen mag , da kann noch viel Wasser dem Main hinunterfließen . Am Abend ging alles ins Boskett , die Musik zu hören , es war mit bunten Lampen erleuchtet , die Orangerie auf der Terrasse am Main jetzt in ihrem schönsten Flor , ach , ich war so müde und betäubt - was ich geträumt habe weiß ich nicht mehr , es war schön ; denn ich wachte auf , wie trunken von Behagen , aber doch so schwindlig , daß sich die starke Magd an der Hand vom Herzog nach Haus führen ließ , er fuhr in die Stadt , er rief mir noch aus dem Wagen zu : » Leg dich zu Bett , starke Magd , du siehst ganz blaß aus ! « - 17ten St. Clair war heute hier , zwischen zehn und ein Uhr , ich lag noch zu Bett , ich hatte die Großmama um Erlaubnis fragen lassen auszuschlafen , weil mich am Abend der Duft der Orangerie ganz betäubt hatte , er wartete auf mich hinter der Pappelwand . - Es gibt Weh , darüber muß man verstummen ; die Seele möchte sich mit begraben , um es nicht mehr empfinden zu müssen , daß solcher Jammer sich über einem Haupte sammeln könne , und wie konnte es auch ? - O ich frage ! und da ist die Antwort : weil keine heilende Liebe mehr da ist , die Erlösung könnte gewähren . Oh , werden wir ' s endlich inne werden , daß alle Jammergeschicke unser eignes Geschick sind ? - Daß alle von der Liebe geheilt müssen werden , um uns selber zu heilen . Aber wir sind uns der eignen Krankheit nicht mehr bewußt , nicht der erstarrten Sinne ; daß das