Werth dieser Zeit unbestreitbar macht - ein Pfand , mit welchem es wuchern konnte , das zu zerstören nicht mehr in der Willkür seines Herrschers lag - und daß dessen ausartenden persönlichen Neigungen , die wir mit dem Verfalle der Zeit bezeichnen , doch in ihrer jugendlichen Entstehung Schritt hielten mit den Bedürfnissen seines Volkes , und über alle Zweige menschlichen Wissens den Zauber der Ermunterung , der Förderung und der Anerkennung verbreitet hatten . So müssen wir seiner ausartenden Eroberungssucht sicher den Vorwurf machen , das Land erschöpft und mit Schulden belastet , und , gegen jedes moralische Prinzip anstoßend , sein persönliches Ansehn herabgesetzt zu haben . Aber das Volk hatte Früchte geerndtet , die es in seinen Erfolgen nicht allein damals an die Spitze der Kriegskunst stellte , sondern an deren Nachahmungen sich noch die nachhaltigsten Einrichtungen aller Nachbarländer knüpfen lassen . Wenn wir eben so vor den Bauwerken dieser Zeit , vor den zügellosen Ausstattungen aller königlichen Besitzungen und der ihnen anhängenden Bedürfnisse - vor ihren Festen , ihren Beschäftigungen und ihrem zahllosen unbeschäftigten Dienertrosse stehen , und bloß bedenken wollen , wie dadurch der Schatz erschöpft werden mußte , und dem betäubten Gewissen die Wege geöffnet zu Erpressungen und Bedrückungen des Volkes , die wir mit Unwillen endlich auch verfolgt sehen : so werden wir doch dadurch immer nicht die Wirkungen annulliren können , die in diesem üppigen Leben des Genusses den Segen aller künstlerischen und wissenschaftlichen Erscheinungen entwickelten , und sie zu einer Ausbreitung und Wichtigkeit erhoben , welche dem versinkenden Leben Italiens eine neue Heimat , dem übrigen Europa eine Brücke zu bis dahin zu entfernt liegenden Schätzen baute . Gewiß müssen wir zugestehn , daß Ludwig der Vierzehnte nicht die Kraft hatte , an der Spitze seiner Nation zu bleiben , daß er ihr nur ein Mittel war , das anfänglich nicht größer zu sein brauchte , als er war , daß ihn seine Erfolge , nachdem sie ihn weit überholt hatten , auf einem geringen Standpunkte zurück bleiben ließen , und im Stillestehn ihn seiner Zeit entfremdeten und feindlich gegenüber stellten , geschützt noch von dem monarchischen System welches zu mächtig war , um Widerstand zu finden . Der hierarchische Despotismus erkannte wachsam den Augenblick , wo Ludwig sich von seinem Volke trennte , um ihn , sich ihn als Beute sichernd , jeder freieren Anschauung zu entziehn , die ihn fähig gemacht hätte , den hochherzigen Aufschwung religiöser Entwicklung verstehen zu können , der damals aufs Neue vergeblich die Schwingen einer freieren Erkenntniß regte , und dessen unvollkommene , in vielfachen Ausartungen kreisende Erscheinungen vielleicht die ewigen Erschütterungen Frankreichs zu erklären vermöchten , das , von dem Triebe freier religiöser Entwickelung verjagt , in den materiellsten Freiheitswünschen die gestörte Entwickelung zu befriedigen suchte . - Die Zeit , in der Leonin den vaterländischen Boden betrat , war der Höhenpunkt jener früheren Periode , der so schnell , so überraschend erreicht war , daß der Schwindel zu erklären ist , mit dem man die Grenzen eines so begonnenen Zustandes nicht glaubte übersehen zu können , und die ausschweifendsten Eingebungen der Phantasie überall anzuknüpfen , ein Recht zu haben meinte . Der Aachner Friede war geschlossen - Ludwig hatte die Lorbeeren zweier glorreichen Feldzüge gesammelt , die Aufmerksamkeit Europa ' s geweckt und Erfolge errungen , die so das Maaß zu überschreiten schienen , daß es ihm leicht ward , beim Abschluß des Friedens mit anscheinender Großmuth den Theil der Eroberung zurück zu geben , der von seinen bestürzten Gegnern mit der vollen Besorgniß gefordert wurde , die so schnelle , so siegreiche Fortschritte - für das Europäische Gleichgewicht , welches zu zerstören , in seine Hand gegeben schien , nothwendig einflößen mußten . Auch machte der Abschluß dieses Friedens , der einen Theil der gemachten Eroberungen wieder aufgab , keinen ungünstigen Eindruck auf die Nation . Schon sah sie sich als den reichen Mann an , der dem übrigen Europa Almosen geben könnte ; schon kam ihr kein Zweifel , daß sie besitzen könnte , was sie besitzen wollte ; und gerade so erschien ihr der junge König in einem neuen Nimbus - dem der Großmuth und der Mäßigkeit . Auch lag , dies Gefühl zu unterstützen , ganz in der ungemeinen Begabtheit des jungen Königs , der damals noch den vollendeten Stolz besaß , der die Eitelkeit entweder nicht aufkommen läßt oder sie noch nicht besitzt . Sein Volk , sein Hof mochte seine Siege anstaunen , anbeten , er verhielt sich zu ihnen mit der gleichmäßigen Ruhe , die audeutete , daß er über ihnen stände , und die größten Erfolge eben nur Ausströmungen seiner selbst wären , die ihn nicht zu überraschen vermöchten . Er haßte und unterdrückte jede rohe Schmeichelei , und die Hofleute mußten eine Mimik für ihre Anbetung studiren , die sich wie der Schauer der Andacht anließ , um seine stolze Zurückweisung nicht zu erfahren . Es war in dieser vollen Blütenzeit seiner Existenz noch so viel Wahrheit in ihm , daß er sich ohne Selbstbetrug des Eindruckes erfreuen durfte , den er hervorrief ; und seine ganze Natur war durch die Aehnlichkeit und Uebereinstimmung , die seine eigne Entwicklung mit der seines Volkes hatte , so bedeutend verstärkt und erhöht , daß jeder Erfolg ihm zu einem ungemeinen Selbstgefühle verhelfen mußte . Er war in Wahrheit ein großer Mann - er war es durch seine Zeit , wie durch sein schönes Naturell , das ihr genug that . Später hatte das Feldlager mit dem Glanz eines Hoflagers gewechselt , dessen an Zauber und Wunder grenzende Ausstattungen einen taumelartigen Zustand erregten , den industriellen Geist aufs höchste belebten - Künstler , Dichter und Gelehrte schufen , und eine Hingebung aller Kräfte des Geistes und des Vermögens veranlaßten , die ein Gelingen herbeiführte , das in seiner überraschenden Wirkung den jungen König als ein übernatürliches Wesen erscheinen ließ , da seine Neigung , seine Andeutungen oder Befehle dies Alles ins Leben riefen . Und diesem