Frühe des folgenden Morgens in seinem Zimmer allein , den widerstrebendsten Empfindungen hingegeben . Freude , Trauer , Mißmuth , Hoffnung und Sorge durchwogten sein Gemüth ; er hatte den größten Theil der Nacht am Bette seines noch immer in bewußtlosem Schlummer hinbrütenden Freundes durchwacht , und suchte jetzt für die Obliegenheiten des Tages sich vorzubereiten , und seine Gedanken , wie seine ziemlich erschöpften Kräfte zu sammeln . Das unangenehme Knarren seiner Thüre fiel ihm verdrießlich auf ; er ging sie zuzumachen , und sah ein paar unheimliche , glühende Augen durch die Spalte derselben ins Zimmer hinein starren , als wollten sie sich vergewissern , daß er sich allein in demselben befinde . Richard stutzte einen Augenblick bei dieser Entdeckung , und schnell wie der Blitz sprang ein in einen Mantel gehüllter Mann ins Zimmer hinein , verschloß von innen die Thüre , ließ aber den Schlüssel darauf stecken , und trat dann hastig auf ihn zu . Mit bleichem verzerrtem Gesicht , himmelan sich sträubendem Haar , Wuth entbrannten Augen , die weißen verbissenen Zähne grausig fletschendem Munde , stand der Entsetzliche dicht neben ihm , und Richard glaubte schaudernd in dem unheimlichen Gaste einen der Haft entsprungenen Wahnsinnigen vor sich zu haben . Verloren ! verrathen , Du , ich , wir Alle ! stöhnte dieser mit hohler , kaum verständlicher Stimme , und sank am ganzen Leibe konvulsivisch erbebend , in den ihm zunächst stehenden Sessel . Jetzt erst konnte Richard den Grauen erregenden Besuch schärfer in ' s Auge fassen . Es war Mathias Apostol , Bruder des Sergius . Nie hatte Richard mit diesem in näherer Verbindung gestanden als der , welche der unselige Bund , zu dem sie beide gehörten , unumgänglich erforderte ; nie hatten sie mehr als jene stereotyp gewordenen Redensarten mit einander gewechselt , wie der gesellige Verkehr überall sie herbeiführt . Das finster Abstoßende , das in Apostols ganzer Persönlichkeit sich aussprach , hatte Richarden immer von dem ältern Bruder zurück geschreckt , während er von dem mittheilend lustigen Humor des jüngern , Sergius , wenn gleich stets widerwillig , zuweilen sich hinreißen ließ . Mathias blieb eine Weile , ohne ein Wort aufbringen zu können , mit hoch aufarbeitender , schwer nach Luft ringender Brust , in seinem Sessel liegen , während Richard in der Meinung , er sei plötzlich erkrankt , ihm die Weste aufknöpfte und alles nur Ersinnliche anwandte , um dem Leidenden Erleichterung zu verschaffen . Mathias ließ sich das Alles gefallen ; nur wenn Richard Meine machte die Schelle zu ziehen , um seinen Diener zur Hülfe herbei zu rufen , hielt er mit riesig starker Faust beim Arme ihn fest . Alles ist verloren ! rief Mathias endlich , sobald er nur einigermaßen wieder zu Athem gekommen war , und sprang mit der Geberde wildester Verzweiflung von seinem Sitze auf . Richard starrte voll Entsetzen ihn an . Setze Dir selbst das Alles säuberlich zusammen : fuhr Mathias höhnisch lachend fort : Seit mehreren Wochen ist mein Bruder abwesend , und noch immer ist kein Wort bis zu uns gelangt , das Nachricht von ihm brächte ; gestern wird plötzlich , ohne einen Grund dafür anzugeben , die Revue bei Beleja Tserkoff abgesagt , wir vernehmen aus sicherer Hand , daß die Anstalten zu einer längst projectirten Reise des Kaisers Hals über Kopf beschleunigt werden . Wohin geht die Reise ? Zur Flucht ! zur Flucht ! Alles ist klar wie der Tag , blind müßte man sein , es nicht einzusehen . Die Verschwörung ist entdeckt ! Feile Verräther finden sich überall ; Sergius , mein Bruder , ist gefangen , ist todt ! brüllte er , zerraufte sein Haar , warf sich auf den Boden hin , und verbarg , heulend wie ein wildes Thier , sein Gesicht in die Kissen des Diwans . Ein Ausweg bleibt uns , sprach er , sich wieder vom Boden aufraffend : ein einziger , uns zu retten , den gemordeten Bruder zu rächen . Sie sind zu feig gleich thätig einzuschreiten , sie wollen jene Reise erst abwarten , um sicherer zu gehen . Sicher ! rief er wieder auflachend , sicher ! o ja , ich bereite Euch die Bahn zur ewigen Ruhe , wartet nur , dort seid ihr sicher genug . Ich komme Euch zuvor , bevor Ihr den Muth habt , den Schlag fallen zu lassen , der uns zerschmettern soll . Ich , ich allein , wartet , wartet nur , ein günstiger Moment , ein einziger , und es ist vollbracht . Mein Auge trügt nie , meine Hand trifft immer das Ziel . Es giebt eine Waffe , fing er nach einer Pause scheinbar in ruhigerem Tone wieder an , während Richard vor ihm stand , noch immer unschlüssig , ob Wahnsinn oder Überzeugung aus dem Furchtbaren spreche : eine Waffe , fuhr Mathias fort , ohne Knall , ohne verrathendes Aufblitzen ; gleich dem leisen unhörbaren Pfeile des Wilden , führt sie die Kugel zum Ziel . Du , Du bist der Einzige , der dem Befehle entgegen zu handeln wagt , welcher ihren Besitz hoch verpönt ; ich habe diese Waffe in Deinen Händen gesehen , nun fordere ich sie von Dir , und Du hast nicht das Recht sie mir vorzuenthalten . Du bist mein Bruder durch jenen heiligen Schwur , der uns beide zur Rettung unsers Vaterlandes verbindet ; gehorche dem Gebote des Bundes . Richard besaß wirklich eine kleine , aber auserlesene Sammlung seltner Waffen , die aus seiner frühesten Jugendzeit herstammte , wo er , halb ein Knabe noch , mit ungemeinem Eifer sie zusammen brachte , theils durch Tausch mit Freunden seines Alters , doch mehr noch durch Geschenke , welche von allen Seiten dem Lieblinge des ganzen Hauses zuströmten . Das zuletzt erhaltne war der reich verzierte Türkendolch , welchen Eugen , bei Richards Eintritt in die Kaserne , diesem verehrt hatte . Seitdem hatte die Lust sich