mein Glück wolle , zu verkündigen . Sie ermahnte mich , die oft begangene Sünde zu bereuen , daß ich diesen edeln Bruder des Eigennutzes beschuldigt habe , denn wäre er eigennützig , schloß sie ihre Rede , so würde er mich nicht bestimmt haben , Dich zu verheirathen , was ihn nöthigt , Dir Dein Erbe auszuzahlen , welches ihm geblieben wäre , wenn Du den geistlichen Stand erwählt hättest . Mein Bruder ließ es geschehen , daß ich ihm meine Reue noch ein Mal bezeigte , ja er duldete es , daß ich seine Hände dankbar küßte , die , wie ich wähnte , mich dem Leben zurück gaben . Noch denselben Abend wurde ich mit dem jungen Blainville verlobt , und in wenigen Tagen sollte unsere Verbindung gefeiert werden . Wir waren beide viel zu entzückt und zu sehr mit unserm Glück beschäftigt , als daß wir uns über die Art gegen einander erklärt hätten , wie mein Bruder unser Wohlthäter geworden war ; nur lächelte mein Verlobter , wenn ich die Liebe und Großmuth dieses Bruders pries . Befremdend war es mir daher , als nach wenigen Tagen der alte Blainville mich in sein Kabinet führte und mich bat , eine Schrift zu unterzeichnen , worin ich auf jede Erbschaft meines Vaters zum Vortheil meines Bruders Verzicht leistete , mit der Bewilligung meines künftigen Gemahls und meines Schwiegervaters . Dieser versicherte mir , meines Bruders Verhältnisse machten dieß durchaus nothwendig , auch wollte er mir sogleich die Summe ersetzen . Ich zögerte nicht zu unterschreiben , aber die Täuschung war geendigt , ich wußte nun , daß nicht Liebe für mich meinen Bruder bewogen hatte , mein Glück zu befördern , und ich hörte es ohne Kummer , wie mein Schwiegervater hinzufügte , daß meines Bruders schleunige Abreise so nöthig sei , daß er nicht Zeuge meiner Verbindung mit seinem Sohne würde sein können , da diese um eine Woche hätte aufgeschoben werden müssen , weil der Geistliche krank geworden sei , der , wie er und meine Großtante wünschten , den Segen über unsere Verbindung sprechen sollte . In der That reiste mein Bruder nach zwei Tagen ab , nachdem er die Summe von Blainville erhalten , die ihm dieser zugesichert hatte . Mein Schwiegervater liebte seinen Sohn auf das Zärtlichste ; er wollte nur sein Glück , und da er sah , daß dieß Glück ohne eine Verbindung mit mir nicht denkbar war , so that er Alles , um sie herbei zu führen ; aber da er mächtige Feinde in Frankreich hatte , da ihm dort noch eine Tochter lebte , um derent Willen er selbst oder der Sohn dahin zurückkehren mußte , so war Vorsicht für ihn um so nöthiger , weil er , um seine Feinde zu täuschen , das Gerücht hatte verbreiten lassen , er sei gestorben . Er hatte also selbst einen Aufschub meiner Verbindung mit seinem Sohne veranlaßt , um meinen ungeduldigen Bruder zu entfernen , dem er seinen wahren Namen nicht anvertrauen wollte , der doch in diesem feierlichen Augenblicke genannt werden mußte . Meine Mutter , deren Verschwiegenheit er nicht vertraute , war nicht zu fürchten , denn sie selbst hatte erklärt , ihr Gefühl erlaube ihr nicht , bei meiner Trauung gegenwärtig zu sein ; da es ihre liebste Hoffnung gewesen sei , mich als eine Braut Christi zu sehen , so könne sie mich zwar segnen , aber jede irdische Verbindung nur beweinen . Zu meinem Befremden bestritt Niemand diesen Vorsatz , und als ich mit Thränen meine Mutter bewegen wollte , ihren Entschluß zu ändern , führte mich meine Großtante hinweg und sagte : Laß Deine Mutter bei ihrem Entschlusse , es ist für Alle der beste , den sie hätte fassen können . Der feierliche Tag war erschienen ; die Trauung sollte in der Kirche eines nahen Dorfes stattfinden ; meine Großtante begleitete mich dahin , Blainville kam in Begleitung seines Vaters und des Kammerdieners , den ich ihn immer wie einen Freund hatte behandeln sehen ; dieß waren die Zeugen , die gegenwärtig sein sollten . Meine Großtante sagte mir auf dem kurzen Wege : Ich habe Dich nicht lange allein sprechen können in diesen Tagen , weil ich nicht die Aufmerksamkeit Deiner Mutter erregen wollte , und so bleibt mir nun keine Zeit , Dich gehörig vorzubereiten , und ich muß Dich nur bitten , nicht überrascht zu sein , wenn der Geistliche , der Euch verbindet , nicht den Namen Blainville ausspricht , den Dein künftiger Gemahl und Dein Schwiegervater hier nur ihrer Sicherheit wegen führen ; in ruhiger Stunde wirst Du alles Nöthige von Beiden selbst erfahren , ich kann Dich nur daran erinnern , daß Du den Mann liebst und nicht den Namen , auch daß Niemand eine Täuschung beabsichtigt hat und in der gegenwärtigen schlimmen Zeit manche Vorsicht nöthig wird . Es kränkt mich , daß Du in diesem wichtigen Augenblicke durch andere Gedanken zerstreut wirst , da Du nur fromme haben solltest ; aber doch konnte ich Dich nicht ganz unvorbereitet lassen . Ich hatte mich noch nicht von meinem Erstaunen erholt , als unser Wagen vor dem Eingange des Kirchhofes hielt , der die kleine Kirche umgab . Mein Verlobter wartete hier auf mich und führte mich zur Kirche ; mein Gemüth war wunderbar bewegt , das kleine Gefolge , die beinah heimliche Trauung , die Ungewißheit über den Namen meines künftigen Gemahls , Alles versetzte mich in eine so ängstliche Spannung , daß ich das Feierliche der Handlung kaum empfinden konnte und vor Allem darauf lauschte , welchen Namen der alte , ehrwürdige Geistliche aussprechen würde , um den Mann , der ihn führte , mit mir zu verbinden , und überrascht zuckte ich zusammen , als er ihn unter dem Namen Graf Evremont fragte , ob er mich zur Gefährtin seines Lebens wähle . IV Bis hieher hatte der Graf mit Spannung zwar , aber doch mit ruhiger Aufmerksamkeit gelesen , der