: » O Schwatz ! O liebes Vaterland ! « - Gestern war er wieder da und ergoß mit Freudebrausen den ganzen Schatz seiner Neuigkeiten vor mir . Wenn ' s demnach wahr ist , so haben die Tiroler am Herz-Jesu-Fest ( den Datum wußte er nicht ) den Feind überwältigt und ganz Tirol zum zweitenmal befreit . Ich kann nicht erzählen , was er alles vorbrachte , Du würdest es so wenig verstehen wie ich ; Speckbachers Witz hat durch eine Batterie von Baumstämmen , als ob es Kanonen wären und durch zusammengebundne Flintenläufe den Knall nachahmend , den Feind betrogen , gleich drauf die Brücke bei Hall dreimal gestürmt und den Feind mitsamt den Kanonen zurückgetrieben , die Kinder dicht hinterdrein ; wo der Staub aufwirbelte , schnitten sie mit ihren Messern die Kugeln aus und brachten sie den Schützen . Der Hauptsieg war am Berg Isel , dem Kapuziner ist der Bart weggebrennt . Die namhaften Helden sind alle noch vollzählig . Handbillett haben sie vom Kaiser mit großen Verheißungen aus der Fülle seines Herzens . Wenn ' s auch nicht alles wahr wird , meinte mein Tiroler , so war ' s doch wieder ein Freudentag fürs Vaterland , der aller Aufopferung wert ist . Vom Kronprinz hab ich kein Gedicht ; ein einziges , was er am Tag vor seinem Auszug in den Krieg machte , an Heimat und die Geliebte , zeigte mir der alte getreue Pantalon , er will ' s unter keiner Bedingung abschreiben . Eine junge Muse der Schauspielkunst besitzt deren mehrere , der alte Bopp hat ihr auf meine Bitte drum angelegen , sie suchte danach unter den Theaterlumpen und fand sie nicht , sonst hätten sie zu Diensten gestanden , meinte sie , der Kronprinz würde ihr andere machen . Gold und Perlen hab ich nicht , der einzige Schatz , nach dem ich gewiß allein greifen würde bei einer Feuersbrunst , sind Deine Briefe , Deine schönen Lieder , die Du mit eigner Hand geschrieben , sie sind verwahrt in der roten Sammettasche , die liegt nachts unter meinem Kopfkissen , darin ist auch noch der Veilchenstrauß , den Du mir in der Gesellschaft bei Wieland , so verborgen zustecktest , wo Dein Blick wie ein Sperber über allen Blicken kreiste , daß keiner wagte aufzusehen . - Die junge Muse gibt es auf , die Opfer , die der Kronprinz ihr in Dichterperlen gereiht zu Füßen legte , unter dem Wust von falschem Schmuck und Flitterstaat wiederzufinden , und doch waren sie im Zauberhauch der Mondnächte bei dem Lied der Nachtigall erfunden , Silb um Silbe ; Klang um Klang aufgereiht . Wer Silb um Silbe die nicht liebt , nicht diesen Schlingen sich gefangen gibt , der mag von Himmelskräften auch nicht wissen , wie zärtlich die von Reim zu Reim sich küssen . Deine Mutter werde ich nicht vergessen , und sollt ich auch mitten im Kriegsgetümmel untergehen , so würde ich gewiß noch im letzten Moment die Erde küssen zu ihrem Andenken . Was ich Dir noch Merkwürdiges zu berichten habe , ist schon aufgeschrieben , im nächsten Brief wirst Du es finden , dieser wird schon zu dick , und ich schäme mich , daß ich Dir nichts Wichtiges zu schreiben habe und doch nicht abbrechen kann . Geschwätz ! - ich weiß ja , wie ' s ging in Weimar , da sagt ich auch nichts Gescheutes , und doch hörtest Du gern zu . Vom Stadion weiß ich gar nichts , da muß ich kurzen Prozeß machen und ihn verschmerzen , wer weiß , ob ich ihn je wieder seh . Jacobi ist zart wie eine Psyche , zu früh geweckt , rührend ; wär es möglich , so könnte man von ihm lernen , aber die Unmöglichkeit ist ein eigner Dämon , der listig alles zu vereiteln weiß , zu was man sich berechtigt fühlt ; so mein ich immer , wenn ich Jacobi von Gelehrten und Philosophen umgeben seh , ihm wär besser , er sei allein mit mir . Ich bin überzeugt , meine unbefangnen Fragen , um von ihm zu lernen , würden ihm mehr Lebenswärme erregen , als jene alle , die vor ihm etwas zu sein als notwendig erachten . Mitteilung ist sein höchster Genuß ; er appelliert in allem an seine Frühlingszeit , jede frisch aufgeblühte Rose erinnert ihn lebhaft an jene , die ihm zum Genuß einst blühten , und indem er sanft durch die Haine wandelt , erzählt er , wie einst Freunde Arm in Arm sich mit ihm umschlungen in köstlichen Gesprächen , die spät in die laue Sommernacht währten , und da weiß er noch von jedem Baum in Pempelfort , von der Laube am Wasser , auf dem die Schwäne kreisten , von welcher Seite der Mond hereinstrahlte auf reinlichem Kies , wo die Bachstelzchen stolzierten ; das alles spricht sich aus ihm hervor , wie der Ton einer einsamen Flöte , sie deutet an : der Geist weilt noch hier ; in ihren friedlichen Melodien aber spricht sich die Sehnsucht zum Unendlichen aus . Seine höchst edle Gestalt ist gebrechlich , es ist , als ob die Hülle leicht zusammensinken könne , um den Geist in die Freiheit zu entlassen . Neulich fuhr ich mit ihm , den beiden Schwestern und dem Grafen Westerhold nach dem Staremberger See . Wir aßen zu Mittag in einem angenehmen Garten , alles war mit Blumen und blühenden Sträuchern übersäet , und da ich zur Unterhaltung der gelehrten Gesellschaft nichts beitragen konnte , so sammelte ich deren so viel , als mein Strohhut faßte . Im Schiff , auf dem wir bei herannahendem Abend wohl anderthalb Stunden fahren mußten , um das jenseitige Ufer wieder zu erreichen , machte ich einen Kranz . Die untergehende Sonne rötete die weißen Spitzen der Alpenkette , und Jacobi hatte seine Freude dran , er deployierte alle Grazie seiner Jugend , Du selbst hast mir einmal