unser guter Doctor kam . Dem habe ich nun Beide übergeben . Er wird Sorge tragen , daß der Caplan zum Prior in unser Kloster , und Marthe in eine Verpflegungsanstalt gebracht wird . O Franz , Franz ! mir schaudert vor dem , was dem übertretenen Gebote folgt . Ich kann den Anblick der elend gewordenen Frau nicht vergessen ! So tief , so ganz tief mußte sie sinken ! Ach ! sie war doch auch einmal ein schuldloses , frohes Mädchen , und gewiß auch ein gutes Kind , von dem die Mutter Freude und Segen erwartete . Wie oft mag das Lächeln dieses verzerrten Mundes Entzücken in dem Herzen der Mutter geweckt haben ! Und jetzt - Eins ist mir nachher erst eingefallen . Tavanilli klagte in seiner Phantasie oft und ängstlich über eine Gestorbene . Wer kann sie sein ? Ich finde sie nicht in meinen Gedanken . Siehst Du , was es ist , wenn man einem unbequemen Begegniß in der Welt aus dem Wege gehen will . Hätte ich gestern Georg gezeigt , wie man sich überwinden und bezwingen müsse , um Andern nicht wehe zu thun , ich hätte Tavanelli gehört , all das Störende wäre wohl unterblieben , und mich ängstigten weder Vorwürfe noch geheime Sorge um die Todte , von der ich nichts weiß , von der ich mehr zu erfahren , peinlich zittre . Komm bald , lieber Sohn ; Du siehst , es geht hier Alles wunderlich durcheinander , ohne Deine Gegenwart . Heinrich an Hugo Endlich ein Brief ! Ich athme auf . Du hältst Dich noch einigermaßen im Gleichgewicht , Du wirst nicht umschlagen ! Die kleine Liebelei konnte Dich berühren , doch nicht erschüttern . Was sollte Dir auch der Roman ? Das ist nicht Deine Welt , Hugo ! Glaube nur , Dein weitstrebender Sinn überfliegt die Phantasie einer Frau . Jede wird sich in Dir verrechnen , Du eine jede überschätzen , und sie dann fallen lassen . Dies Geschlecht tändelt nur mit dem Namen Freundschaft , um der Liebe desto freiern Spielraum zu verschaffen . Die steten Bebungen kleinlicher Gefühle dulden keinen ruhigen Widerschein der Idee . Es ist vergebens , die weibliche Brust faßt das colossale Bild des Universums niemals . Deshalb , Hugo ! ängstige Dich nicht , daß der Rausch verflog , und Du etwas nüchtern um Dich siehst . Die Täuschung hält bei Dir nicht lange an , Du greifst zu weit aus , um nicht das lose Gespinnst sentimentaler Träume über kurz oder lang zu zerreißen . Deine schöne , freigeisterische Amazone , Hugo ! ist doch nur ein leidenschaftlich bewegtes Weib , von weit mehr keckem Trotz , als starkem Muth . Am Ende bereuen Alle , was sie unvorsichtig wollten und kraftlos halb vollbrachten . Laß sie , wie sie ist . Kümmere Dich nicht darum , daß Du sie Dir anders dachtest . Es war ein Irrthum . Wer wird um ein Nichts trauern ! Man belacht sich bald , wenn man nur erst über sich hinaus ist . Und auf dem Wege bist Du . Ich gestehe Dir , daß ich Deine Versöhnung mit Emma wünsche . So gewisse , lose Bande kannst Du brauchen , um einigermaßen im Gleichgewicht zu bleiben . Im Allgemeinen ist die Ehe ein Unding für Dich . Aber die bescheidene Frau , die nichts will , als nur nicht gerade einer Andern nachstehen , die in allem Uebrigen zurücktritt , Dich verehrt und willig gewähren läßt , die kannst Du leiten . Sie wird Dir überall folgen , ohne Dich zu hindern . Und wenn dabei auch nichts anders herauskommt , als daß Dir selbst klarer bewußt wird , indem Du Deinen Willen auf einen Andern übertrügst . Schüler , Hugo ! machen erst Meister . Auch ist man dem Rufe immer etwas schuldig . Du kannst nicht wohl aus einem Bündniß heraustreten , dem die verjährte Meinung Heiligkeit beilegt . Stößt man erst die Welt vor den Kopf , so entstehen tausend und tausend andere Köpfe , die Arme und Beine , und Füße und Hände kriegen , und den Weg durch sie hin unbeschreiblich unbequem machen . Entschließe Dich daher schnell . Mache Deinen Frieden mit Emma . Im Grunde verlangst Du selbst darnach . Es wird Dir eben nicht schwer werden . Herrschest Du doch immer noch in dem allzu abhängigen Herzen . Deine Ueberredung bringt die Mutter ohne Weiteres zum Schweigen , daran ist kein Zweifel . Und was will denn diese hoch und stark gesinnte Mutter anders , als ihr einziges Kind in seinen Rechten ungekränkt , frei und würdig bewahrt wissen . Ich gestehe Dir , diese Frau scheint mir unter denen , die Du nennst , die Bedeutendere . Ist ihr Weg auch ein ziemlich alltäglicher , so ist er doch scharf und bestimmt gezeichnet . Sie kann sich nie um einen Schritt verirren , und erreicht sie ihr Ziel nicht , so kommt es ihr gleichwohl nicht aus den Augen . Sie wird Deiner Wiedervereinigung mit Emma nicht hinderlich sein , sobald sie nur die Nebenbuhlerin entfernt weiß . Daß diese sich entfernen ließ , daß sie Dich aufgab , daß der Schrecken sie von dem dreisten Fluge zurück auf die Erde schleudern konnte , daß sie sich da winselnd krümmte - weg , Hugo ! Weg von dem charakterlosen Wesen , das zu der kühnen Luftfahrt alles , nur keine Schwingen mitbrachte ! Eine Besorgniß anderer Art , die mich an die Wiederherstellung Deiner frühern Verhältnisse denken läßt , ist die äußere Unabhängigkeit . Du weißt , lieber Hugo ! wie sehr ich Anfangs gegen die Vorschläge des Comthur war , wie es mich ärgerte , daß man Dich durch eine veränderte Stellung erhöhen zu können glaubte , wie kindisch mir all der verwickelte Rechtskram dünkte , und was ich von solchen Institutionen halte , an welchen Ruhe und Glück eines Menschen scheitern müssen . Du wirst nicht glauben