oft ein neues Wappenschild feierlich herzugetragen wurde , um geprüft und neben den übrigen aufgehängt zu werden , ertönte , von Pauken , Trompeten und Zinken geweckt , ein fröhlicher Turnierruf . Zu all dieser Pracht , die ein noch herrlicheres Schauspiel verhieß , hatte der Himmel den klarsten Tag geschenkt , der sich nur je im Bodensee gespiegelt . Die Sonne , warm und lieblich strahlend , streute ihr Gold freigebig auf Land und Fluth , und blau hatte sich Himmel , See und Gebirgsferne geschmückt . Lustig und leicht tanzten die schwankenden Kähne , angefüllt von schaulustigen Leuten , vom jenseitigen Ufer herüber , die Straßen rings um die Stadt waren bedeckt mit herzueilenden Rossen und Fußgängern , und vom frühen Morgen an lebten die Gassen der Stadt . Während jedoch Tausende von Gaffern die Schranken des Rennplatzes summend und durcheinander wimmelnd umgaben , und in den gedrängt vollen Schenkhäusern häufig die Gesundheit des prachtliebenden Herzogs ausgebracht wurde , war Er - der Geber all dieser Festlichkeit und Freude - daheim , mißmuthig in sein innerstes Gemach zurückgezogen , wo er bald unruhig auf- und niederging , bald eine Last von Schriften der Flamme seines Kamins opferte , bald mit heimlichem Lachen ein Schnippchen in die freie Luft schlug , mit dem Finger vor sich hindrohte , und sein Tyroler Liedlein jodelte , mit dem klirrenden Sporn den Takt dazu tretend . Er konnte auch wohl unmöglich zu einer ebenen Stimmung gelangen , denn der Geschäfte hatte er nebenbei viele . Jetzt war es der Stallmeister , der seine Befehle einholte , dann der Haushofmeister , welcher wegen der zu reichenden Erfrischungen , und der dem Volke zugedachten Spenden sich Raths erholen mochte , hierauf der Turniermarschall , der neuen Geldvorraths bedurfte , und zu diesem Endzwecke eine Weisung des Herzogs an den Schatzmeister verlangte ; zuletzt war es der Seckelmeister selbst , der sich neuen Zufluß aus dein Beutel Seiner fürstlichen Gnaden erbat . Alle diese dringenden Mahner und Bittsteller befriedigte der Fürst auch mit gemessenen Befehlen und freigebig ausstreuender Hand . War ein solcher Besuch jedoch abgefertigt , so ging wieder dasselbe unruhige Getreibe und Gewerbe los , das den Herzog heute nicht verließ . So eben hatte er einen geistlichen Herrn im violetten , roth verbrämten Habit zur Thüre begleitet , und ihm die Worte nachgerufen : » Sagt Euerm Gebieter , er möchte die Vesperglocke eben so wenig vergessen , als ich mein Wort je vergaß . Mit einem Worte : sagt ihm , ich sey ein Habsburger , und damit genug ! « Der Geistliche ging , und der Herzog begann wieder seine Gebirgsweise zu singen , als ein neuer Gast von dem wachhabendem Edeljunker in das Gemach gelassen wurde . » Sieh da ! Dagobert ! « rief Friedrich , angenehm überrascht : » Du lässest Dich lange erwarten , ehrliche Seele ! - Aber , Jesus Christus ! steckt Ihr wieder in der verwünschten schwarzen Kutte ? So kann ich Euch heute nicht brauchen . « - » Der Erzbischof hat mir heute durch meinen Ohm andeuten lassen , ich solle mich nimmer unterstehen , in weltlicher Kleidung mich sehen zu lassen , und überhaupt mich fertig zu machen , nach Verlauf von Zehn Tagen nach Cesena in ' s Kloster zu wandern ; « erwiederte Dagobert achselzuckend . - » So ? « fuhr Friedrich fort : » Die Herren eilen , aus dem freudigen Waldfinken eine schmutzige Eule zu formen . Und Eure Fahrt gen Frankfurt ? « - » Ich will sie morgen antreten , befiehlt man mir ; « antwortete Dagobert : » binnen neun Tagen muß ich jedoch zurück und nach Wälschland reisefertig seyn . « - » Hm ! « brummte der Herzog lächelnd : » Nicht übel berechnet . Ich sage Euch jedoch , Ihr geht morgen eben so wenig schon nach Frankfurt , als überhaupt in ' s Bartholomäistift . Ich habe Euch heute vonnöthen , und ein wackrer Altbürgerssohn zieht hoffentlich sein Wort nicht zurück . « - » Wahrlich nein ! « entgegnete Dagobert lebhaft : » Ich scheere mich den Teufel um alle Erzbischöfe , wenn Ihr mich eines Auftrags würdig haltet , gnädigster Herr . « - » Das dachte ich mir ! « versetzte Friedrich mit wohlwollender Geberde : » Heute soll ' s aber nicht heißen : das Brevier gebetet ; sondern : die Stiefel geschmiert , die Sporen gewetzt , in die Handschuhe gefahren , den Degen umgeschnallt ! « - » In Gottesnamen ! « stimmte Dagobert heiter ein : » Das ist meine Lust . Sagt an , gnädiger Herzog ! was soll ich für Euch thun ? « - » Das ist bald gesagt , mein Geselle ; « begann Friedrich mit gedämpfter Stimme , und winkte dem Aufmerksamen von der Thüre weg ; mehr in seine Nähe : » mir liegt daran , einen Mann , an den mich mancherlei Verbindlichkeiten fesseln , unversehrt aus einer dringenden Gefahr zu bringen , die , verwirklichte sie sich , mir sogar Unehre zufügen würde . Euch ist gleichgültig , ob dieser Mann schuldig oder unschuldig in Gefahr gerathen , denn ich hoffe , Ihr nehmt für ihn meine Bürgschaft an . « - » Auf Euer Geheiß rette ich einen Vatermörder vom Scheiterhaufen ; « betheuerte Dagobert ; » wie aber ist es zu vollbringen ? « - » Hört mir zu ; « antwortete der Herzog : » Ich bedaure , daß Ihr kein Zeuge des heutigen Ritterspiels seyn könnt , vielweniger ein Theilnehmer daran . Demungeachtet verheiße ich Euch einen Preiß , kostbarer und ehrenwerther vielleicht , als jeder von denen , die im Rennen gewonnen werden sollen ; meine Freundschaft , wenn Ihr kühn und gescheit vollbringt , warum ich Euch bitte . Sobald also die Vesperglocke läutet , und alles Volk , dem Turnierplatz zugeströmt , und Aug und Ohr für die daselbst zu schauenden Herrlichkeiten hat , eilt Ihr