wanken , eines lag schon halb und halb , und hatte es nur seiner nahen Seitenverwandtschaft mit dem regierenden ( Börsen- ) Hause zu verdanken , daß ihm noch einige Stützen untergeschoben wurden . Als man um ein Uhr auseinanderging , lautete der Kurszettel der Frankfurter Börsenhalle : Metalliques 87 5 / 8. Bethmännische 75 1 / 2. Rothschildsche Lose 132 . Preußische Staatsschuldenscheine 84. In den übrigen war nichts geändert worden . 7. Die Verlobung Dieses kleine Börsengemetzel entschied über das Schicksal des Seufzers aus Dessau . In den zwei nächsten Tagen wirkte er durch die große Menge Metalliques , die er in Händen hatte , mächtig auf den Gang der Geschäfte , und als einige Tage nachher Herr von Rothschild Privatmitteilungen aus Wien erhielt , wodurch seine Nachrichten vollkommen bestätigt wurden , da drängte sich alles um den hoffnungsvollen , spekulativen Jüngling , um den genialen Kopf , der auf unglaubliche Weise die Umstände habe berechnen können . Seine Zurückgezogenheit zuvor galt nun für tiefes Studium der Politik , seine Schüchternheit , sein geckenhaftes Stöhnen und Seufzen für Tiefsinn , und jedes Haus hätte ihm freudig eine Tochter gegeben , um mit diesem sublimen Kopf sich näher zu verbinden . Da aber die Polygamie in Frankfurt derzeit noch nicht förmlich sanktioniert ist , und das Herz des Dessauers an Rebekka hing , so schlug er mit großer Tapferkeit alle Stürme ab , die aus den Verschanzungen in der Zeile , aus den Trancheen der Million , selbst aus den Salons der neuen Mainzerstraße mit glühenden Liebesblicken und Stückseufzern auf ihn gemacht wurden . Der alte Herr Simon , konnte sich auch der Dessauer in Hinsicht auf Geld und Glücksgüter ihm nicht gleichstellen , rechnete es sich dennoch zur besonderen Ehre , einen so erleuchteten Schwiegersohn zu bekommen . Ja , er sah es als eine glückliche Spekulation an , ihn durch Rebekka gefangen zu haben . Er sah ihn als eine prophetische Spekulationsmaschine an , die ihn in kurzer Zeit zum reichsten Mann Europas machen mußte ; denn , wenn er immer mit seinem Schwiegersohn zugleich kaufte oder verkaufte , glaubte er nie fehlen zu können . Fräulein Rebekka ging ohne vieles Sträuben in die Bedingungen ein , die ihr der Zärtliche auferlegte ; da er eine gewisse Abneigung verspürte , ein Jude zu werden , so hielt er es für notwendig , daß sie sich taufen lasse . Sie nahm schon folgenden Tages insgeheim Unterricht bei dem Herrn Pastor Stein , und gab dafür auf einige Zeit ihre Klavierstunden auf , wobei , wie sie behauptete , noch etwas Erkleckliches profitiert würde , da sie dem Klaviermeister einen Taler für die Stunde hatte bezahlen müssen . Sie selbst legte dafür dem Dessauer die Bedingung auf , daß er sich für einige hundert Gulden in den Adelsstand erheben lassen , und in dem » jöttlichen Frankfort « leben müsse . Er ging es freudig ein , und überließ mir dieses diplomatische Geschäft . Um nun auch von mir zu reden , so traf pünktlich ein was ich vorausgesehen hatte . Der Seufzer beschwichtigte fürs erste sein Gewissen , das ihm allerlei vorwerfen mochte , z.B. daß das ganze Geschäft unehrlich und nicht ohne Hülfe des Teufels habe zustande kommen können . Sobald er mit dieser Beschwichtigung fertig war , war auch seine Dankbarkeit verschwunden . Weil ihn alles als den sublimsten Kopf , den scharfsinnigen Denker pries , glaubte er ohne Zaudern selbst daran , wurde aufgeblasen , sah mich über die Achsel an , und erinnerte sich meiner , sehr gütig , als eines Menschen , mit welchem er im Weißen Schwanen einigemal zu Mittag gespeist habe . Was mich übrigens am meisten freute , war , daß er die Strafe seines Undanks in sich und seinen Verhältnissen trug . Es war vorauszusehen , daß seine prophetische Kraft , sein spekulativer Geist sich nicht lange halten konnten . Mißglückten nur erst einige Spekulationen , die er , auf sein blindes Glück und seinen noch blinderen Verstand trauend , unternahm , verlor er erst einmal fünfzig oder hunderttausend , und zog seinen Schwiegerpapa in gleiche Verluste , so fing die Hölle für ihn schon auf Erden an . Rebekkchen , das liebe Kind , sah auch nicht aus , als wollte sie mit dem neuen Glauben auch einen neuen Menschen anziehen . War sie erst » Gnädige Frau von Zwerner « , so war zu erwarten , daß die Liebesintrigen sich häufen werden ; junge wohlriechende Diplomaten , alte Sünder wie Graf Rebs , fremde Majors mit glänzenden Uniformen , waren dann willkommen in ihrer Loge und zu Hause , und der Dessauer hatte das Vergnügen , zuzuschauen . Und wie wird dieser sanfte Engel , Rebekka , sich gestalten zur Furie , wenn die spekulative Kraft ihres Eheherrn nachläßt , und damit zugleich sein Vermögen , wenn man das glänzende Hotel in der Zeile , die Loge im ersten Rang , die Equipage und die hungernden Liebhaber samt der köstlichen Tafel aufgeben , wenn man nach Dessau ziehen muß , in den alten Laden des Hauses Zwerner und Comp . ; wenn die gnädige Frau herabsinkt aus ihrem geadelten Himmel und zur ehrlichen Kaufmannsfrau wird , wenn man den Gemahl statt mit Papieren , wie es nobel ist und groß , mit Ellenwaren und Bändern , ganz klein und unnobel handeln sieht ! Welche Perspektive ! ! Doch , am vierten Pfingstfeiertag 1826 , dachte man noch nicht an dergleichen im Hause des Herrn Simon in der neuen Judenstraße . Da war ein Hin- und Herrennen , ein Laufen , ein Kochen und Backen ; es wurde ungemein viel Gänseschmalz verbraucht , um koscheres Backwerk zu verfertigen ; ein Hammel wurde » geschächt « , um köstliche Ragouts zu bereiten . Der geneigte Leser errät wohl , was vorging in dem gesegneten Hause ? Nämlich nichts Geringeres als die Verlobung des trefflichen Paares . Die halbe Stadt war geladen und kam . Hatte denn der alte Simon