immer nicht fördern . Allerdings etwas Geheimnisvolles war in der Figur ; dergleichen sind jetzt im Roman nicht zu entbehren , sollten sie uns denn auch im Leben begegnen ? Angenehm , doch verdächtig , fremdartig , doch Vertrauen erregend ; warum schied er auch vor aufgelöster Verwirrung ? warum hatt ' ich nicht Gegenwart des Geistes genug , um ihn schicklicherweise festzuhalten ? Nach einer Pause nehm ' ich die Feder abermals zur Hand , meine Bekenntnisse fortzusetzen . Die entschiedene , fortdauernde Neigung eines zum Jüngling heranreifenden Knaben wollte mir schmeicheln ; da aber fiel mir ein , daß es nichts Seltenes sei , in diesem Alter nach älteren Frauen sich umzusehen . Fürwahr , es gibt eine geheimnisvolle Neigung jüngerer Männer zu älteren Frauen . Sonst , da es mich nicht selbst betraf , lachte ich darüber und wollte boshafterweise gefunden haben : es sei eine Erinnerung an die Ammen- und Säuglingszärtlichkeit , von der sie sich kaum losgerissen haben . Jetzt ärgert ' s mich , mir die Sache so zu denken ; ich erniedrige den guten Felix zur Kindheit herab , und mich sehe ich doch auch nicht in einer vorteilhaften Stellung . Ach welch ein Unterschied ist es , ob man sich oder die andern beurteilt . Eilftes Kapitel Wilhelm an Natalien Schon Tage geh ' ich umher und kann die Feder anzusetzen mich nicht entschließen ; es ist so mancherlei zu sagen , mündlich fügte sich wohl eins ans andere , entwickelte sich auch wohl leicht eins aus dem andern ; laß mich daher den Entfernten , nur mit dem Allgemeinsten beginnen , es leitet mich doch zuletzt aufs Wunderliche , was ich mitzuteilen habe . Du hast von dem Jüngling gehört , der , am Ufer des Meeres spazierend , einen Ruderpflock fand ; das Interesse , das er daran nahm , bewog ihn , ein Ruder anzuschaffen , als notwendig dazu gehörend . Dies aber war nun auch weiter nichts nütze ; er trachtete ernstlich nach einem Kahn und gelangte dazu . Jedoch war Kahn , Ruder und Ruderpflock nicht sonderlich fördernd , er verschaffte sich Segelstangen und Segel und so nach und nach , was zur Schnelligkeit und Bequemlichkeit der Schiffahrt erforderlich ist . Durch zweckmäßiges Bestreben gelangt er zu größerer Fertigkeit und Geschicklichkeit , das Glück begünstigt ihn , er sieht sich endlich als Herr und Patron eines größern Fahrzeugs , und so steigert sich das Gelingen , er gewinnt Wohlhaben , Ansehen und Namen unter den Seefahrern . - Indem ich nun dich veranlasse , diese artige Geschichte wieder zu lesen , muß ich bekennen , daß sie nur im weitesten Sinne hierher gehört , jedoch mir den Weg bahnt , dasjenige auszudrücken , was ich vorzutragen habe . Indessen muß ich noch einiges Entferntere durchgehen . Die Fähigkeiten , die in dem Menschen liegen , lassen sich einteilen in allgemeine und besondere , die allgemeinen sind anzusehen als gleichgültig-ruhende Fähigkeiten , die nach Umständen geweckt und zufällig zu diesem oder jenem Zweck bestimmt werden . Die Nachahmungsgabe des Menschen ist allgemein , er will nachmachen , nachbilden , was er sieht , auch ohne die mindesten innern und äußern Mittel zum Zwecke . Natürlich ist es daher immer , daß er leisten will , was er leisten sieht ; das Natürlichste jedoch wäre , daß der Sohn des Vaters Beschäftigung ergriffe . Hier ist alles beisammen : eine vielleicht im Besondern schon angeborne , in ursprünglicher Richtung entschiedene Fähigkeit , sodann eine folgerecht stufenweis fortschreitende Übung und ein entwickeltes Talent , das uns nötigte , auch alsdann auf dem eingeschlagenen Wege fortzuschreiten , wenn andere Triebe sich in uns entwickeln und uns eine freie Wahl zu einem Geschäft führen dürfte , zu dem uns die Natur weder Anlage noch Beharrlichkeit verliehen . Im Durchschnitt sind daher die Menschen am glücklichsten , die ein angebornes , ein Familientalent im häuslichen Kreise auszubilden Gelegenheit finden . Wir haben solche Malerstammbäume gesehen ; darunter waren freilich schwache Talente , indessen lieferten sie doch etwas Brauchbares und vielleicht Besseres , als sie bei mäßigen Naturkräften aus eigner Wahl in irgendeinem andern Fache geleistet hätten . Da dieses aber auch nicht ist , was ich sagen wollte , so muß ich meinen Mitteilungen von irgendeiner andern Seite näher zu kommen suchen . Das ist nun das Traurige der Entfernung von Freunden , daß wir die Mittelglieder , die Hülfsglieder unserer Gedanken , die sich in der Gegenwart so flüchtig wie Blitze wechselseitig entwickeln und durchweben , nicht in augenblicklicher Verknüpfung und Verbindung vorführen und vortragen können . Hier also zunächst eine der frühsten Jugendgeschichten . Wir in einer alten , ernsten Stadt erzogenen Kinder hatten so die Begriffe von Straßen , Plätzen , von Mauern gefaßt , sodann auch von Wällen , dem Glacis und benachbarten ummauerten Gärten . Uns aber einmal , oder vielmehr sich selbst ins Freie zu führen , hatten unsere Eltern längst mit Freunden auf dem Lande eine immerfort verschobene Partie verabredet . Dringender endlich zum Pfingstfeste ward Einladung und Vorschlag , denen man nur unter der Bedingung sich fügte : alles so einzuleiten , daß man zu Nacht wieder zu Hause sein könnte ; denn außer seinem längst gewohnten Bette zu schlafen , schien eine Unmöglichkeit . Die Freuden des Tags so eng zu konzentrieren , war freilich schwer : zwei Freunde sollten besucht und ihre Ansprüche auf seltene Unterhaltung befriedigt werden ; indessen hoffte man , mit großer Pünktlichkeit alles zu erfüllen . Am dritten Feiertag , mit dem frühsten , standen alle munter und bereit , der Wagen fuhr zur bestimmten Stunde vor , bald hatten wir alles Beschränkende der Straßen , Tore , Brücken und Stadtgräben hinter uns gelassen , eine freie , weitausgebreitete Welt tat sich vor den Unerfahrnen auf . Das durch einen Nachtregen erst erfrischte Grün der Fruchtfelder und Wiesen , das mehr oder weniger hellere der eben aufgebrochenen Strauch- und Baumknospen , das nach allen Seiten hin blendend sich verbreitende