den er sich versunken glaubte . - Sein natürlicher Verstand , seine Fassungsgabe ließen ihn in der wissenschaftlichen Bildung Riesenschritte machen , und doch - fühlte er oft die Bleigewichte , die die frühere Erziehung , das Forttreiben in der Gemeinheit ihm angehängt . - Chiara , die Verbindung mit diesem seltsamen geheimnisvollen Wesen , das war der zweite Lichtpunkt in seinem Leben , und so bildete beides , jenes Erwachen des Wohllauts und Chiaras Liebe , einen Dualismus seines poetischen Seins , der wohltätig hineinwirkte in seine rohe , aber kräftige Natur . - Kaum den Herbergen , kaum den Schenken , wo im dicken Tabaksqualm Zotenlieder ertönten , entronnen , brachte der Zufall oder vielmehr die Geschicklichkeit in mechanischen Künsteleien , denen er den Anstrich des Geheimnisses zu geben wußte ( wie der geneigte Leser schon erfahren ) , den jungen Abraham in Umgebungen , die ihm eine neue Welt sein mußten , und in denen er , ewig Fremdling bleibend , sich nur dadurch aufrecht erhielt , daß er den festen Ton behauptete , den seine innere Natur ihm angegeben . Dieser feste Ton wurde mit der Zeit immer fester , und da er keineswegs der eines simplen Grobians , sondern auf klaren gesunden Menschenverstand , richtige Lebensansicht und daraus sich erzeugenden treffenden Spott basiert war , so könnt ' es nicht fehlen , daß da , wo der Jüngling sich nur aufrecht erhalten und toleriert worden , der Mann als ein zu fürchtendes Prinzip großen Respekt einflößte . Es ist nichts leichter als gewissen vornehmen Leuten zu imponieren , die immer noch weiter unter dem stehen , wofür man sie etwa halten mochte . Daran dachte nun Meister Abraham eben in dem Augenblick , als er von seinem Spaziergange wieder an das Fischerhäuschen gekommen , und schlug eine laute herzliche Lache auf , die Luft machte seiner gepreßten Brust . Zur innigsten Wehmut , die ihm sonst wohl gar nicht eigen , hatte den Meister nämlich das lebhafte Andenken an den Moment in der Kirche der Abtei St. Blasius und an die verlorne Chiara gestimmt . » Warum , « sprach er zu sich selbst , » warum blutet eben die Wunde jetzt so häufig , die ich längst verharscht glaubte , warum hänge ich jetzt leeren Träumereien nach , da es mir scheint , als müsse ich tätig eingreifen in das Maschinenwerk , das ein böser Geist falsch zu treiben scheint ! « - Der Meister fühlte sich beängstigt durch den Gedanken , daß er , selbst wußte er nicht wodurch , in seinem eigentümlichsten Tun und Treiben sich gefährdet sah , bis , wie gesagt , er im Ideengange auf die vornehmen Leute kam , über die er lachte und augenblicklich merkliche Linderung verspürte . Er trat ins Fischerhäuschen , um nun Kreislers Brief zu lesen . - In dem fürstlichen Schlosse hatte sich Merkwürdiges begeben . Der Leibarzt sprach : » Wunderbar ! - es geht über alle Praxis , über alle Erfahrung hinaus ! « - Die Fürstin : » So mußte es kommen , und die Prinzessin ist nicht kompromittiert ! « Der Fürst : » Hätt ' ich ' s nicht ausdrücklich verboten , aber die Crapule der dienenden Esel hat keine Ohren - Nun - der Oberforstmeister soll dafür sorgen , daß der Prinz kein Pulver mehr in die Hände bekommt ! « Die Rätin Benzon : » Dank dem Himmel , sie ist gerettet ! « - Währenddessen schaute Prinzessin Hedwiga zum Fenster ihres Schlafgemachs heraus , indem sie dann und wann abgebrochene Akkorde anschlug auf derselben Guitarre , die Kreisler im Unmut von sich warf und aus Julias Händen , wie er meinte , geheiligt zurückempfing . Auf dem Sofa saß Prinz Ignatius und weinte und klagte : » Es tut weh , es tut weh , « vor ihm aber Julia , die emsig beschäftigt war , in eine kleine silberne Schüssel hinein - rohe Kartoffeln zu schaben . Alles dieses bezog sich auf ein Ereignis , das der Leibarzt mit vollem Recht wunderbar nannte und über alle Praxis erhaben . Prinz Ignatius hatte sich , wie der geneigte Leser schon mehrmals erfahren , den unschuldig tändelnden Sinn , die glückliche Unbefangenheit des sechsjährigen Knaben erhalten und spielte daher gern wie dieser . Unter anderm Spielzeuge besaß er auch eine kleine , aus Metall gegossene Kanone , die ihm zu seinem Lieblingsspiel diente , an dem er sich jedoch höchst selten ergötzen konnte , da manche Dinge dazu gehörten , die nicht gleich zur Hand waren , nämlich einige Körner Pulver , ein tüchtiges Schrotkorn und ein kleiner Vogel . Hatte er das alles , so ließ er seine Truppen aufmarschieren , hielt Kriegsgericht über den kleinen Vogel , der eine Rebellion angezettelt in des fürstlichen Papas verlornem Lande , lud die Kanone und schoß den Vogel , den er mit einem schwarzen Herzen auf der Brust an einen Leuchter gebunden , tot , zuweilen aber auch nicht , so daß er mit dem Federmesser nachhelfen mußte , um die gerechte Strafe an dem Hochverräter zu vollstrecken . Fritz , des Gärtners zehnjähriger Knabe , hatte dem Prinzen einen gar hübschen bunten Hänfling verschafft und dafür , wie gewöhnlich , eine Krone erhalten . Sogleich war dann aber der Prinz in die Jägerstube geschlichen , gerade wenn die Jäger abwesend , hatte richtig Schrotbeutel und Pulverhorn gefunden und sich daraus mit der nötigen Munition versehen . Schon wollte er mit der Exekution beginnen , die Beschleunigung zu fordern schien , da der bunte zwitschernde Rebell alle nur möglichen Mittel versuchte zu entwischen , als es ihm einfiel , daß er der Prinzessin Hedwiga , die jetzt so artig geworden , durchaus nicht die Lust versagen dürfe , bei der Hinrichtung des kleinen Hochverräters gegenwärtig zu sein . Er nahm also den Kasten , worin seine Armee befindlich , unter den einen , die Kanone unter den andern Arm , den Vogel aber in die hohle Hand