, am wenigsten da , wo er sich im Rechte fühlte . Ihr Zögern reizte ihn aufs äußerste . » Werden Sie bleiben ? Werden Sie den zudringlichen Burschen ein für allemal verabschieden ? « fragte er , beinahe drohend , und der herrische Ton rief den ganzen Trotz der jungen Frau wach . Sie richtete sich beleidigt empor . » Ich weiche keinem Befehl ! « » Und ich verlange keinen Gnadenbeweis , sondern eine Entscheidung ! Gehen Sie nach Aegypten ? Ja oder nein ? « » Ja ! « kam es kurz und hart von Elfriedens Lippen . In den tief verfinsterten Zügen Adlaus zuckte es , ob vor Zorn oder Schmerz , das ließ sich nicht entscheiden , denn schon in der nächsten Minute verneigte er sich mit eisiger Kälte . » So wünsche ich Ihnen glückliche Reise , Frau Baronin – leben Sie wohl ! « Er ging , ohne sich noch einmal umzuwenden , sonst hätte er es vielleicht gesehen , wie die junge Frau eine Bewegung machte , als wollte sie ihm nacheilen – zu spät , denn er verschwand bereits hinter der Mauer . Sein Schritt war längst verhallt und Elfriede stand noch immer bleich und regungslos an dem weinumrankten Pfeiler und schaute hinaus in die Landschaft . Aber sie sah nichts von all der lachenden , sonnigen Schönheit da draußen . Endlich wandte sie sich langsam zum Gehen , ihr Blick glitt noch einmal mit dem alten müden Ausdruck durch das verlassene Gemäuer . Ringsum Verödung und Verfall – und dort der versiegende Quell ! Der Dampfer , der von Alexandrien kam und für einige Stunden in Korfu anlegte , war rechtzeitig eingelaufen und die Reisenden , die ihn zu der Fahrt nach Triest benutzen wollten , rüsteten sich , an Bord zu gehen . Die Träger schleppten von allen Seiten Gepäck herbei , während ein Teil der Boote bereits abstieß und nach dem Schiffe steuerte , das ziemlich weit draußen im Hafen lag . Geheimrat Rottenstein kam aus seinem Hotel und schlenderte langsam und anscheinend ganz absichtslos durch das Gewühl am Ufer . In Wirklichkeit war er auf dem Wege nach dem Rahnsdorfschen Hause , hatte das aber weislich seiner Tochter verschwiegen , sonst hätte es vermutlich wieder einen Sturm gegeben wie vorgestern . Der alte Herr befand sich in sehr niedergedrückter Stimmung , denn er konnte sich nicht verhehlen , daß sein » Eingreifen « auf das er so stolz gewesen , kläglich gescheitert war . Zwar wußte er nicht , was eigentlich zwischen Elfriede und Adlau geschehen war , und hatte auch nicht gewagt , danach zu fragen , aber die Sache war zu Ende , ganz zu Ende , das stand fest . Der arme Geheimrat war aus dem süßen Schlummer , dem er sich damals unter den Oliven so behaglich hingegeben hatte , jäh und unliebsam geweckt worden , zunächst durch den Sonnenschirm , der seinen Halt in den Zweigen verlor und ihm gerade auf die Nase fiel . Herr Wellborn , der ebenso jäh in seiner Vorlesung unterbrochen wurde , sprang erschrocken auf und warf dabei den Tisch mit Krug und Gläsern um , während er sein kostbares Wetterglas noch glücklich auffing und vor dem Fall bewahrte . Da erschien auf einmal Frau von Wilkow ganz allein , sehr bleich und in einer Aufregung , die sie sich vergebens zu verbergen bemühte . Sie hatte sich , ihrer Erklärung nach , beim Zeichnen da oben , in dem » abscheulichen Gemäuer « , einen heftigen Kopfschmerz zugezogen und wollte sofort aufbrechen , da sie ihre Migräne im Anzug fühlte . Die Frage ihres Vaters , wo denn Robert bleibe , wurde mit der kurzen Bemerkung abgefertigt , Herr Adlau mache noch eine Kletterpartie in die Berge hinauf und komme später nach , er werde die Gesellschaft wohl noch einholen . Wellborn eilte in das Haus , um die Maultiere zu bestellen , und zehn Minuten später brach man wirklich auf . Der Rückweg war freilich sehr ungemütlich . Elfriede sprach überhaupt gar nicht , der Geheimrat nur das Notwendigste , so mußte Ferdinand Wellborn denn allein die Kosten der Unterhaltung tragen , was er auch mit Vergnügen übernahm . Er hatte natürlich nichts bemerkt , glaubte an den Kopfschmerz und brachte sechs oder acht verschiedene Mittel dagegen in Vorschlag . Schließlich kam er wieder bei seinem Lieblingsthema an und erklärte , die Unheilsatmosphäre , die sein Wetterglas verkünde , sei allein schuld an dem Kopfschmerz der gnädigen Frau . Adlau hatte die Gesellschaft natürlich nicht eingeholt , überhaupt nichts weiter von sich hören lassen . Er hatte nur heute morgen dem Geheimrat seine Karte mit einigen Abschiedsworten gesandt , eine Empfehlung an Frau von Wilkow war nicht beigefügt . Der alte Herr wußte nun Bescheid , er hatte es vorausgesehen , aber so fremd und kalt wollte er doch nicht von dem Manne scheiden , den er am liebsten Sohn genannt hatte , er wollte ihm wenigstens persönlich lebewohl sagen und war jetzt gerade auf dem Wege zu ihm . Da stieß er natürlich wieder auf den unvermeidlichen Wellborn , der ein eigenes Talent besaß , gerade da aufzutauchen , wo er am unbequemsten war , und in solchen Fällen war er überhaupt nicht wieder loszuwerden . Er blieb auch heute dieser freundlichen Gewohnheit treu und hing sich sofort an den Geheimrat , dem er nicht von der Seite wich . Dieser machte zwar einige krampfhafte Versuche ihn abzuschütteln , vergebens , Ferdinand blieb und ließ vergnüglich das Mühlwerk seiner Rede klappern . Er erkundigte sich zunächst nach dem Befinden der gnädigen Frau , die gestern leider für ihn unsichtbar geblieben war . Er hatte auf seine Anfragen nur die betrübende Thatsache erfahren , daß die Migräne noch immer anhalte . Dann kam er ganz unvermittelt auf den Dampfer zu sprechen , der draußen im Hafen lag , und mit dem auch Herr Adlau abreisen wolle . Dieser Herr aus Amerika habe sich vorgestern doch