zu halten , aber ich könne nicht die Seine werden . Er fügte sich . Ich sah , es machte ihm Schmerz , aber er ist mir trotz alledem ein wahrer Freund geblieben sein Leben lang . Zwei Jahre später führte er seiner Mutter eine junge Braut zu , rosig und frisch , deren blaue Augen voll Seligkeit an den ernsten Zügen des Bräutigams hingen . Da beschlossen wir – seine Mutter und ich – das junge Paar zu verlassen und in mein altes Heim zu ziehen . So geschah es . Wir richteten die alte Pfarre wohnlich ein für die junge Frau . Wir freuten uns dann später , wenn wir das blonde Köpfchen am Fenster gegenüber sahen , wie sie eifrig nähte , oder wenn sie , flink wie ein Wiesel , das klappernde Schlüsselbund an der Seite , herüberhuschte und einen wichtigen Rat von der Mutter verlangte . So lebten wir still , wir beiden Frauen , und nur wenn die Erinnerung an vergangene Zeiten bei mir einkehrte , konnte ich wieder plaudern . Dann dankte ich Gott , daß ich so Schönes erleben durfte . Eines Tages wurde ich auf das Schloß gerufen : der Hausherr lag auf dem Sterbebett . Ich habe ihn gepflegt fünf lange Wochen Tag und Nacht , habe ihm die Augen zugedrückt , die mich noch einmal dankbar anblickten , und habe wenigstens einen kleinen Teil der Schuld abgetragen , die mir die Dankbarkeit für frühere glückliche Zeiten auferlegte . Die Witwe war trostlos und klammerte sich in ihrem Jammer an mich . Bei der Beerdigung sah ich auch Bergen und Ruth wieder , beide mit ihren Söhnen . Willi , jetzt Fürst Bodresky , war ein bildschöner Junge geworden , dunkel , feurig und lebhaft , während Wilhelm v. Bergen das Wesen seines Vaters hatte : gerade und schlicht , mit bewußtem Willen . Ruth war noch die kokette , lebhafte , elegante Erscheinung wie früher , aber ein Leben voll steter Aufregung und Abwechslung hatte den Schmelz der Jugend vorzeitig von dem wundervollen Antlitz verwischt . Sie sah in manchen Augenblicken trotz ihrer dreißig Jahre müde und alt aus . Mich beachtete sie nicht , und , was mich am meisten schmerzte , sie hielt den Sohn geflissentlich von mir fern . Der hübsche Junge tat scheu und fremd gegen mich . Bergen war desto herzlicher , wir sprachen viel von Hanna und der schönen Zeit von damals , auch Eberhardts gedachten wir , und ich weinte mich satt in seiner Gegenwart . Er wußte ja , wieviel ich gelitten . Bald nach dem Begräbnis , und zwar auf Ruths Andringen , wurde Anstalt zum Verkauf von Bendeleben gemacht . Frau v. Bendeleben sollte mit nach Wien übersiedeln , Fürst Bodresky mochte das Gut nicht übernehmen . Bergen hatte nicht das nötige Kapital dazu und war auch zu gern Soldat , und auf die Kinder könnte man nicht warten , meinte Ruth – unterdessen hätten gewissenlose Pächter das Gut ruiniert . So dauerte es nicht lange , da zog die Herrin von Bendeleben mit ihrer Tochter , der Fürstin , nach dem glänzenden Wien , und in dem alten aristokratischen Hause , unter dem stolzen Wappen der Bendelebens , ging jetzt ein bürgerlicher , behäbiger Besitzer aus und ein . An den vornehmen , hohen Zimmern , wo jahrhundertelang nur Bendelebens gelacht und getrauert hatten , tobte eine Schar flachshaariger , kompakter Kinder , die sogar mit der Armbrust nach den bunten Göttern am Plafond des Speisesaales schossen , bis der wackere Vater und die brave Hausfrau , um nicht den Anblick von verstümmelten Nasen und fehlenden Augen zu haben , die vorwurfsvoll auf sie niederzublicken schienen , den Tüncher kommen und die ganze bunte Herrlichkeit weiß übermalen ließen , das » Vive la joie « dazu . Ach , gab es denn wirklich einmal eine Zeit , wo man das » Es lebe die Freude ! « hätte rufen mögen ? Mir preßte es das Herz zusammen , als ich fremde Leute da schalten sah , wo ich meine glücklichsten Tage verlebt hatte . Der alte Park mit seinen stillen Plätzen , seinen samtgrünen Rasenflächen , er kam mir entweiht vor , als ich eines Tages die wilde Jagd der Kinder darin herumtoben und die Gänse und Enten vom Hühnerhofe darin umherspazieren sah . Anne Marie war langst mit ihrem Manne davongezogen , denn die neue Gutsherrschaft brauchte keinen Gärtner . Die frühere Ordnung , die Stille war ganz abhanden gekommen . Ach , wenn der Baron das hätte sehen können ! Er hätte nicht Ruhe im Grabe und würde der Tochter , die dieses alte Familiengut zum Verkauf gebracht hatte , geflucht haben . Aber so geht es , gerade das Kind , auf dessen adlige Gesinnungen er so stolz war , es verschacherte jetzt das Haus seiner Väter , an dessen Erhaltung doch des Vaters ganzes Herz gehangen hatte . – » Warum hat er ' s nicht im Testament verboten ? « sagte Frau Renner . Ja , warum ? Weil er seinen aristokratischen Hinterbliebenen alles andere zugetraut hätte – nur nicht diese pietätlose Handlung . Und so lebten wir weiter , jahrelang , ein Leben , in dem sich nichts ereignete und suchten uns nützlich zu machen . Ich unterrichtete die kleinen Kinder des Pastors und half der jungen Frau in der Wirtschaft . Dann wurde meine gute , alte Renner kränklich , und nach langem Hin- und Herüberlegen meinte der besorgte Sohn , daß es besser sei , sie wohne in der Stadt , wo sie jeden Augenblick ärztliche Hilfe haben konnte . Ich begleitete sie natürlich , und ich tat es nur zu gern . Dann war ich ja seinem Grabe nahe , das ich bisher nur selten besuchen konnte . Dies machte mir den Aufenthalt in der engen Stadt lieb und angenehm . Und so zogen wir hierher in diese Wohnung hier . Die Hausbesitzer haben dreimal gewechselt , aber die