kann ich gleich brauchen ! « Malimmes lachte . » Darf ich eine Bitt tun ? Das Haus da ist Raubgut meines Herren . Möchtet Ihr nit ein Schutzfähnl Vor die Haustür stecken ? « Ein weißes Fähnlein mit dem Fürstenzeichen wurde vor der Schwelle aufgestellt . Dann ritten die Herren mit ihrem Gefolge zum Stift , um in den Stoben des Propstes Quartier zu nehmen . Jetzt konnte Malimmes das Eisen ins Leder stecken - hinter jeder Ungebühr wider den weißen Tuchlappen , der da vor dem Haus des Amtmanns baumelte , stand der Galgen . Der Söldner ging auf den Buben zu , der mit geschlossenen Augen gegen die Mauer gelehnt saß . Und da kam gerade Frau Marianne aus dem Stall zurück , mit einem neuen Schreck in den Augen . In dem von Asche , Schmutz und Blut bedeckten Harnischreiter , der die Gäule betreute , hatte sie den Ramsauer Richtmann erkannt . Und da zitterte sie um ihres Mannes Leben . Sie ging auf den Buben zu und wollte reden ; doch um ihre Kehle lag ' s wie eine würgende Faust . » Komm ! « sagte Malimmes zu Jul . » Du mußt dich waschen und brauchst ein Bett . « Jul flehte : » Laß mich da noch sitzen eine Weil ! « » Ins Bett ! « Malimmes wandte sieb grob an die Amtmännin . » Ich will für den Buben eine gute Stub . « » Eine Stub ist leer , mein bestes Bett ist drin . Ich lauf gleich , daß ich alles richten kann . « Frau Marianne hastete über die Treppe hinauf . Dabei hörte sie einen kommen und sagen : » So , die Gäul sind versorgt . « Lautlos weilte sie über die letzten Stufen der Treppe hinaufschleichen . » Frau ! Ein Wörtl ! « Wie versteinert blieb sie stehen und klammerte sieh an das Geländer . Klirrend kam Runotter über die Treppe herauf . » Ist der Amtmann im Haus ? « Sie stammelte : » Ach , guter Mensch - bei Gottes Barmherzigzeit , meinem Ruppert ist übel . « Hart sagte der andre : » Nit lang ist ' s her , da ist mir auch nit wohl gewesen in dem Haus da . « » Mensch , Mensch , so hab doch Mitleid mit einem Siechen ! « Runotter lachte grell . » Ich will ihm nur Grüßgott bieten . Das ist doch nötig , nit , wenn man als Gast in ein Haus kommt ? « Frau Marianne schüttelte heftig den Kopf . » Er nimmt ' s für geboten an . « » Wollet Ihr mich nit führen , Frau , so such ich den Amtmann selber . « Da ging ihm Frau Someiner schweigend voran in die Wohnstube . Hier brannten sehr viele wohlriechende Räucherkerzlein , während das schwere Pendel der Kastenuhr sein altes Wort sagte : » Bau ! Bau ! Bau ! « Frau Marianne öffnete die Tür der Schlafkammer , in die das Licht von zwei kleinen Gartenfenstern hereinfiel . Das große Ehebett war zur Hälfte bedeckt , zur Hälfte offen . Leer war auch die offene Hälfte . Denn Herr Ruppert Someiner , von einem Anfall seines Leidens gepeinigt , saß wie ein Häuflein des bittersten Elends in einem , hölzernen , wunderlich geformten Lehnsessel , hemdlings , Leib und Beine von einer geblümten Decke umhüllt , abgemagert , klein zusammengekrümmt , fahlgesichtig , mit hilflos irrenden Augen . » Schau , Ruppert « , stotterte die Amtmännin , » da kommt einer - mußt keine Sorg haben - bloß grüß Gott will er sagen . Ich tu dich ins Bett heben , komm ! « Herr Ruppert stöhnte : » Ich kann nicht - « Er wurde stumm , sein Gesicht veränderte sich , und das Kinn fiel ihm schlaff gegen die Hemdkrause . Runotter stand auf der Schwelle , wortlos , die beiden Fäuste über dem Knauf seines Schwertes , das er vor sich hin gestoßen hatte . Draußen in der Wohnstube klang immer dieses » Bau ! Baut ! « Und wie aus weiter Ferne hörte man kreischende Menschenstimmen , Gepolter und Gerassel , den Lärm des Sackmachens in den Nachbarhäusern . » Also , Gestreng Herr Amtmann ? Wie ist das jetzt ? Dürfen die siebzehn Ramsauer Küh auf der Mordau grasen ? Oder müssen die siebzehn Ochsen hinauf ? « » Mordau ? « lallte Herr Someiner . » Wohl ! So hat man das Hängmoos taufen müssen . Mein Bub erwürgt , hundert Leut erschlagen , mein Haus ein Kohlhaufen , hundert Dächer vom Feuer gefressen , ein Dorf im Elend , ein Land verwüstet , Mord und Not in der Welt - und was Recht heißt , muß in Angst auf dem Schmelzbänkl hocken . « Herr Ruppert fand keine Antwort . Sein Gesicht wurde so grau wie Asche . Der Bauer nickte . » Jetzt ist das so . Und keiner macht ' s nimmer anders . Wenn ich Euer Leben in Scherben schlag , wie ' s die Herren gemacht haben mit dem meinigen - was tät ' s helfen ? Gute Besserung , Herr Amtmann ! Ich geh . Es schmeckt nit fein da herin . « Er ging durch die Wohnstube hinaus . Frau Marianne atmete auf . Und Herr Someiner klagte in einer dunklen Logik seiner bedrängten Seele : » Das hätt ich mir meiner Lebtag nicht träumen lassen , daß ein redliches Mannsbild so in Untreu verfallen könnt ! « » Mann , ja Mann , so nimm doch ein lützel Verstand an ! « grollte die Amtmännin , während sie den Leidenden in das Bett schleppte . » Der hat doch mit seinen Leuten unser Haus gehütet wider die Raubleut . « Durch dieses Wort und in der Bettwärme schien Herr Ruppert zu einer milderen Anschauung zu gelangen . Aber er hatte mit seiner Rede , die der andre