« » Es ist vorbei « , sagte er mit fremder , heiserer Stimme . » Es ist alles vorbei . « Und dann erfuhr sie , was geschehen war ... Werner hatte in die Luft schießen wollen ... Aber als der Pulverdampf sich zerteilte , da sah er , drüben , den Gegner zurückgesunken , in den Armen seiner Zeugen . » Ich habe ihn getötet « , flüsterte er . Und dann erzählte er noch mehr . Wie ein Gezeichneter war er durch die Straßen getaumelt , - hin , zu ihr , der Geliebten . Er traf sie und sagte ihr , was geschehen war , - sagte ihr , - daß sie nun frei war ... wie sie es gewollt . Da war in ihren großen Sphinxaugen ein Feuer entbrannt . War es ihr Wille gewesen , - der in ihm gewirkt , - gegen den seinen ... oder war es doch auch sein Wille gewesen - verborgen dem wachen Sinn und nur wirkend in jener dunkelsten Tiefe , in die kein Auge blickt ? ... » Geh jetzt , « hatte sie ihn gebeten , » und komm wieder - in zwei Stunden , nach meiner Wohnung . « Zwei Stunden war er in den Straßen umhergeeilt - und dann in das Haus gegangen , - in dem der Tote schon lag . Als er sich scheu der Tür näherte , da hatte ihm , bevor er noch die Klingel berührte , die Jungfer der Baronin geöffnet und ihm einen Brief hinausgereicht ... Er öffnete die zur Faust geballte Hand . Hier - hier - war der Brief . Sie strich die zerdrückte Papierkugel glatt und las : » Die Tat ist geschehen , die geschehen mußte und doch nicht geschehen durfte . Ich eile zu dem - der solche Taten nicht setzt - und den ich liebe . « Sie begriff nicht . Stumm hielt sie das rätselhafte Papier in der Hand . Da brach es aus ihm heraus . » Oh , verstehst du nicht - verstehst du nicht ? ! Ich - ich mußte die Tat begehen , - - - damit sie frei wurde - für einen anderen . « » Aber du wolltest ihn doch nicht töten « , sagte Olga . » Nein , ich wollte es nicht , - ich weiß nicht , - ich glaube , ich wollte es nicht ... Aber hätte ich ihn nicht getötet , so wäre ich doch derjenige gewesen - durch den ihre Ehe gelöst wurde - und der Name des - anderen - wäre frei geblieben . Kein Gesetzesparagraph hätte verhindert , daß eine neue Ehe - dort - geschlossen wurde . Keine Schmach hätte diese neue Ehe befleckt , und keine Bürde wäre auf sie geladen worden . « Wie ein schwerer , wallender Vorhang , - so rauschte das Geheimnis zurück . Sie begriffen beide . Sie wußten alles , - auch wer jener andere war . Sein Bild stand in diesem Augenblick vor ihrer beider Seelen . Sie sahen ihn , wie sie ihn damals gesehen , - an jenem Abend , da er mit der Baronin und mit ihnen zusammen war . Wie wenn auf eine dunkle Bühne plötzlich , auf eine einzige Stelle , volles Licht fällt und eine Gestalt beleuchtet , die hier im Dunkel gestanden und nun allen sichtbar wird , - so sah ihn Olga . Sie erinnerte sich an den fast kahlen Schädel von ungeheueren Dimensionen , an jene Stirn , die steil , wie ein Dachgiebel , aufstieg und sich schwang , wie ein romanischer Bogen . Sie erinnerte sich an den durchdringenden Blick - und an die Worte , die jener Mann über das Wollen gesprochen und über die Wünsche , die sich abarbeiten für dieses gefährliche Wollen , wie die Sklaven . Sie erinnerte sich , was er über die Orientalen gesagt , - über ihre nüchterne und entsühnende Moral der inneren Abrüstung . Und sie wußte , daß sich ihre und Werners Gedanken an diesem Bilde , das plötzlich , im vollen Licht , inmitten der dunklen Szene stand , begegneten ... Sie war es , die aus dem betäubungsähnlichen Zustand zuerst erwachte . Sie raffte sich auf . » Jetzt gilt es zu retten - was noch zu retten ist . « » Und was sollte das sein , was hier noch zu retten wäre ? « fragte er , mit verzerrtem Lächeln . » Das bist du « , sagte sie . » Du mußt fort und sogleich . « » Fort , warum ? « Langsam nur drang durch die Nebel die Vorstellung zu ihm , die sie ihm klar machte : daß er verfolgt würde , - wegen Totschlags im Duell , - und daß er darum fort müßte , heute noch , sofort . Er weigerte sich , vor den Folgen der Tat zu fliehen . » Willst und kannst du denn bleiben , - jetzt , - hier - wo du solches erlebt hast ? « Die Scham des Mißbrauchten stieg ihm glühend zu Gesicht . » Fort , fort « , dachte nun auch er . Aber wohin ? Nach der Schweiz , nach Italien , Amerika ? Und ohne Mittel ? Sie grübelten beide . Plötzlich durchschoß sie ein Gedanke . » Ich weiß , wohin du gehst ! « Und entschlossen teilte sie ihm ihren Plan mit . Er sollte zu Doktor Emmerich nach Ascona . Dort war er geborgen und konnte abwarten , bis er sich selbst wieder helfen konnte . Doktor Emmerich würde ihn aufnehmen . Er ließ alles geschehen , wie sie wollte . Er blieb in ihrer Wohnung , während sie hastig den Hut aufsetzte und forteilte zu der Bank , bei der sie ihr Depot hatte . Sie hob einen Betrag ab . Die Filiale , bei welcher ihr Depot lag , war in einem großen Kaufhaus . Gerade gegenüber den Schaltern der Bank