mir Kunde aus den Tälern ward , stöhnte ich vor Grimm , und konnte schon gar nicht zum Oheim hinuntergehen , ohne vor dem zu beben , was ich zu hören bekommen sollte . Die Wachsteinposten berichteten von einer Hungersnot , die seit Pfingsten die Ebene heimsuche . Hagere Bettler in Lumpen hätten nach Schreiberhau herauf gewollt , und da man ihnen den Weg versagen gemußt , kläglich um Speise gebeten . Hätten erzählt , wie das Korn so rar , daß nur noch der Reiche Brot habe . Von Kleien und gemahlenem Moose bereite sich der Arme sein Gebäck und esse gekochte Nesseln nebst anderm wilden Kraute . Dabei höre das Plündern und Plagen durch die Soldateska nimmer auf . Erst sei kursächsische Reiterei in Hirschberg gewesen , und mancher Hausbesitzer habe ein Dutzend Soldaten speisen müssen . Endlich , wie pestartige Seuchen herumschlichen , seien die Sachsen aus Scheu vor Ansteckung abgezogen , nicht ohne Abschiedsgeschenke zu erpressen . Im Juli sei abermals Einquartierung gekommen , diesmal kaiserische , und ihr Oberster habe dem Burgemeister unter Flüchen in Aussicht gestellt , die Stadt für die Aufnahme der Sachsen zu züchtigen . Unbarmherzig plünderte sein Volk die Vorstädte und Dörfer . Als eine mörderische Pest auch diese Einquartierung vertrieben hatte , überrumpelte eine Partei Plünderer das Schildauer Tor . Mit Äxten schlugen sie den Bürgern Türen und Schränke auf und raubten den Kirchen , was noch Wertvolles drin vorhanden . Dabei mußten die Einwohner Mißhandlungen über sich ergehen lassen . Als eine Deputation des Rates beim kaiserlichen Kommissar ob der soldatischen Greueltaten Klage führte , kam der trutzige Bescheid : » Ihr seid ja selber schuld ; was habt ihr die Tore nicht besser verwahrt ? Wart ' , ich werde euch eine Sicherheitswache senden . « Nun hatten die Hirschberger ihre liebe Not , die Sicherheitswache abzuwenden , denn solche Salvegarden waren allenthalben im Kriege Plagegeister , nicht minder schlimm denn der Feind . Nach und nach hatte sich in der Stadt auch lüderlich Gesindel eingefunden , das eine Rotte bildete , mehrerlei Unfug trieb und sogar eine Hochzeit auf Kosten der Stadt feierte , von den Bürgern Zehrung und Bier erpressend . Etzlers unterirdisch Weingewölbe räumten die Mausköpfe aus , soffen sich voll und erschlugen ein paar Bürgersleute . Schließlich wurden sie vertrieben , nicht ohne blutigen Kampf . Als zu Friedland kaiserisch Hauptquartier war , kam ein Kommando , Hirschberg solle all seine Geschütze und Glocken ausliefern . Die Stadt verlor drei Mörser und eine Kirchenglocke . So ward das Reich von Höllengeistern gepeitscht ; bis in unsere abgeschiedenen Täler drang das Seufzen der Verzweiflung . Für die Schreiberhauer kam eine Gewissensnot hinzu . Unser Prädikant hatte das Zeitliche gesegnet , und obwohl seitdem aus Giersdorf der evangelische Geistliche kam , die Neugeborenen zu taufen , die Toten zu begraben und die Paare zu trauen , war doch keine rechte Seelsorge vorhanden . Endlich ward dem Giersdorfer verboten , sein Amtieren über seine Gemeinde hinaus zu erstrecken . Wie denn überhaupt der evangelische Glaube im Lande vom Kaiser und seinen jesuitischen Helfern drangsaliert ward . Wegen meines Gesanges zur Harfe hatten mich die Schreiberhauer wiederholt zu Feierlichkeiten geladen , die ich durch Lieder verschönern sollte . So war ich zu einem Begräbnisse gegangen , und als der Giersdorfer Prädikant , nachdem wir lange gewartet , nicht erschien , baten mich die Trauernden , ein Gebet zu sprechen , da ich eines Seelsorgers Sohn und ein halbstudierter Mann . Auf diese Weise kam ich zu meiner ersten Predigt , und die Leute waren erbaut . Da nun die Gemeinde sahe , daß kein rechter Prädikant zu erlangen , drang sie in mich , jeden Sonntag zu predigen . Ich sagte zu und sprach , wie es mir ums Herze war . Der Kirche indessen fremd geworden , sahe ich für das schönste Gotteshaus den freien Himmel an . Proponierete also der Gemeinde , bei , gutem Wetter nicht zwischen Mauern , sondern im Waldesdom der Andacht zu pflegen . Kanzel und Altar war ein Felsen , statt der Kirchenbänke dienten Moos und Beerengestäude , als Glocken summten die vom Wind geschwungenen Fichten . Nur die Orgel war von Menschenhand - meine Harfe - sie gab im Walde guten Klang . In meinen Predigten tat ich kund , woher das Elend teutschen Landes komme , und wie es zu heilen sei durch die Wahrheit . » Die Konfessionen hadern miteinander , jede wähnt , ihre Pfaffen besäßen in den Glaubensartikeln einen Pakt , durch den der Herrgott verbunden sei , den Schäflein die Himmelsweide aufzutun . Dabei gehet es den Parteien keineswegs bloß um geistlich Gut , irdischer Reichtum ist hauptsächlich der Zankapfel . Die evangelischen Fürsten haben der Papistenkirche die Güter genommen , und nun möchte kaiserliche Majestät die Hand darauf legen . Hin und her gezerrt wird das arme Volk von den Confessionibus . In Strömen fleußt Menschenblut , die Saaten werden zerstampft , die Scheuern niedergebrannt , jeder blühende Gau wandelt sich zur Wüste , und zur Hölle das liebe Vaterland , wo Menschenbestien als Teufel hausen . Woher aber das Streiten um den Glauben , aus dem allerdings dieser unselige Krieg herfürgewachsen ? Gibt es denn keine Instanz , wo die Hadernden zum Frieden gelangen können ? Ist denn nichts Höheres ausfindig zu machen als die Konfession ? Ja , das Höhere lebt ! In allen Menschenkindern lebt es ! Der eine gemeinsame Urquell ist es , dem jede Kreatur entquillt ! Er allein , der Ewige , Eine , Unteilbare sei unsere Konfession ! Lasset uns nicht geringer sein denn diese frommen Waldbäume ! Nadeln und Zweige der Tanne spüren , daß sie demselben Stamme , derselben Wurzel angehörig sind . Doch wehe , die argen Pfaffen predigen einen andern Gott als den Allwesenden , darinnen wir leben , weben und sind . Schwatzen dem törichten Volke vor , Gott sei ferne der Welt , hoch über den Sternen , durch eine Kluft