Unterstützung bedürfe ; er neigte sich zu ihm , und fragte nach seinem Schmerze und ob er helfen könne . Eine kalte Hand legte sich in die seine , und eine Stimme wie aus den tiefsten Gräbern sprach : » Valerius , mir kann niemand helfen , ich bin ein Jude . « Dabei richtete sich die Figur langsam auf und trat aus der Vertiefung des Portals - die bleichen Mondesstrahlen fielen auf Joels bleiches Gesicht . Er drückte dem Valerius die Hand , warf noch einen Blick auf das gegenüberstehende Haus und schritt in die Nacht hinein . Das Schicksal schien in dieser Nacht keine gleichmäßige Stimmung in Valerius dulden zu wollen . Wie betäubt von den mannigfachen Wechseln kam er nach Hause und warf sich aufs Lager . Er wollte nichts mehr denken , nichts mehr überlegen , nichts fürchten , nichts hoffen , da er sich solchergestalt in der Hand von allerlei Zufällen sah , welche ihr höhnendes Spiel mit ihm trieben . Aber unsere Gedanken sind eben der Himmel oder die Hölle , welchen wir nicht entfliehen können , selbst im Schlaf nicht entfliehen können . Denn auch die Träume stehen in ihrem Dienste . Und es will uns sogar manchmal bedünken , als streckten gerade in die Träume fremde Mächte dreister als sonst wohin ihre Hände : im Schlafe sehen wir Gedanken und Bilder ausgewachsen vor uns stehen , deren Anfänge wir kaum in unserem Herzen empfunden haben . Unsere Bildung wird in den Träumen sogar verarbeitet und oft neu gewendet und gerichtet , unsere Selbständigkeit ist zu Ende , aber unsere Kräfte sind gewachsen , wir empfinden uns freudig oder schmerzlich als unmittelbare Werkzeuge höherer Gewalten . Darum ließen schon die ältesten Völker im Traume die Götter kommen und mit Menschen sprechen . Darum nennen wir noch oft die begabtesten Menschen , die Poeten , Träumer , weil wir sie erfüllt sehen von übergewöhnlichen Kräften , von göttlichen Worten und Gedanken , die ihnen nur direkt von der Gottheit gekommen sein können im Schlaf und Traume . Wenn es ein Mittel gibt , die Zukunft zu erraten , so liegt es gewiß in den Träumen . Diese Kenntnis der Zukunft war aber eben jene Frucht vom Baume der Erkenntnis , welche die neugierige Eva naschte , und die ihr den Tod bereitete . Die Erfüllung ist der Tod des Wunsches , und wer nicht mehr wünschen und hoffen kann , der ist des Todes . Solch ein Erkenntnistraum sinkt oft in den Morgennächten auf die Menschen herab , aber der Himmel ist freundlich wie immer , und hüllt ihn in seine romantischen Nebel ; nur wenn man in der späteren Zeit wieder einen Teil jenes Traumes erfüllt glaubt , da dichtet man eine nächste Folge , aber man weiß sie nicht , und kann in Furcht und Hoffnung weiter leben . Warum soll man diese Offenbarung nicht glauben ? Webt sie doch nur aus den Anlagen und Kräften , aus den verborgenen Gedanken des Schläfers seine Zukunft ! Das waren die träumerischen Dinge , welche den halbschlafenden Valerius in jenen Morgenstunden umflatterten ; welch eine Geschichte aber mitten in diesen Gedanken durch seine Seele hinzog , davon wußte er am andern Morgen nur noch einzelne Stücke . Im Verlauf des Lebens dichtete er sich einen Zusammenhang . 17. Die Vormittagssonne weckte Valerius aus seinen Träumen und brachte ihm , wie sie es stets tat , die Hoffnung auf einen lebendigen , heiteren Tag , auf eine lichte Zukunft . Er schrieb ' s auch diesen Sonnenstrahlen zu , daß er sein Herz so ahnungsreich und fröhlich bewegt fühlte , als stünden ihm große Freuden bevor . Er hatte es zwar nicht vergessen , daß er sich Briefe bei der Fürstin holen sollte , aber er meinte , diese schöne verführerische Frau habe keinen Anteil an seiner angenehmen Stimmung , und er werde auch heute noch nicht zu ihr gehen . Mit diesen herumspielenden Gedanken legte er sich ins Fenster , mitten ins Gold der Sonne hinein , und atmete heiter die milde Winterluft . Das Fenster führte nach der südöstlichen Fläche vor Warschau , und die Waffen der manövrierenden Truppen , welche dort herumschwärmten , blitzten weithin wie ein Funkenregen . Noch war auf dieser deutschen Seite der Stadt kein Feind zu erwarten , und selbst Valerius ließ sich die Möglichkeit nicht träumen , daß noch in demselben Jahre von jener besonnten Ebene der neue Untergang des polnischen Volks in die Tore ziehen werde . Seine traurigen Gedanken waren überhaupt in den Hintergrund gedrängt , und er ertappte sich bald nur auf der Frage : » Gehst du heut zur Fürstin , oder nicht ? « Er mußte über sich selbst lachen und sich eingestehen , daß es wieder ein Stückchen jenes geheimen Etwas , jener Eitelkeit , daß es Koketterie sei , wenn er nicht hingehe . » Du willst dich rar machen , den Uninteressierten spielen , « sagte er sich spottend . Aber es kam heute nichts Ernsthaftes in ihm auf , die Zeit der Vorwürfe gegen sich selbst schien vorüber zu sein ; es ist auch langweilig und abgeschmackt , sich fortwährend zu hofmeistern - dachte er - wir wollen einmal meine Erziehung und die Erziehung des Menschengeschlechts eine Zeitlang auf sich beruhen lassen . Magyac mußte das Pferd satteln , und er ritt spazieren , hinaus in die Sonne , und wenn das Pferd gelaufen wäre bis ins heiße Afrika . O , es entwickelt sich ein so schönes , gesundes Leben unseres Geistes und Herzens , wenn wir zu Wagen oder zu Pferde dahingerissen werden in die reine Gottesluft , Kopf und Herz werden durch keine Mühseligkeit des Körpers gestört und der Mut wächst hoch in die Wolken . Der Mut ist aber der eigentliche Lebensstoff , welcher überall das Größte erzeugt in Taten und Gedanken . Es flog sein Gaul an einem Phaeton vorüber , aus welchem er seinen Namen zu hören glaubte . Aber es tat