so auf Pferdes Rücken hin , frei und im Gefühle der Kraft , stolz das Weib seiner Liebe zu behüten und am Herzen des Weibes im Zelte auszuruhen . Seine Worte klangen wie helle Rufe , und als wenn er am liebsten sich hingeworfen , den Boden der Steppe mit der Stirn zu berühren in Inbrunst . Verena stand neben Einhart . Sie war kindlich erstaunt in ihrer scheuen Fröhlichkeit . Weil sie die Glut in Einhart lohen sah . Die verzückten Worte seiner Rede hatten sie noch mehr aufgeweckt . Als sie dann beide wieder unter die übrige Gesellschaft traten , und man dem Schlosse langsam zuwandelte , war Einhart ganz für sich neben ihr . 10 Wer wohl begriff , was in Verena so zärtlich aufquoll , als die alte Gräfin Schleh mit Einhart und dem übrigen Besuche durch die hohe Allee des Schloßgartens hinausgefahren . Als nur die alte Baronin mit dem blinzelnden Auge und die liebende Komtesse Josepha noch um sie waren . Verena sah auf und lachte in die Abendluft , weil oben hoch ein Rüttelfalke mit zitternden Flügeln im Äther stand , nach Beute spähend . Verena sah lange hinauf ins Abendlicht , bis ihre Augen geblendet kleiner wurden , und war kindlich erschreckt , als das flüchtige Tier plötzlich in die Baumkronen niederschoß , und nur ein schrilles Gekreisch hörbar blieb . Das Schloß lag in roter Glut . Die Fenster umrankte glühes Blattwerk . Verena schritt neben Komtesse Josepha und hing den Arm in den ihren . Verena begann jetzt auch einige schwebende Töne zum ersten Male zu singen . » Oh Verena ! « sagte die junge Gräfin zu ihr . » Wie es klingt ! Herrlich ! Siehst du , du kannst es ! « sagte sie nur . Sie wußte , wie oft Verena jeden Versuch , sie aus ihrer Trauer zu Tönen zu locken , immer noch bestimmt abgewehrt . » Meinst du , daß ich es wieder können werde ? « sagte Verena nur , und sah in die weite Wiese hinein , wohinter in der Ferne ein weißer Tempel an einem Schilfwasser ragte , davor mitten eine große , weiße Vase sich aus der Flut erhob . Und Verena sang gleich noch eine kleine Kadenz , lachte in die Luft und hatte den Abendglanz in ihren tiefen , grauen Augen leuchten . » Oh Verena ! wie du wunderbar aussiehst , wenn du so aufblickst « , sagte die junge Gräfin , als sie jetzt merkte , daß Verena eine zärtliche Heiterkeit kaum bemeisterte . Man schritt einen Augenblick stumm . Die alte Baronin achtete nicht groß auf die unsichtbaren Geister , die im Abendglühen rings und in Auge und Seele der neben ihr schreitenden jungfräulichen Frauen umgingen . Sie war an einem Asternbeet stehen geblieben , besah umständlich die bunten Blumen , nur um etwas auch dabei mitzutun , und brach eine blaue Aster , die sie Verena reichte . Aber Verena sah sich die Blume lange erst kindlich an , stand still und redete dann zu der Blume , als wenn niemand um sie wäre . » Ach , du bist es , Liebe ! « sagte sie . » Solche düstere Blume paßt wohl nicht mehr an mein Herz , « sagte sie dann bestimmt . Und dann redete sie ganz ernst und sich sichtlich besinnend . » Nur blaue Astern schmückten meines Vaters Sterbezimmer , « sagte sie dann . » Er hatte nie sonst im Leben Blumen angesehen . Nur erst als man ihn in seiner letzten Krankheit in Kissen in den Park gebettet und er so lange still für sich dasaß . Da hatte er zum ersten Male im Leben Blumen geachtet . Diese da . Er hatte sie zu lieben begonnen . Deshalb befahl Mutter , daß man ihn im Tode damit schmücken sollte . « Die alte Baronin war richtig erschrocken , daß sie so fehlgegriffen und wartete lange , ehe die frohe Laune , die sie verscheucht , in das lässige , stille Abendwandeln zurückkehrte . Dann war die Baronin im voraus ins Schloß zurückgekehrt . Im Schloßgarten , dort wo man von der Landstraße in den Park hineinsah , hatte die junge Gräfin ein eichenes Kruzifix für die Wanderer , die vorbeigingen , errichten lassen . Jeden Tag des Jahres kniete sie zu Ave dort und legte der Jungfrau einen Strauß Blumen nieder . Jetzt knieten Verena und Josepha im Abendlichte vor dem kleinen Holzbilde und schauten verträumt zur Jungfrau empor und beteten ein kindliches Gebet , eine jener süßen Weisen , die nichts wollen , als sich nach goldenen Früchten recken , oder gar gläubig selig nach Mond und Sternen , sprechend : Gieb mir den Mond ! Gieb mir die Sterne ! Gieb mir das Reinste ! Indes Baum und Strauch um sie in der Runde flüsterten . 11 Es waren Tage vergangen . Und es war ein lieblicher Tag gekommen nach Sturm und Regen . Die Bäume waren noch vollends astkahl geworden , und das Laub häufte sich in den Gartenwegen . Einige Astern blühten noch in den Beeten , die ziemlich gezaust aussahen . Die Sonnengespinste in der Luft hatten goldene Wärme . Die Renaulds mit Verena waren wieder zu Besuch auf dem Schlosse der alten Gräfin . Verena sah rosig und reizend aus . Sie trug ein Barrett und einen ganz schlichten Sammetpelz , den sie wie einen Husarenmantel leicht auf die Schulter hing , als man im Parke spazierte . An diesem Abend war man in den Musiksaal des Schlosses gegangen , weil einige der jungen Mädchen gewünscht hatten , Musik zu hören . Ein weiter Raum mit freier Wölbung , also daß die Töne des Klaviers darin voll Wohlklang sangen und wie aus einer tiefen Seele kamen . Alle hatten sich gleich an die Wände verteilt und saßen in Ecken und Winkel gelehnt und versunken . Weil Verena sich unerwartet ans Klavier gesetzt hatte , wo ihre mattgraue Robe