Da führte ihr in einem Café der Zufall einen jungen eleganten Herrn in den Weg , mit dem sie in ein Gespräch kam . » Ja und was wollen Sie ! In den hat sie sich verliebt ! Und nun ist ' s obendrein ein sehr reicher junger Herr . Kurzum - « » Kurzum ! - Aha ! « Es war Rother , als ob eine andre Stimme so dumpf aus ihm antworte . » Und da sind sie nun sozusagen auf der Hochzeitsreise ? « » Ja natürlich ! Hier hätt ' ich das Verhältniß nie geduldet und Kathi selbst wollte nicht - hier wäre sie ja doch leicht ausgespürt worden . Wohin sie sind , weiß ich nicht recht . Doch glaube ich - « Sie zögerte . » Nur heraus mit der Sprache ! « » Ich hörte mal , wie er viel von Norwegen erzählte , wo er hin wollte . Das sei jetzt bei den Herrn Touristen so beliebt . Und sie ließ sich viel von ihm erzählen darüber . « » Stimmt . Poststempel Hamburg . Und ... und - wie heißt ihr neuer Amoroso ? « Frau Lämmers zögerte . » Ja , ich weiß nicht ... Sie müssen mir versprechen , mich nie zu verrathen ... « » Mein Ehrenwort . « » Also gut . Er heißt Eugen Wolffert . « » Eugen Wolffert ! Der Sohn des Kommerzienrath Wolffert - des Waffenfabrikanten , des fortschrittlichen Reichstagsabgeordneten ? « » Derselbe . « Rother stand einen Augenblick regungslos . Es durchschauerte ihn jählings der Gedanke , daß es wohl gar keinen Zufall gebe , sondern alle Dinge innerlich aus Nothwendigkeit in einem abgezirkelten Kreise zusammenlaufen . Berg und Thal kommen nicht zusammen , aber wohl die Menschen in Berlin . Er faßte sich jedoch rasch und that möglichst unbefangen . Daß die Sache nun also endlich aus und zu Ende sei , befriedige ihn . So sei Kathi denn besorgt und aufgehoben . Somit empfehle er sich Frau Lämmers und danke ihr für die vielen Unannehmlichkeiten , deren sie dieser Geschichte halber sich unterzogen . Zu Hause steckte er sich eine Cigarre an und überließ sich Träumereien , die an seine Vergangenheit anknüpften . Eugen Wolffert ! Ja , den hatte er gekannt . Er dachte an eine Episode seines Jugendlebens zurück , an den Tag seiner Abiturientenprüfung . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der würdige Pädagoge hatte gesprochen , ordnete seine weiße Kravatte , schob seine Brille zurecht und erglänzte von dem milden Lächeln väterlichen Wohlwollens . Die Mütter , völlig überwältigt von den klassischen Citaten und Rührung , weinten bitterlich . Die Schwestern starrten - nicht nach dem speziellen Bruder , sondern seinen speciellen Collegen . Die Väter versuchten ergriffen auszusehen . Kurz , alles ging so zu , wie es seit grauer Vorzeit bei Abiturientenentlassung herkömmlich ist . Leider schienen die » nicht ganz gewöhnlichen Charaktere , « wie Director Sprengler es so schön ausgedrückt hatte , » der drei Aspiranten des öffentlichen Lebens « am wenigsten sanfteren Gefühlen zugänglich . Der Eine lehnte mit verschränkten Armen ( eine Stellung , die er zur äußersten Entrüstung des Pedells und der jüngeren Schulamtscandidaten während der letzten fünf Minuten kaltblütig behauptet hatte ) an einem Pfeiler in der Haltung stolzer Gleichgültigkeit . Der Andere blickte dem Lehrer seiner unerfahrenen Jugend , die Augen halb geschlossen , in die Reuer der Beredsamkeit strahlenden Brillen , - mit dem kahlen und mitleidigen Lächeln , das sich bei näherer Besichtigung wie verächtlicher Hohn ausnahm . Der Autokrat der Aula schien übrigens an diese verrätherischen Anzeichen eines schlechten Gemüths durch langjährige Erfahrung gewöhnt . O , er fühlte es , der absolute Dynast , mit gerechtem Groll : dies war nicht mehr das Lächeln des Trotzes sondern das triumphirende Lächeln des Befreiten vor seinem früheren Kerkermeister . » Dieser Jüngling nimmt ein schlechtes Ende ! « murrte der wohlwollende Seher einem grauhäuptigen Oberlehrer der Anstalt zu - dem wohlbekannten Dr. Müffich , welchem jene von der gelehrten Welt mit solchem Beifall aufgenommene Abhandlung über den Bart des Sokrates gelang . » Recte ! « versetzte dieser graue Trojaner . » Die Jugend wird immer verderbter ! « » Und welch schlechte Manieren ! « wisperte der schöne Dr. Lucä , welcher einen Essay - beileibe nicht Dissertatio , heute wird die Wissenschaft modern und elegant , Schlafrock wird unschicklich selbst für Metaphysiker , und die schlafmützigste Gründlichkeit wirft sich in Frack und Glacee - über die Superiorität des französischen Geistes verbrochen hat : ein Thema , das ihm bei einem gerechten deutschen Publikum große Sympathien gewann . Lucä war auch mal in Paris gewesen und litt am Größenwahn der Gallomanie . Der dritte Jüngling entfaltete indessen die Talente eines Satelliten . Erst versuchte er die stolze Nonchalance von Nr. 1 , dann die sardonische Grimasse von Nr. 2 nachzuäffen . Schwankend zwischen der Verehrung zwei so illüstrer Vorbilder , gähnte und grinste er in schönem Wechsel , bis er endlich , ermüdet von seinen erfolglosen Anstrengungen , das Kennzeichen seiner wahren Natur entwickelte , nämlich den träumerischen Blick phantastischer Duselei . Der großartige Ritus der Entlassung war nun zu beendigen durch den ehrenvollen Akt des Händeschüttelns mit dem einstigen Despoten . Der Gleichgültige schüttelte mit jovialer Herablassung , der Träumerische wie ein verlegenes Kind , und der Höhnische mit einer beleidigenden kalten Höflichkeit . Dann wandte sich der wohlerzogene junge Mann mit einem halb natürlichen , halb affektirten Gähnen zu seinen zwei Freunden , welche mittlerweile ihren Familien eine zarte Eröffnung über einen zu haltenden » Soff « bereitet hatten , den die drei Abiturienten für den Abend verabredet hatten . Für ihn selbst schien keine Familie anwesend . - Sie standen allein in der Vorhalle der Aula . » Eh bien ! « rief der Gleichgültige , offenbar die