, mich um das alte leere Nest zu kümmern ! - ? - Über Jahr und Tag kannst du mir immer noch deinen guten Rat schriftlich geben , Fritz ; oder du bringst mir ihn mündlich , oder ich hole mir ihn und zeige meiner Eva dabei zu gleicher Zeit die Stadt Berlin . Dann werden Ewald und Irene jenseits des Kanals sitzen , und wir können doch noch ein wenig unbefangener über Schloß Werden und sein letztes Schicksal zu Rate sitzen . Jetzt habe ich schon allzu lange um das öde Gemäuer mein armes , betrübtes Mädchen bei dem toten Vater allein gelassen . Komm nach Hause , Doktor . « Wir gingen , und - nun sind wir im letzten Akt , und da ich noch ganz und gar zur alten Komödie gehöre , so hätte ich nunmehr das vollkommenste Recht , meinen Oberrock aufzuknöpfen , meinen Stern und - mich als Serenissimus zu zeigen . Als der Serenste , der Heiterste ? ... Wenn ich sagen wollte , als derjenige , welchem doch von allen das bequemlichste Los zuteil geworden sei , so würde ich damit wohl das Richtigere treffen . Ich habe Zeit , wie ich es hier tue , den Geschichtsschreiber von Dorf und Schloß Werden , den Biographen des Steinhofes zu spielen . Habe ich meine Sache erträglich gemacht , so ist ' s gut ; ist das Ding unter aller Kritik ausgefallen , so habe ich im Grunde ja doch nur für den alten Vetter Just Everstein vom Steinhofe geschrieben , und der wird gottlob nur lächelnd sagen : » Ja , unser Berliner Doktor ! Lesen mußt du ' s , Evchen ; mir ist mehr als einmal die Pfeife drüber ausgegangen , und auf dein Gesicht dazu bin ich auch nicht wenig gespannt . Mittelalterliche Geschichtsquellen hat der alte Junge auch in unserem Falle gut studiert - na , laß ihn ; während der Universitätsferien rückt er wieder ein auf dem Hofe , und dann hoffe ich mündlich von ihm zu erfahren , ob er mir in seiner Chronik mehr Schmeicheleien oder mehr Grobheiten gesagt haben will . Nach England muß jedenfalls eine Kopie hinüber ; denn das sehe ich doch gar nicht ein , weshalb Ewald und Irene nicht geradesogut wie wir über diesen wunderbaren Historien den Kopf zwischen beide Hände nehmen sollen ! Es ist wirklich die Möglichkeit , was ein Mensch in der Einbildung des anderen an Glück und Geschick und dem Gegenteil davon befahren kann ! Jaja , mein Herz , von Rechts wegen müßten wir nun , ich und du und Freund Ewald und Frau Irene , uns hinsetzen und zu Papiere bringen , wie wir dies alles angesehen haben , als wir es erlebten . Sollen wir , Herz ? « » Mir bleib damit vom Leibe « , wird dann Frau Eva Everstein sagen . » Irene wird auch keine Zeit dazu haben . Die ist froh , wenn sie meines Bruders Korrespondenz besorgt hat . Also fällt es einzig und allein auf dich , Just , wenn wirklich in dem dicken Bündel Schriften ( und was für eine Hand schreibt das Menschenkind dazu ! ) was drin steht , was von einem von uns beantwortet werden muß . « » Ja , wenn man nur nicht zu behaglich in dem alten Neste säße und wenn einem nur der Tag Ruhe ließe ! « wird der Vetter Just die Unterredung mit seinem Weibe über das Manuskriptum des » Doktors in Berlin « fürs erste zu einem behaglichen Ende bringen . - - - Nun wird es natürlich wieder Leute geben , die nie zufrieden sind , wo es sich um den Schluß einer Geschichte , die man ihnen erzählt , handelt ; die alles immer noch genauer und ausführlicher zu wissen wünschen , als der Erzähler es vortragen kann oder will . Wo es sich um eine Hochzeit handelt , wollen sie die Zahl der Musikanten kennen , wo eine Taufe das Ende ist , soll ihnen nicht ein einziger Gevatter unterschlagen werden , und im vorliegenden Falle ( oh , ich kenne sie ! ) möchten sie mit » zur Leiche « gehen , das heißt den guten alten Vater Sixtus mit begraben , und dann ganz genau in Erfahrung bringen , ob Schloß Werden wirklich ebenso vom Erdhoden verschwunden sei wie die Nester , die wir aus dem Schlosse einst in die Luft und das grüne Gezweig hingen , oder was eigentlich zuallerletzt der Vetter Just Everstein damit angefangen habe . Ich für mein Teil hätte nun wohl noch mancherlei von Ewald und Irene zu berichten ; aber sonderbarerweise würde ich dafür die wenigsten aufmerksamen Ohren finden , denn » das kann sich ja ein jeder leicht denken « . - Und so sage ich nur , daß Irene mir die Instandhaltung eines Kindergrabes auf einem Berliner Kirchhofe anvertraut hat und daß es mir , unberufen , sonst nach Wunsch geht . Was das übrige anbelangt , zum Beispiel auch Jule Grote und Mademoiselle Martin ( Schloß Werden nie zu vergessen ! ) , so weiß nur der Vetter Just Everstein das Allergenaueste . Wer also noch eine Frage auf dem Herzen hat , der wende sich an ihn , von Bodenwerder , wo der Freiherr von Münchhausen geboren wurde , führt der Feldweg nach dem Steinhofe an jenem Steine vorbei , auf welchem er - der Vetter Just - den Kopf in den Händen und die Arme auf die Knie stützend und so in das Blaue hineinstarrend - einst saß und wartete auf menschliche Schicksale .