Kein Wort mehr ... So ein Undank ... « » Aber so nehmt doch Vernunft an « , rief Sender heftig . » Wenn Luiser dahinter stecken würde , so könnt ' er ' s mir doch gleich selbst sagen - « » Er weiß es ja nicht ! War er denn je in Lemberg ? Nein , nein , mich betrügt man nicht so leicht ! « Mißmutig setzte sich Sender wieder an den Schreibtisch . » Dann frag ' ich Luiser wirklich « , dachte er . » Er kommt ja gewiß auch heute . « In der Tat trat der Gemeindeschreiber kurz vor Mittag ein , wie jeden Freitag und Dienstag . So sehr ihn Dovidl sonst haßte , die Besuche ließ er sich gern gefallen . Luisers Einsatz war sehr ansehnlich , da er das Haupt einer Spielgesellschaft war . Ihre Mitglieder wollten die Regierung nicht betrügen , aber auch von ihr nicht betrogen sein . » Das lassen wir uns nicht einreden « , meinten sie , » daß die Nummern in Lemberg von einem Waisenknaben gezogen werden . Der Waisenknabe trägt Brillen und einen langen Bart und sieht vorher alle Listen durch . Jene Nummern , die am wenigsten besetzt sind , werden natürlich gezogen , damit auch möglichst wenig Gewinne ausbezahlt werden müssen . « Nun standen ihnen freilich nicht alle Listen des Landes zu Gebote , aber sie spannen ihre Netze so weit sie konnten ; jeden Freitag wurden die Listen eingesehen , die Ergebnisse brieflich ausgetauscht und dann am Dienstag verwertet . Keine Enttäuschung vermochte die Überzeugung dieser seltsamen Kartellbrüder zu erschüttern , daß sie allein auf richtiger Fährte seien . Auch Luiser Wonnenblum zählte das Häuflein Papiergulden so fröhlich vor Sender hin , als hätte ihm Gott selbst den Gewinn zugesichert . Aber womöglich noch heiterer wurde seine Miene , als Sender ihn nach dem Buchhändler fragte . » Recht so ! « flüsterte er . » Du brauchst nicht einmal dem Buchhändler schreiben . Ich schaff ' dir schon die Gesetze durch meinen Vetter in Lemberg . « Sender lehnte dankend ab . » Bemüht Euch nicht , sagt mir nur , wie der Buchhändler heißt . « » Das weiß ich nicht . Aber wie gesagt , mein Vetter ... « Als Sender es endgültig ablehnte , verließ Luiser sehr erstaunt den Laden . » Glaubt er vielleicht « , dachte er , » ich will am Preis verdienen ? Nicht einmal - ich hab ' schon so Vorteil genug davon , wenn sich Dovidl und Sender entzweien . « Sender aber schrieb ungesäumt » an den deutschen Buchhändler in Lemberg « und bestellte die Bücher gegen Nachnahme . Die genauen Titel wußte er ja nicht , aber das war wohl auch bei einem , der damit Handel trieb , nicht nötig . Als er den Brief in den Schalter des Postamts warf , streifte sein Blick die Briefe , die über dem Schalter ausgestellt waren . » An den Herrn Theaterdirektor Nadler « - Himmel , das war ja sein Brief , auf den er so schmerzlich Antwort ersehnt ; er war als unbestellbar zurückgelangt ! Der Postmeister musterte Sender lächelnd , als dieser den Brief zurückerbat : » Mensch , was hast du für Bekanntschaften ? ! Übrigens liegt der Brief schon einen Monat da . « Auf der Rückseite stand : » Retour . Adressat unbekannt wohin verzogen . « Senders Herz zog sich schmerzhaft zusammen . Nun brauchte er niemand mehr zu fragen . Dieser Herr Stickler und die anderen hatten nicht gelogen ... Er war nun wirklich ganz verlassen , sein Gönner geflohen , warum hätte er sonst seine Adresse nicht zurückgelasen ? ... » Der Ärmste « , murmelte er , » wegen fünfzig Gulden ! « Und neben dem Mitleid mit Nadler regte sich auch abermals das mit sich selber . Aber nun weinte er nicht wieder . Als ihn die Mutter beim Mittagessen besorgt fragte , warum er so bleich und traurig sei , zwang er sich sogar zu einer fröhlichen Miene . Zwanzigstes Kapitel Ebenso tapfer suchte er des Nachmittags seinen Dienst in der Kollektur zu verrichten . Es war der schwerste der Woche . Die Tür des Ladens stand nie still , zwischendurch mußte die ganze Liste kopiert werden , um mit Postschluß , sieben Uhr , nach Lemberg abzugehen . Denn am Mittwoch Morgens erfolgte schon die Ziehung in Lemberg , die Nummern wurden allen Kollekteuren sofort telegraphisch mitgeteilt ; in dem rechtzeitigen Abgang der Liste lag also die einzige Sicherheit des Staates gegen einen Mißbrauch . Nach sechs Uhr , Sender hatte schon das Kuvert geschrieben und wollte eben die Liste unterzeichnen - trat Herr v. Wolczynski in den Laden . » Ich bin gestern nicht dagewesen « , sagte er , » mit dem Huszkiewicz will ich nichts mehr zu tun haben . Seine Methode - haha ! - die pure Narrheit . Du bist ja klug , Senderko , hab ' ich nicht recht ? « Der Schreiber blickte etwas befremdet auf ; so leutselig war sonst Herr v. Wolczynski nicht . Dann zuckte er mit diplomatischem Lächeln die Achseln . » Wir verstehen uns « , rief der Edelmann und klopfte ihm vertraulich auf die Schulter . » Also - ich setze auf eigene Faust , Nummern , die ich mir selbst ausgerechnet habe . Hier - hundert Gulden ! « Er legte die Note hin . » Es ist doch noch Zeit ? « » Gewiß « , sagte Sender dienstfertig und legte die Note in die Kasse . Es war der höchste Einsatz , den er je eingetragen . » Bitte , welche Nummern ? « Wolcynski griff in die Westentasche . » Da hab ' ich das Zettelchen . « Aber es fand sich nicht vor . Er suchte im Rock , im Beinkleid , das Zettelchen fand sich nicht . » Verflucht ! « rief er , » was