, nachdem ich schon so viel für ihn bezahlt habe , auch noch diese horrible Ausgabe für ihn machen soll . Aber es geht nicht anders . Aus dem Hause muß er , und dies ist die anständigste und am wenigsten auffallende Weise , auf die ich ihn los werde . Vierundzwanzigstes Capitel Es war spät am Abend desselben Tages . In der Pensionsanstalt des Fräulein Bär waren die Fenster schon seit zwei Stunden dunkel , bis auf eins , das ich nach dem Garten hinter dem Hause sah . Das Licht kam aus einer Lampe , welche ganz in der Nähe auf einem Bureau stand , und an diesem Bureau saß Helene von Grenwitz und schrieb : Du Kluge , Stille , mit Deinen klugen , stillen blauen Augen ! Ach , wer wie Du , so stets sich selber gleich , durch das Leben gehen könnte ! Wer doch , wie Du , in sich selbst den Frieden hätte , in dem sich , wie in einem tiefen stillen See , Alles in klaren Farben und scharfen Umrissen spiegelt ! Was Dir heute gut erscheint , erscheint Dir auch morgen so ; was Du heute für recht hältst , erklärst Du auch morgen nicht für unrecht . Das Maß , mit dem Du die Menschen missest , ist das unwandelbar gleiche , strenge ; wer es nicht erreicht , den erkennst Du nicht für Deines Gleichen und behandelst ihn danach heute wie morgen und alle Tage mit der milden Freundlichkeit , die im Grunde eine kühle Gleichgiltigkeit ist , und um die ich Dich so oft beneidet habe . - Wie ist das Alles bei mir so anders , so ganz anders ! Mein Herz ist ein wildbewegtes Meer und die Bilder des Lebens verzittern darin , schwankend und wechselnd und mich ängstigend wie ebensoviele Gespenster . Zwar auf der Oberfläche ! - nun ja ! da ist ' s scheinbar ruhig genug - wenigstens sagen es die Leute und ich fühle es selbst ; aber in der Tiefe ? da kocht es und wühlt es - da keimen Wünsche , die ich mir kaum selbst zu gestehen wage ; da sprießen Gedanken , vor denen ich selbst erschrecke ; da blüht die Sehnsucht nach einem unsäglich hohen , unsäglich köstlichen Glück , die Sehnsucht , die ich Dir oft - und ach ! niemals so , wie ich sie wirklich fühle - geklagt habe und die Du lächelnd in das Reich der Träume verwiesest . Solltest Du Recht haben ? Sollte die Stimme , die oft in stiller Nacht - wie jetzt - aus meiner Seele ruft , klagend , sehnsuchtsvoll , verzweifelnd - nie ein Echo finden ? Mir glüht die Stirn - meine Augen brennen - mein Herz pocht in ungeduldigen Schlägen . Was willst Du , ungestümes , wildes Herz ? Liebe ? ja ! Macht und Ehre und Glanz und Herrlichkeit ? ja ! - Wie aber , wenn Du beides nicht auf einmal haben kannst ; wenn Du das Eine oder das Andere opfern müßtest ? wie dann ? was willst Du opfern ? die Liebe - nein ! die Herrlichkeit ? nein , o nein ! - Nun denn ! so poche rastlos unbefriedigt weiter und quäle mich ohn ' Erbarmen , bis diese Hand und dieses Haupt es müde werden , deine fiebernden Schläge zu zählen . Ich sehe Deine weichen blauen Augen erwartungsvoll auf mich gerichtet ; ich sehe auf Deinen Lippen die Frage zittern : was hast du , dearest ? O , Liebste , Theuerste , Du sollst es mir sagen . Seit einiger Zeit verstehe ich mich selbst nicht mehr . Ich schrieb Dir , daß ich Herrn St. zufällig vom Fenster aus wiedergesehen habe , und daß ich sehr wünschte , ihn einmal allein zu sprechen . Dieser Wunsch sollte noch an demselben Tage in Erfüllung gehen . Ich traf ihn bei Fräulein R. und er begleitete mich , da die Dienerin nicht kam , nach Hause . Wir hatten unterwegs ein Gespräch , das mich sehr erregte , da es von Bruno handelte , und ich hatte endlich Gelegenheit , Herrn St. den Dank abzustatten , den ich ihm von meiner Verlobungsaffaire her schuldete . Ich war tief bewegt , als er vor der Thür Abschied von mir nahm . Der Zauber , den dieser Mann stets auf mich ausgeübt hat und den ich nur von mir abzuschütteln vermag , wenn ich von ihm nichts sehe und höre , war in seiner Nähe wieder mächtig geworden . - Ich fühlte das und gerade deshalb - Du kennst mich - vermied ich es nicht , ihn wieder zu sehen , obgleich ich es leicht gekonnt hätte . Zwei Abende darauf traf ich ihn abermals , ebenfalls bei Fräulein R. Diesmal war , als wir nach Hause gingen , die Dienerin zugegen , aber da wir französisch sprachen , - das Herr St. entzückend schön spricht ; er sagte mir , er sei durch Abstammung ein halber Franzose - - war unsere Unterhaltung doch ungenirt . Was die zwei Tage gut gemacht hatten , verdarben diese zwei Stunden Zusammensein wieder , und ich erkannte zu meiner größten Beschämung - und mit Röthe der Scham auf den Wangen schreibe ich es nieder , - daß das Gefühl , welches mich in seiner Nähe überkommt , stärker ist , als mein Stolz . Nicht , als ob er mir durch Geisteshoheit , durch Manneskraft eben imponirte ! durchaus nicht . Er gleicht streng genommen , gar nicht dem Ideal , das ich von dem Helden , den ich lieben könnte , im Herzen trage : aber es ist in dem Ton seiner Stimme , in dem Blick seiner großen blauen Augen , in seinem ganzen Wesen ein Etwas , das mich unsäglich rührt . Und dann - ich will Dir ja Alles sagen , - ich weiß , daß er mich liebt , und wie es wohl unter