ein einziges Mal zu einem Lächeln verzog , obwohl er Alle um sich her - selbst Oswald nicht ausgenommen - lachen sah , zumal als gegen das Ende der Mahlzeit Herr Albert Timm mit seiner Nachbarin , Mademoiselle Marguerite , eine Conversation begann , in welcher er französisch und deutsch auf die possirlichste Weise durcheinander mischte . Die hübsche scheue Genferin hatte sich die größte Mühe gegeben , Herrn Timm ' s Kreuz-und Quersprüngen in der Unterhaltung zu folgen , und sich alle Augenblicke mit einem rapiden : qu ' est ce qu ' il dit ? que veut dire cela ? an Malte , ihren Nachbar auf der andern Seite gewandt , der ihr die Antwort um so häufiger bleiben mußte , als er selbst von Allem , was der unerschöpfliche Albert vorbrachte , kaum die Hälfte begriff , bis dieser mit ihr zu kauderwälschen anfing , um mit vielem Tacte den Scherz sofort abzubrechen , als er merkte , daß die hübsche Kleine durch das Gelächter der Andern in Verlegenheit gerieth . Es war bereits dunkel geworden , als die Baronin die Tafel aufhob , und Herr und Frau Pastor Jäger , die sich jetzt unter vielen Danksagungen für den so angenehm verbrachten Abend empfehlen wollten , einlud , mit ihr und dem Baron noch ein gemüthliches kleines Boston - in der alten Weise , wissen Sie , Pastor Jäger , wie es sich für solide Leute schickt - in dem Salon zu spielen . Malte war zu Bett gegangen . Oswald und Bruno , Albert und Mademoiselle Marguerite promenirten paarweise um den Rasenplatz und in den zunächst gelegenen Gängen des Gartens . Du hast mir noch gar nicht gesagt , Oswald , sagte Bruno - er nannte jetzt seinen Freund , wenn sie allein waren , stets mit dem brüderlichen Du - ob Du Tante Berkow gestern gesehen hast ? Ja , Bruno . Sah sie schön aus ? Wie immer . Läßt sie mich grüßen ? Natürlich . Weißt Du , Oswald , daß ich glaube , Tante Berkow mag Dich sehr gern leiden ? Warum , Du Närrchen ? Sie sah Dich an dem Abend , als sie hier war , immer mit so glänzenden Augen an - so recht lieb und freundlich , wie sie mich manchmal anblickt , wenn sie mir das Haar streichelt , aber doch anders - so - Ach , Du weißt ja nicht , was Du sprichst , Bruno . Ich weiß es recht gut , aber ich kann mich nur nicht so ausdrücken , wie Ihr klugen , großen Leute . Ich bin an dem Abend ordentlich eifersüchtig auf Dich gewesen , denn früher war sie gegen mich am freundlichsten . Ich nicht wissen , wie Tante Berkow aussieht , wenn sie Jemanden gern hat ? ich weiß es sehr wohl ! sagte Bruno trotzig . Und ich weiß auch noch mehr , fuhr er nach einer Pause fort . Ich sollte es eigentlich nicht sagen , denn Tante hat es mir verboten , aber ich glaube jetzt , es ist ihr gar nicht Ernst mit dem Verbot gewesen . Was war es ? fragte Oswald mit angenommener Gleichgültigkeit . Das war es , sagte Bruno . Ich war am Sonnabend Nachmittag , als Du Briefe schriebst , allein in den Wald gegangen , nach Berkow zu , weil das mein liebster Weg ist . Da kommt mir auf einmal Tante entgegen , zu Pferde , ganz allein , nicht einmal der Boncoeur war bei ihr . Sie ritt den Brownlock , den sie immer reitet , wenn sie schnell reiten will , und schnell mußte sie geritten sein , denn Brownlocks Brust und Hals und selbst Tante ' s Kleid waren voller weißer Schaumflocken . Sieh da , Bruno ! sagte sie , mir vom Pferde herab die Hand reichend , wo willst Du hin ? - Nirgends hin , Tante , wie gewöhnlich , sagte ich , aber wo wollen Sie hin ? - Auch nirgends ! antwortete sie lachend , da können wir ja zusammen unsern Weg fortsetzen . - Wenn Sie Schritt reiten wollen , sagte ich , sonst nicht . - Und da sind wir wohl eine halbe Stunde zusammen durch den Wald gezogen , und haben die ganze Zeit von nichts als von Dir gesprochen , und Tante fragte mich , ob ich Dich lieb hätte , worauf ich natürlich mit Nein antwortete ; ob Du viel studirtest ? und noch hunderterlei , was ich wieder vergessen habe . Zuletzt trug sie mir auf , Dich zu grüßen und zu fragen , ob Du die Kupferstiche noch nicht hättest , von denen Du ihr neulich gesprochen , und ob Du sie ihr nicht schicken wolltest - und dann rief sie mich wieder zurück und sagte : ich solle Dich lieber doch nicht daran erinnern , Dir auch nicht sagen , daß ich sie gesprochen hätte - aber wie gesagt , ich glaube jetzt nicht mehr , daß es ihr Ernst gewesen ist . Warum jetzt nicht mehr , Bruno ? Weil , - der Knabe schwieg ; plötzlich sagte er in gedämpftem Ton , als fürchtete er , die dunklen Gebüsche neben ihnen könnten es hören : Sage mir , Oswald , wie ist das , wenn man Jemand liebt ? Wie meinst Du das , Bruno ? antwortete Oswald , den die Frage in nicht geringe Verlegenheit setzte . Ich meine : was ist das für eine Liebe , von der so oft in den Büchern die Rede ist ? Ich habe Dich lieb , sehr lieb ; aber es ist mir , als müßte es noch eine andere Liebe geben . So habe ich immer nicht verstanden , warum der Marquis Posa so bestürzt ist , als Don Carlos sagt : ich liebe meine Mutter . - Weshalb soll er seine Mutter nicht lieben ? Ich habe meine Mutter nie gekannt , und so weiß ich gar nicht , wie